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Hamburger Stadtpostmarke NDP MiNrm. 12 - Beleg Nr. 1

Artikel vom 16.06.2019 aus Hamburger Stadtpostmarke.

Update 02.07.2019: Es handelt sich voraussichtlich um eine Ersttagsentwertung vom 01.01.1868 und keine Nachverwendung. Mehr dazu nach dem Fazit.

Auf einem örtlichen Flohmarkt sah ich diese Briefmarke. Es war eine der wenigen "Hamburg" Marken und damals (und wohl auch heute) gehören Altdeutsche Briefmarken weniger zum Reportaire eines Anbieters auf einem Flohmarkt.



Bei der Briefmarke handelt es sich um die Michelnummer 12 der Hamburger Stadtpostmarke des Norddeutschen Bundes, also der ersten Version.

Der wesentliche Unterschied zum Nachfolger ist die Zähnung. Sie hat nämlich keine. Das Papier wurde durchstochen mit kleinen Messer. Entlang dieser vorgestanzten Linie konnte man dann Briefmarken trennen. Was in diesem Fall auch geschah.

Und an dem obigen Beispiel erkennt man den Grund warum kurz darauf die "Zähnung" eingeführt wurde. Trotz der Vorstanzung wurde das Papier häufig gerissen. Zu sehen hier am Unterrand der Marke wo noch Papier von der Nebenmarke enthalten ist, während oben links ein Teil des Papiers fehlt.

Druckzufälligkeit oder gar Plattenfehler?

Erst nach dem Scan fiel mir auf, dass über den T von STADTPOSTBRIEF der Rahmen anscheinend gebrochen ist. Ob das ein Plattenfehler ist, kann ich an dieser Stelle mangels Möglichkeiten nicht nachvollziehen.

In dem Rundbrief 146 (siehe unten) enthaltenen Beispielen ist der Fehler nicht angegeben.

Ich gehe daher aktuell von einer Druckzufälligkeit aus.

Stempel

Der Stempel ist schon etwas besonderes, auch wenn vielleicht nicht auf dem ersten Blick.

Daten:
Postamt: Hamburg I.A.
Entwertung am: 17.01. (Vermutlich, Jahreszahl nicht vorhanden!) zwischen 18 und 19 Uhr Nachmittags (auch hier vermutlich)
Stempelfarbe: blau

Es handelt sich hierbei um einen normalen Einkreisstempel aus der Zeit des Norddeutschen Bundes der in der ersten Abteilung (I.A.) des Hauptpostamtes eingesetzt war. Dieser wurde in fünf verschiedenen Versionen zum Teil nacheinander zwischen 1868 und ungefähr 1871/72 eingesetzt, bevor sie durch den Hufeisenstempel ersetzt wurden.

Meiner Einschätzung nach handelt es sich hierbei entweder um den Typ 2 oder 4 aus dem Buch "Die Poststempel von Hamburg" von Dr. Ernst Meyer-Margreth. Hauptgrund hierfür ist das geschwungene rechte "Bein" vom "R". Dieses ist bei den beiden Typen genauso geschwungen wie bei der Entwertung.

Besser erkennt man es auf folgender bildveränderten Darstellungen.



Anhand dessen neige ich dazu das es sich um den Typ 4 handelt, insbesondere wegen dem "G" das einen höheren Bogen hat als beim Typ 2 dargestellt.

Leider fehlt mir ein Stempelabdruck zum Vergleich, damit ich die Höhe der Zahl I messen kann. Der Unterschied zwischen Typ 2 und 4 sind 3,2 zu 3,4mm in der Höhe der Buchstaben.

Stempelfarbe

Blau ist für eine Entwertung eine sehr ungewöhnliche Farbe. Wie heute auch, galt damals "schwarz" als Entwertungsfarbe. Im Einzelfall gab es auch blaue und rote Entwertungen.

Fehlende Jahreszahl

Wie man anhand des folgenden Bildes erkennt, gibt es keinen Abdruck der Jahreszahl die sich eigentlich unter dem Datum befinden müsste.



Wieso die Jahreszahl fehlt ist spekulativ. Eventuell hat, sofern die Datumsangabe 17.1. korrekt ist, Anfang des entsprechenden Jahres die Zahl gefehlt oder sie ist aus irgendeinem Grund nicht klar abgeschlagen worden. Genaues ist nicht mehr nachvollziehbar.

Falschstempel

Aufgrund der falschen Farbe und der fehlenden Jahreszahl, kann man auch spekulieren ob es hier eine Nachstempelung stattgefunden hat, auch wenn mein Bauchgefühl sagt, das es sich hier um eine korrekte Entwertung handelt.

Ein Grund wegen dem Bauchgefühl ist unter anderem die 3.

Die handschriftliche Drei

Vermutlich mit einem Bleistift befindet sich zentral hingeschrieben eine schwarze Drei.

Diese im typischen Design der damaligen Zeit geschriebene Zahl kann ich aktuell keiner vernünftigen Funktion zuordnen. Spekulationen sind hier Tür und Tor geöffnet.

Fazit

Viele der obigen offenen Punkte wären zu klären gewesen, wäre die Briefmarke noch auf ihrem Beleg. Ein Grund mehr interessante Briefe aufzubewahren und nicht zu zerschneiden.

Und wie man sieht, mit ausreichend Literatur findet man viele Details selbst aus so einer unscheinbaren Briefmarke die bei eBay wohl nur wenige Euros erbringen würde.

Update 02.07.2019 - Ersttagsentwertung

Kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels wurde eine Auktion mit dem folgenden Beleg bei eBay gestartet.



Vorder- und Rückseite


Artikeltext: Hamburg / Mi.-Nr. 10 / als portoger. EF auf Nach-Letzttags-Stadt-Brief m. blauem K1 HAMBURG I. A: 1.1.____7-8 V (ohne Jahr) 1868. Dieser Brief muss der Post zur Expedition bis zum 31.12.67 vorgelegen haben, er wurde am 1.1.68 entwertet und zugestellt (rücks. blauer K1 HAMBURG P. E. 4 1/1 68). Ein äußerst seltener Liebhaber-Hamburg-Letzttags / bzw. NDP-Ersttagsbrief. Es sind laut Fotoattest Blecher :" bisher nur 2 Briefe bekannt. In beiden Fällen handelt es sich um Briefe, die innerhalb Hamburgs zugestellt wurden,... es fehlt die Jahreszahl wohl auf Grund einer Verfügung. Bei denk Ankunft-Stempeln sind Jahreszahlen vorhanden. Als Ersttags-Brief des NDP dürfte dieser Brief wohl zu den größten Seltenheiten gehören."

Mal abgesehen von der aussergewöhnlichen Verwendung dieses Briefes bzw. der Briefmarke ist natürlich dieser Stempel wichtig.


Typ 2 (nach Meyer-Margeth) am 01.01.1868 verwendet.


Es handelt sich, mal abgesehen von der Uhrzeit um den gleichen Stempel wie oben beschrieben. Bemerkenswert ist der Schrägstrich zwischen Tag und Monat, welchen ich ursprünglich als 7 intepretiert habe. Dieser ist in der Musterabbildung vom 27.6.1868 bei der Abbildung in der Abhandlung von Meyer-Margeth nicht vorhanden. Meiner Beobachtung nach muss er schon sehr früh entfernt worden sein.

Kurz darauf schrieb ich den Inhaber des Briefes wegen dem Attest an und dem Hinweis wegen dem Stempel in demselben. Hier der Scan des Fotoattest.


In groß


Die genannte Verfügung ist mir nicht bekannt. Hier bitte ich um Hilfe, falls jemand zugang zu den Unterlagen hat.

Ersttagsverwendung / Ersttagsstempel

Man muss davon ausgehen, das die hier vorgestellte NDP MiNrm 12 am ersten Verwendungstag genutzt und entsprechend mit dem Ersttagsstempel entwertet wurde.

Die Kombination von blaue Farbe und ohne Jahreszahl dürfte sehr selten sein und aktuell nur am 01.01.1868 darstellbar. Der Schrägstrich und sein späteres fehlen ist dazu noch das i-Tüpfelchen.

Das alles zusammen macht aus einer jahrzehntelang bei mir harmlos rumschlummernde Briefmarke ein kleines Juwel meiner Sammlung.

Quellen:



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30.04.2017



Erstversion vom 16.06.2019. Letzte Aktualisierung am 02.07.2019.