Panzerdivision Clausewitz, Aufstellung-Einsätze-Vernichtung
Artikel vom 06.03.2026 aus Sonstiges.
Ein interessanter Beitrag aus dem Forum der Fachgruppe Militär- und Garnisonsgeschichte Magdeburg, welche ich hier mit Genehmigung wiederspiegeln möchte.
Quelle: http://f15919.nexusboard.de/t1171f7-Pz-Div-Clausewitz-Aufstellung-Einsaetze-Vernichtung.html
Hier eine vollständige Arbeit von Fr.-Wilh. Schulz aus Salzwedel.
Die Panzerdivision “Clausewitz” - Aufstellung und Einsatz im Raum Uelzen sowie ihre Vernichtung
Dargestellt ist die Aufstellung, Gliederung und die Kämpfe im Raum Uelzen - Veerßen, sowie die Nachtgefechte in Nettelkamp und Stadensen.Die Vernichtung der 3 Kampfgruppen in der Altmark und bei Fallersleben, mit dem letztendlichen Ende im Elm, sowie das Ende der Kampfgruppe 4 bei Henningen - Wistedt - Bombeck.
Überarbeitet und ergänzt! 2015
Vorwort: Mit dieser Arbeit über die Panzer-Division „Clausewitz“, habe ich versucht alle mir bekannten Fakten, Quellen und bisherigen Arbeiten zu diesem Abschnitt des Kriegsgeschehens um Uelzen und in der Altmark zusammenzufassen und allgemeinverständlich darzustellen.
Die Quellenlage von deutscher Seite ist kaum vorhanden, abgesehen von dem in amerikanischer Kriegsgefangenschaft angefertigten Bericht der Generale Unrein und Arndt, sowie einiger weniger Zeitzeugen. Aufschlussreicher sind die britischen und amerikanischen Berichte, die von mir teilweise zitiert werden.
Besonders danken möchte ich Herrn K. – H. Schwerdtfeger und Helmut Menzel, die mit Material und Rat unterstütz haben. Ohne die Hilfe durch Unterlagen und Bildmaterial von K. – H. Schwerdtfeger wäre diese Schrift, in dieser Form, nicht ermöglicht worden.
F. - W. Schulz
Die Panzerdivision “Clausewitz”, Aufstellung und Einsatz im Raum Uelzen
In den ersten Apriltagen 1945 liegt das Dritte Reich in den letzten Zügen, trotz des sich abzeichnenden totalen Zusammenbruchs versuchen die Machthaber das nahende Ende hinauszuzögern.Die Luftwaffe unternimmt am 7. April mit dem Einsatz von Rammjägern einen verzweifelten Versuch die alliierten Bomberströme zu stoppen. Die Piloten des „Sonderkommandos Elbe”, welches auf dem Fliegerhorst Stendal / Borstel ab dem 24. März aufgestellt wurde, werden am 6. April auf ihre Einsatzflughäfen verlegt. Von den 120 gestarteten Rammjägern gelangen etwa 70 an die einfliegenden Bomber, rund 40 davon können angreifen. Es kommt zur letzten Luftschlacht vom Steinhuder Meer über Celle - Uelzen - Salzwedel bis zur Elbe. Die deutsche Seite meldet bei 51 Feindverlusten 131 eigene.
Auch von der Wehrmacht werden die letzten Reserven mobilisiert. Von Hitler wird Ende März die Aufstellung der 12. Armee befohlen. Der grundlegende Befehl für die Aufstellung erging am 8. April 1945. Zum Oberbefehlshaber dieser Armee wird Generalleutnant Walter Wenk ernannt, sein persönlicher Adjutant ist Oberst Karl Seidel. Wenk wurde am 18. September 1900 in Wittenberg geboren (1982 gest.) und war somit der jüngste Oberbefehlshaber einer Armee in Europa.
Die Gliederung der 12. Armee musste durch die Lageentwicklung oft verändert werden. In der Aufstellungsphase verfügt die Armee über folgende Struktur: Armeeoberkommando 12 (AOK) bestehend aus 50 bis 60 Offiziere (Stabschef Oberst Günther Reichhelm), XX. Armeekorps (Gen. Carl-Erik Koehler), XXXIX. Panzerkorps (Gen. Karl Decker, hat sich am 21. April bei Wendhausen erschossen. Bis zum 29. April war der Korpsstab unter Gen. Lt. Karl Arndt wieder voll funktionsfähig,), XXXXI. Panzerkorps (Gen. Lt. Rudolf Holste) und dem XXXXVIII. Panzerkorps (Gen. Reichsfreiherr Maximilian von Edelsheim. Von Edelsheim führt am 4. Mai 1945 im Auftrag Wenks die Kapitulationsverhandlungen der 12. Armee mit der 9. US - Armee im Rathaus zu Stendal.). Jedes Korps hatte mehrere Divisionen, deren Personal- geschweige Kampfstärke selten einer solchen entsprach.
Vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) war geplant die 12. Armee aus dem Raum Dessau - Roßlau zum Harz vorgehen zu lassen, um sich dort mit der 11. Armee (General der Artillerie Lucht) zu vereinigen. Das XXXIX. Panzerkorps sollte von Uelzen über Oebisfelde - Helmstedt ebenfalls zum Harz vorstoßen. Diese vereinten Kräfte hatten den Auftrag zur Heeresgruppe B (Generalfeldmarschall Walter Model), die im Ruhrkessel eingeschlossen war, durch zu brechen und sie sollten gemeinsam eine neue Front aufbauen. Diese absurden Pläne des OKW waren von genannten Verbänden gar nicht zu erfüllen und wurden letztendlich vom Vormarsch der Alliierten überholt.
Die Reste des XXXIX. Panzerkorps waren Anfang April 1945 von der H. Gr. Weichsel in den Raum Lauenburg verlegt worden, sie sollten dort neu gegliedert und aufgefüllt werden. Kommandeur des XXXIX. Panzerkorps ist General der Panzertruppen Karl Decker, sein Stabschef ist Oberst i. G. Conrad Kühlein, sein Adjutant Major von Brauchitsch, 1. Stabsoffizier Major i. G. Gerhard Scharnhorst.
Decker wurde am 30. 11. 1897 als Sohn eines Husaren - Rittmeisters in Borntin - Neustettin / Pommern geboren und war mit 47 Jahren einer der jüngsten Generale der Wehrmacht. Er war Eichenlaubträger und zuletzt Kommandeur der 5. PD gewesen. Bis spätestens zum 28. April sollten alle unterstellten Einheiten vollständig und das Korps einsatzbereit sein. Zum XXXIX. Panzerkorps gehörten die Panzerdivision (PD) “Clausewitz“, die Infanteriedivision (ID) “Albert Leo Schlageter“, eine aus RAD (Reichs Arbeitsdienst) und Ausbildungseinrichtungen neu aufzustellende Division (Aufstellung wurde am 31. März 1945 als RAD - Div. z.b.V. auf dem Truppenübungsplatz Munster-Lager befohlen), und die abgekämpften Reste der Infanteriedivision 84 (ID 84), die nach den Kämpfen bei Wesel in den Raum Lüneburg ausgewichen war. Die Division bestand noch aus dem Divisionsstab unter Generalmajor Heinz Fiebig und nicht einsatzfähigen Truppenresten.
Anmerkung: A. L. Schlageter, 1894 geb., war Offizier und verübte während der Ruhrkämpfe gegen die franz. Besetzung Anschläge auf Verkehrswege. Er wurde zum Tode verurteilt und 1923 erschossen. Bei den Nazis galt er als Symbolfigur.
Ab dem 12. April bekam das XXXIX. Panzerkorps seine Einsatzbefehle direkt vom OKW, entsprechend dem Einsatzraum war es zu diesem Zeitpunkt noch der 25. Armee, General Blumentritt unterstellt. Die Befehle an das XXXIX. Panzerkorps liefen vom OKW über den OB Nordwest, Generalfeldmarschall Busch an die 25. Armee zum Korps. Weder Busch noch Blumentritt waren vom Gelingen des Angriffs zum Harz und darüber hinaus überzeugt.
Der einzige Großverband, der mit etwa 4 bis 5 000 Mann und gepanzerter Kampftechnik, über eine nennenswerte Kampfkraft verfügte, war die PD “Clausewitz“, alle anderen Einheiten des XXXIX. Panzerkorps waren nur bedingt oder gar nicht einsatzfähig.
Carl von Clausewitz
Carl von Clausewitz wurde am 1. Juli 1780 in Burg geboren. Sein Vater war als Leutnant aus der Armee Friedrichs II. entlassen worden und erhielt eine Zivilanstellung als königlicher Steuereinnehmer in Burg. 1792 beginnt Carl von Clausewitz seine militärische Laufbahn als Fahnenjunker im Regiment “Prinz Ferdinand” in Neuruppin. Am 10. Dezember 1810 heiratet er Marie von Brühl in der Berliner Marienkirche. 1812 nimmt er seinen Abschied im preußischen Heer und tritt in russischen Dienst, am 22. September 1813 wird er zum Oberst befördert, und ist russischer Verbindungsoffizier im preußischen Hauptquartier. Er hat maßgeblichen Anteil an der Konvention von Tauroggen zwischen den Russen (General Diebitsch) und den auf französischer Seite kämpfenden deutschen Hilfskorps (General Jork). Ziel dieser Konvention, welche am 30. Dezember 1812 geschlossen wird, ist es weiteres Blutvergießen zu verhindern. Angesichts des fluchtartigen Rückzugs von Napoleons großer Armee aus Russland, gab die Konvention von Tauroggen das Signal für die Volkserhebung in Preußen und in den anderen deutschen Staaten gegen die französische Fremdherrschaft.Clausewitz erarbeitet 1813 die Entwürfe für die Organisation der ostpreußischen Landwehr, die Geburtsstunde der allgemeinen Wehrpflicht für die Zeit des Krieges gegen Napoleon. In der Landwehr mussten alle Männer im Alter zwischen 17 und 40 Jahren ohne Unterschied von Stand und Besitz dienen. Am 11. April 1814 wird er als Oberst der Infanterie in die preußische Armee übernommen. 1815 wird er Chef des Generalstabs des III. Armeekorps und ab 1816 Generalstabschef im Armeekorps des Generals von Gneisenau. 1818 wird er Direktor der Kriegsakademie in Berlin und entwickelt sich zu einem genialen Militärtheoretiker, gleichzeitig ist er einer der großen deutschen Philosophen. Clausewitz stirbt am 16. November 1831 an der Cholera. Sein wichtigstes Werk “Vom Kriege”, erscheint nach seinem Tod, herausgegeben von seiner Frau, zwischen 1832 und 1835. “Vom Kriege” wurde zum Standardwerk der militärischen Literatur fast aller Staaten. In ihm sagt er u. A., “der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.”
Die Panzerdivision “Clausewitz” wird aufgestellt
Am 4. April 1945 wurde von der Organisationsabteilung des Generalstabs des Heeres die geheime Kommandosache “Zeppelin 2648” befohlen. Darin heißt es: Der Führer hat kurzfristig Aufstellung der Panzerdivision “Clausewitz” befohlen. Die Aufstellung ist durch Heeresgruppe H wie folgt durchzuführen.Es folgen die Einheiten und Truppenteile, aus denen die Division gebildet werden soll. Am 6. April erfolgt eine Ergänzung, in der weitere Einheiten benannt werden.
Die Truppenteile der Division sollten folgende Bezeichnungen erhalten:
- Pz. Rgt. Clausewitz
- Pz. Gren. Rgt. Clausewitz 1
- Pz. Gren. Regt. Clausewitz 2 (4 Füsilier Bataillone)
- Pz. Nachrichten-Kompanie
- Pz. Jagd-Abteilung Clausewitz
- Pz. Jagd-Abteilung 661
- Pz. Aufklärungs-Abteiling Clausewitz
- Pz. Pionier-Bataillon Clausewitz u. s. w.
Für die Aufstellung der Division ist ein ganz kurzer Zeitraum vorgegeben, der nicht realisierbar ist. Die zugewiesenen Truppenteile kommen im Sammelraum immer wieder mit Verzögerung an. Verlegungen am Tag sind wegen der alliierten Jagdbomber nicht möglich.
Als Aufstellungsraum wird die Gegend um Lüneburg, Lauenburg, der Sachsenwald und Putlos (Schießschule der Panzertruppen nördlich von Oldenburg) zugewiesen. Die Dörfer und Wälder füllen sich langsam mit Soldaten und anrollender Technik. Das Personal konnte durch die Mobilisierung der letzten Reserven (Truppenreste, Ausbildungseinheiten, Genesene, Arbeitsdienst, Volksturm und HJ) aufgebracht werden. Es ist teilweise sogar gelungen neues und modernes Kriegsgerät bereit zu stellen.
In ihrer Agonie versahen die deutschen Machthaber diese letzten Divisionen nicht mit Nr. sondern gaben ihnen Namen bekannter Persönlichkeiten z. B. aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon, Theodor Körner, Scharnhorst, Ferdinand von Schill, Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arnd, Ulrich von Hutten (1488 - 1523 Reichsritter und Anhänger der Reformation) und Carl von Clausewitz.
Die Aufstellung der PD “Clausewitz” erfolgt unter strikter Tarnung, alle Bewegungen können nur in der Nacht durchgeführt werden. Die Jagdbomber der Alliierten sind allgegenwärtig und greifen am Tag alles an, was ihnen vor die Rohre kommt. Von der deutschen Luftwaffe ist kaum ein Flugzeug zu sehen, nur manchmal ist nach Zeugenberichten eines der neuen Düsenjäger Me 262 am Himmel.
Der Panzergrenadier Hellmuth B. berichtet: "Wir kannten uns alle nur flüchtig, als wir am 10. April abends aus Fallingbostel abrückten und in den folgenden Tagen und Nächten ständig unterwegs waren. Unser Marschgebiet war in Elbnähe, zwischen Dannenberg, Lauenburg und Schwarzenbeck. Angeblich sollten wir hierbei mit anderen Marschverbänden zu einer Panzerdivision Clausewitz zusammengestellt werden. Am 13. April waren wir, aus Schwarzenbeck kommend, gegen Mitternacht im Raum Uelzen - Fischerhof angekommen und hatten in einem Waldstück unser Feldlager bezogen. Am nächsten Tag wurden wir verhältnismäßig gut mit Verpflegung, Kraftstoff und reichlich Munition, Handgranaten, Panzerfäusten, Sprengladungen usw. versorgt."
Zum Kommandeur der Division wird Generalleutnant Martin Unrein ernannt, sein Stabschef ist Major i. G. Thoma, sein Adjutant Major Demblin. Unrein wurde am 01. 01. 1901 in Weimar geboren und war ein erfahrener Soldat, er hatte sich als Kommandeur des Panzergrenadier - Regiment 4 der 6. PD an der Ostfront bewährt und war anschließend Kommandeur der 14. PD. Er war mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet.
Die Aufstellung der PD “Clausewitz” beansprucht mehr Zeit, als von der Organisationsabteilung des Generalstabs vorgesehen. General Unrein hatte seinen Stab im Schloss des Grafen Kielmansegg in Gülzow nördlich von Lauenburg bis zum 5. April versammelt. Nach und nach trafen die zugesagten Truppenteile im Konzentrierungsraum ein. Bis zum 18. April verfügt die PD “Clausewitz” im Wesentlichen über nachfolgende Einheiten, wobei es heute unmöglich ist, sicher zu sagen aus welchen Einheiten, mit welcher Ausrüstung und in welcher Stärke die Division sich im April 1945 letztendlich zusammengesetzt hat. Diesbezügliche Unterlagen sind nicht verfügbar, wodurch die Angaben nicht schriftlich belegt werden können, sie beruhen auf Zeugenaussagen und Überlieferungsfragmente. Sicher ist, dass keine der aufgeführten Einheiten die Sollstärke personell und materiell erreicht hat.
- Panzergrenadierregiment 106 “Clausewitz” (1 Werkstattzug, 1 Pz. Abt. 106, 2. Pz. Gren. Btl. und 1 Versorgungskompanie).
- 4 Schützenbataillone (mit je Stabskompanie, 3 Schützen-Komp. 1 Krad-Schützen-Komp. und 1 Pz. Gren. Komp.) Die Stämme des Panzergrenadierregiment 106 “Clausewitz” und dessen Schützenbataillone gehörten zur kampferfahrenen Panzerbrigade “Feldherrnhalle” (FHH) und wurden aus Bergen-Fallingbostel, Putlos und Bergen zugeführt.
- Eine Panzer-Nachrichtenkompanie von der HGr. H. (Halbe Kompanie, zu 25 % mit Nachrichtengerät ausgerüstet)
- Die Panzerjagdabteilung “Großdeutschland” aus Putlos und Grafenwöhr.
- Heeres Panzer-Jagdabteilung 661
- Lehr Artillerie Abteilung (mot), ausgerüstet mit 3,2 cm und 3,7 cm Flak auf Panzerfahrgestell, bzw. LKW.
- Panzeraufklärungsabteilung “Clausewitz“, aus Krampnitz.
- Panzer-Aufklärungs-Bataillon „Elbe“, aufgestellt in Altengrabow aus Ersatz-Aufklärungs-Bataillon. 2 Kompanien mit je 45 Mann und insgesamt 23 gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge.
- Panzerpionierbataillon “Clausewitz“,
- Versorgungs- und Nachschubeinheiten (sind zu 20 % mit Kfz ausgerüstet).
Wie gründlich die Heeresverwaltung noch arbeitete, ist an der Ausgabe von Feldpost Nr. für die Einheiten zu erkennen.
An schwerem Gerät verfügt die Division bis zum 10. April über 20 Panzer IV, 10 Jagdpanzer vom Typ “Hetzer”, 80 SPW (Halbkettenfahrzeuge) und 31 Sturmgeschütze anderer Typen.
Bis zum 16. April werden weiter zugeführt: 22 Panzer V (Panther), 2 Panzer VI (Tiger), 5 neue Jagdpanther, die direkt aus Braunschweig von der MIAG kamen (Braunschweig war ab dem 12. April von amerikanischen Kräften besetzt), 6 Panzer IV, drei 2 cm Flak und vier 3,7 cm Flak auf Panzerfahrgestell. (In der amerikanischen Beuteliste, aufgestellt nach der Vernichtung der Kampfgruppe I (KG I) und Teilen der KG II im Raum Klötze – Kusey - Immekath am 21. April, werden auch 10? Flakgeschütze auf Kettenfahrwerk und LKW genannt.)
Bis zum 18. April kommen noch einige SPW, 7 Panzer IV und einige Sturmgeschütze hinzu. Außerdem sollen noch weitere selbstfahrende Flakgeschütze und einige 8,8 cm Flakgeschütze per Bahn in Uelzen eingetroffen sein. Welche der zugeführten Kampftechnik bei den einzelnen Kampfgruppen zum Einsatz kam, lässt sich nicht feststellen. Sicher ist, dass keiner der 5 Jagdpanther bei einer der Kampfgruppen, die zum Harz durchbrechen sollten, eingegliedert war.
Unter den 10 Panther Panzern aus Putlos (Schiessschule der Panzertruppen), sollen sich zwei Panther mit eingebauten Nachtsichtgeräten befunden haben. (Über diese Vermutung gibt es keine gesicherten Zeugenaussagen, noch finden sich in den amerikanischen Unterlagen Hinweise. Das wichtigste Indiz sind der Bericht des 91. Panzerabwehrregiments der Briten und der Verlauf des Nachtgefechtes an der Brücke bei Fallersleben.)
Anfang April hatte Oberst Grosan die letzten Teile der Nachtkampfabteilung von Fallingbostel nach Putlos abgegeben. Eigentlich sollten die Panther Panzer mit den BIWA Nachtkampfgeräten nicht zum Einsatz gelangen. Sie sollten dem Feind nicht in die Hände fallen. Ein Teil dieser Nachtkampfabteilung unter Major von Werthern wurde noch nach Berlin in Marsch gesetzt, drehte dann aber nach Nordwest ab und fiel den Briten bei Bad Segeberg in die Hände.
Die deutsche Industrie (AEG, die Leitzwerke in Wetzlar, Zeisswerke in Jena) arbeitete bereits vor Beginn des Krieges, in enger Zusammenarbeit mit dem Heereswaffenamt und der Reichspostforschungsanstalt in Kleinmachnow, an der Entwicklung von Nachtsichtgeräten. Die Geräte für die Landstreitkräfte wurden seit mehreren Jahren an verschiedenen Versuchsstandorten der Artillerie und Panzerwaffe erprobt, so auch ab Frühjahr 1945 an der Panzerschießschule Putlos. Dort wurde die neueste Generation an Nachtsichtgeräten in Panther Panzer getestet. Mit diesen Geräten war das Fahren bei Dunkelheit, als auch das sichere Zielen über eine begrenzte Distanz möglich. Der auf dem Panzer montierte IR-Scheinwerfer (Infrarot-Scheinwerfer) reichte für eine Entfernung von 3 bis 400 m. Für größere Reichweiten bis 1 200 m gab es leistungsstarke IR-Scheinwerfer, die auf Halbketten SPW montiert waren. Einem solchen Fahrzeug waren fünf Panzer mit Nachtsichtgeräten zugeteilt.
Ein besonderer Mangel besteht an Artillerie (wurde nicht zugeführt), ausreichender Ausrüstung mit Flakgeschützen, Nachrichtentechnik und Instandsetzungsmaterial, wobei bei der Ausrüstung mit den verschiedensten Fahrzeugtypen eine effiziente Instandsetzung unter Gefechtsbedingungen kaum möglich gewesen wäre. Nachschub an Verpflegung kam aus Bienenbüttel, Treibstoff aus Hitzacker, wo sich ein großes Treibstoffdepot der WiFo befand, Munition aus Unterlüß und Bodenteich (Munitionsanstalt) und Sprengstoff und Granaten aus Dragan (Sprengstoffwerk der Dynamit Nobel AG). Auf Luftaufklärung und Unterstützung durch die Luftwaffe kann die Division nicht hoffen.
Max Lorenz, ein Angestellter der WiFo Hitzacker erinnert sich: "Für die Landser war hier die Welt zu Ende. Soweit er einen fahrbaren Untersatz hatte, war seine einzige Sorge: Benzin. Und den gab es noch genügend (in der WiFo), außer Flugbenzin.
Die Maschinisten in der Pumpstation Elbe konnten die Auftragsflut nicht bewältigen, es musste das Benzin schon direkt aus den großen Behältern entnommen werden.
Mit “Elmo - Pumpen” wurden dann 200 Liter - Fässer gefüllt und dann von diesen in die Tanks der Fahrzeuge, Autos, Motorräder und in Kanister geleitet. Die längste mir bekannte Fahrzeugschlange zum Tanken reichte von der Bahnüberführung auf der L 231 bis WiFo 1, dann durch das Ölgelände bis zur Pumpstation Elbe, am WiFo - Hafen. Später auch noch bis zu den Behältern: 1, 2 und 10 im Benzin - Gelände. Die Weiterfahrt erfolgte dann über den Heuweg - Gut Meudelfitz - zur L 231.
Eine Abgabe von Benzin an den beiden Pumpstationen am Bahnhof war nicht mehr möglich, weil durch die Bombardierung (25. März 1945, etwa 900 bis 1000 abgeworfene Bomben) alles zerstört war."
Mit fortschreitender Aufstellung der Division wurden die einsatzfähigen Einheiten im Raum nördlich, nordöstlich von Uelzen gesammelt, wobei anzumerken ist, dass sich die einzelnen, teilweise noch nicht einsatzfähigen Einheiten über einen großen Raum verteilten. General Unrein verlegte seinen Divisionsgefechtsstand in das Arbeitsdienstlager Emmendorf, etwa 5 km nördlich von Uelzen. Am 12. April trifft dort auch der Stab des XXXIX. Panzerkorps unter General Karl Decker ein.
Ein kurzer Blick auf die Lageentwicklung an der Westfront
Am 1. April hatten sich die amerikanischen Panzerspitzen (3. US-PD und 2. US-PD) bei Lippstadt vereinigt und den Ring um die Truppen im Ruhrkessel geschlossen. Am 4. April begann die 9. US-Armee (General William H. Simpson) mit der Liquidierung des Ruhrkessels. Am 5. April schloss sich die 1. US-Armee (General Courtney H. Hodges) dieser Operation an. Im Ruhrkessel entwickelten sich chaotische Verhältnisse, die Truppenführung ging verloren. Die Versorgung der Bevölkerung brach zusammen. Nach der Spaltung des Kessels am 11. April und der Kapitulation der 15. Armee unter General Gustav von Zangen, befahl der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, der in Genthin geborene Generalfeldmarschall Walter Model am 13. April die Selbstauflösung der Heeresgruppe. Bis zum 17. April waren die regulären Kampfhandlungen im Kessel eingestellt. Model erschoss sich am 21. April in einem Waldstück südlich von Duisburg.Parallel zur Liquidierung des Kessels ging die 3. US-Armee und Teile der 1. und 9. US-Armee nach Osten vor. Ab dem 5. April waren Teile der 9. US-Armee zum Vorstoß gegen Nordosten angetreten, sie hatten am 6. April die Leine forciert, waren am 10. April in Hannover und am 11. April in Braunschweig eingedrungen. Die 9. US-Armee (Deckname „Conquer“- erobern) hatte nach dem Überschreiten des Rheins nur noch zwei Korps (XIII. und XIX. US-Armee-Korps), war aber mit vielen zusätzlichen Kampfeinheiten versehen. Das XIII. US-Korps (Zweisterne General Gillem) mit der 5. US-PD, der 84. US-ID und der 102 US-ID bekommt den Auftrag in die Altmark vorzudringen und die Elbebrücken möglichst unbeschadet zu nehmen. Als Speerspitze fungiert die 5. US-PD mit ihren etwa 11 000 Mann und 1 900 Fahrzeugen, unter denen sich 900 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge befinden. In drei Kampfkommandos, A, B, und R (Combat Command, CCA, CCB und CCR) stößt die 5. US-PD zur Elbe vor. Das CCA, welches Tangermünde zum Ziel hat, erreicht über Kusey, Klötze, Kakerbeck am 11. April Kalbe/M., der Stab des Kampfkommandos verbringt die Nacht in Poritz vor Bismark. Am nächsten Tag marschiert die Kampfgruppe, Stendal südlich umgehend über Lüderitz nach Tangermünde, welches um die Mittagszeit erreicht wird. In Tangermünde kommt es teilweise zu heftigen Straßenkämpfen, die Elbebrücke wird vor den Augen der Amerikaner gesprengt.
Der Tageslagebericht der 5. US-PD vom 12. April meldet: "Die CCA führte den Angriff zum Osten über Brüchau - Winkelstedt - Calbe - Karritz - Bismark - Kläden - Vinzelberg - zu den Außenbezirken von Tangermünde. Die Stadt Tangermünde leistete hartnäckigen Widerstand; im anwachsenden Feuer wurden feindliche Elemente liquidiert. Während des Vordringens in Tangermünde wurden über 200 Feinde getötet oder gefangengenommen.
Die abschließende Zählung ist nicht vollständig, aber es wurden ungefähr 2 000 Gefangene während des Tages genommen, darunter 5 Generäle." (unter ihnen befinden sich die Generale Rudolf Kust, Kurt Drescher und Sperling)
Im geheimen Tagesbericht der Wehrmacht ist für den 11. April vermerkt: "Die im Raum nordwärts Braunschweig nach Norden vorstoßenden feindlichen Panzerkräfte erreichten mit Spitzen die Räume zwölf Kilometer nordwärts Gifhorn, Rohrberg, Calbe, unbestätigt Bismark und Tangermünde.
Das CCR erreicht am 11. April Rohrberg, wo man die Nacht verbringt und am 12. April weiter auf Wittenberge und Werben vorgeht, während das CCB an Osterburg vorbeigehend auf den Elbeabschnitt Sandau - Arneburg vorstößt. Bis auf kleine Gefechte, wie in Winterfeld (8 tote deutsche Soldaten) oder zwischen Wiebke und Estedt (16 gefallene deutsche Soldaten) stoßen die amerikanischen Verbände in der Altmark kaum auf Widerstand.
Der Tagesbericht der Wehrmacht vermerkt für den 12. April: "Aus Winterfeld (12 km SSO Salzwedel) drang der Gegner mit 2 - 300 Panzern nach NO bis Arendsee und über Seehausen bis an den Raum hart S Wittenberge vor. Die Brücke in Wittenberge wurde gesprengt."
Wie in Tangermünde kommt es auch vor den anderen Elbebrücken, die alle gesprengt werden, zu teils heftigen Gefechten. An der Brücke bei Hämerten hat sich eine Gruppe von 200 bis 300 Mann verschanzt. Die Infanteristen vom 467. Inf. Ers. u. Ausb. Bataillon, einige Soldaten der Waffen SS, sowie Volksturmmänner aus Wolfsburg und dem Kreis Osterburg, halten bis zum 21. April einen Brückenkopf am Westufer der Elbe. Dann wird der Brückenkopf durch einen Überraschungsangriff des 405. US-IR (102. US-ID) ausgeräumt. Die Amerikaner zählen 60 Tote und machen 125 Gefangene, darunter eine Krankenschwester. (Im Angriffsbefehl für das XXXIX. Panzerkorps vom 14. April taucht dieser “Brückenkopf” als Gruppe Stendal auf. “Mit Gruppe Stendal ist Verbindung aufzunehmen. Verbindungsaufnahme und Gliederung der Gruppe sind zu melden.”)
Das 11. Panzeraufklärungs-Regiment sichert mit schwachen Kräften die Linie Wittingen, Dähre, Salzwedel, Arendsee, Aulosen. Dieses Regiment bekommt durch Gefangenenaussage am 15. April Kenntnis von der Aufstellung des XXXIX. Panzer-Korps bei Uelzen. ("Kriegsgefangene berichten, dass sich drei Divisionen in der Gegend von Uelzen am 12. April sammeln. Starke Befestigungen und schwere Artillerie in den Wäldern nördlich von Uelzen.“) Das Wendland, der Raum Uelzen und die Lüneburger Heide sind noch nicht von alliierten Truppen eingenommen. Zwischen den Briten und Amerikanern klafft eine große nicht besetzte Lücke.
Die Briten marschieren auf Uelzen
Der rechte Flügel der 21. Britischen Heeresgruppe unter Feldmarschall Bernard L. Montgomery hat dieses Gebiet im Visier. Nach dem Rheinübergang bei Wesel Ende März wies die Stoßrichtung nach Norden. Die Briten wollten vor den Russen die Ostsee bei Wismar erreichen. Der rechte Flügel mit dem 8. britischen Korps (Generalleutnant E. H. Barker), mit der 15. ID, der 11. PD, und der 6. Luftlandedivision zielte auf Uelzen - Lüneburg. Die Briten waren auf ihrem Vormarsch auf härteren Widerstand gestoßen. Zwar gab es keine zusammenhängende Front, aber sie trafen immer wieder auf den hartnäckigen Widerstand kleinerer Kampfgruppen. Besonders bei Rethem wurde erbittert um den Allerübergang gekämpft.Die 15. Schottische ID (Generalmajor Barber) erhält am 12. April den Befehl auf Uelzen vorzugehen. Von Celle aus waren dies 50 km, die man vorwiegend auf der Reichsstrasse 191 zurücklegen wollte. Der Vorstoß beginnt um 8 Uhr des 13. April, einem Freitag. An der Spitze marschierte die Highlander Light Infanry (HLI) die Infanteristen waren so weit möglich auf die Panzer der sie begleitenden Scots Gards aufgesessen. Hinter der Spitzeneinheit folgte Brigadegeneral Colvilles taktisches Hauptquartier, danach der Rest der Brigade. Bis Eschede traf die vorausfahrende 227. Brigade auf keinerlei Widerstand, nur durch die gesprengte Brücke beim Gasthaus Quarmühle kam die Kolonne zum Stehen. Schnell war mit Hilfe von Fremdarbeitern eine Umgehung über Höfer und Scharnhorst nach Eschede gefunden. Durch mehrere Straßensprengungen verlangsamte sich der Vormarsch immer mehr. Bis Schelploh waren bis zum frühen Nachmittag des 13. April drei Sprengtrichter, teilweise durch Zeitminen gesichert zu überwinden gewesen. In Richtung Uelzen waren weitere Sprengungen zu hören. Durch Aufklärung und Unterstützung durch ausländische Zwangsarbeiter hatte man einen parallel zur R 191 verlaufenden Weg gefunden und der Brigadekommandeur E. C. Colville ließ, nach einem kurzen Halt zum Tanken und zur Verpflegungsausgabe, gegen alle Gewohnheit seine Brigade auch in der Nacht darauf weiter marschieren. Über Höseringen, Suderburg und Holxen wollten die Briten bei Holdenstedt wieder die R 191 erreichen, was kurz vor Tagesanbruch des 14. April geschieht. Dass die britische Brigade genau auf den Aufstellungsraum des XXXIX Panzerkorps mit der PD “Clausewitz” zielt ist ihrem Kommandeur Colville nicht bekannt. Den ganzen Tag werden Gruppen deutscher Soldaten aufgebracht und gefangen genommen, vorwiegend Angehörige aufgelöster Luftwaffeneinheiten. Insgesamt nehmen die Briten bei ihrem Vormarsch auf Uelzen an diesem Tag etwa 800 Gefangene.
Generalmajor Paul Tzschökell, Kampfkommandant von Celle, der den Briten schon Celle kampflos überlassen hatte, wurde vom Vormarsch der 227. Brigade in seinem Gefechtsstand Suderburg fast überrollt. In letzter Minute gelingt die Flucht mit einem PKW nach Rosche, welches Tzschökell als Sammelraum für seine zurückgehenden Soldaten bestimmt hat. Gegen den General wird noch ein Kriegsgerichtsverfahren angestrengt, welches aber wegen der sich überstürzenden Ereignisse für den General ohne Folgen bleibt. Ihm wurde erst einmal die Verteidigung der Linie Uelzen - Oerell übertragen, die es in aller Eile zu organisieren galt. Kampfkommandant von Uelzen war Oberst der Luftwaffe Lueders. Die Panzer des Brigadekommandeurs Colville standen bereits in Holdenstedt.
General Tschöckel berichtet darüber: "Ich wurde äußerst ungnädig empfangen und mit den unmöglichsten Vorwürfen bedacht. Ich sah zunächst auch keine Zusammenhänge und konnte mir auch nicht vorstellen, dass General Decker mich überhaupt kannte. Er ersuchte mich, ihm zum Gefechtsstand der Armee-Gruppe Blumentritt zu folgen. Von der Existenz dieser Armee-Gruppe erfuhr ich jetzt etwas und hörte, dass sie in einem Arbeitsdienstlager bei Molzen lag. Dort wurde ich ebenfalls unhöflich empfangen, erfuhr aber dann die Zusammenhänge. Es wäre vom Kriegsgericht der Armee ein Verfahren eingeleitet worden, weil ich die Stadt Celle kampflos den Engländern übergeben hätte. Ich hätte mich zur Verfügung der Armee zu halten, dürfte aber jetzt mit meinen Leuten und dem Bataillon abgesessener Schlachtflieger die HKL zwischen Uelzen und Oerell bei Munster übernehmen. Ich fuhr also mit meinen übriggebliebenen Leuten in den neuen Abschnitt, fand auch das Luftwaffen-Bataillon, die Werfer-Abteilung Ehlers und die schwere Flak-Abteilung. Meinen Gefechtsstand richtete ich in dem vollkommen ausgeplünderten Luftwaffenbekleidungslager bei Melzingen ein. Die HKL war nicht vorbereitet, nur nach der Karte festgelegt."
General Decker weiß, dass sein noch nicht einsatzfähiges XXXIX. Panzerkorps bei einem weiteren Vordringen der Briten den Auftrag des OKW nicht durchführen kann, es gilt daher deren Vormarsch für vier Tage vor der Stadt zu stoppen. Dazu stehen ihm neben den schwachen Kräften der ID “Schlageter” und den Resten der bei Wesel zerschlagenen ID 84 die bereits einsatzfähigen Kräfte der PD “Clausewitz” zur Verfügung. Seine schlagkräftigsten Einheiten sind zu diesem Zeitpunkt Teile des Panzergrenadier - Regiment 106 “Feldherrnhalle“, eine Kompanie der Panzerjagdabteilung “Großdeutschland” und die aus Putlos eingetroffenen Panzer IV und V.
Zwischen Veerßen, Hambrock und Groß Liedern wird bis zum 13. April eine Verteidigungslinie aufgebaut. Vor Veerßen gehen das 8. und 9. Panzergrenadier - Ersatzbataillon in Stellung. Der Raum um Hambrock bis Groß Liedern soll von Kräften der ID 84 verteidigt werden (Die Einheiten bringen es auf etwa 400 Mann), dazu kommen einige Geschütze vom Artillerieregiment 116 und einige 8,8 Flakgeschütze vom Flakregiment 55. Die Panzergrenadiere und die Jagdpanzer der PD “Clausewitz” bleiben im Zentrum als Reserve und können schnell sowohl in Veerßen als auch Hambrock eingreifen. Nach neueren Erkenntnissen waren in diese Kräfte auch Panzer integriert und am nachfolgenden Gefecht beteiligt.
Die Briten, die gegen 8 Uhr des 14. April auf der R 191 anrollen, geraten nach dem Überqueren der Bahnlinie in den Wirkungsbereich der deutschen 8,8 Flakgeschütze. Die durch Panzer verstärkte Spitzenkompanie verliert sofort ihr Führungsfahrzeug und ein am Ende der Kolonne fahrender Tankwagen wird getroffen. Die Schotten bleiben bewegungsunfähig auf der Straße stehen, sie sind ein leichtes Ziel für die aus ihrer Flankenstellung nun eingreifenden Jagdpanzer und Panzer. Fast jeder Schuss wurde ein Treffer. Die britischen Soldaten, die versuchen aus ihren Fahrzeugen in den nahen Veerßener Wald zu fliehen, werden von den MG Salven der dort in Stellung gegangenen Infanteristen empfangen. Die schweren britischen “Churchill” Panzer der Scots-Guards können wegen dem brennenden Tankwagen nur einzeln in das Gefecht eingreifen, von ihnen werden vier abgeschossen, sowie alle Fahrzeuge zwischen dem Führungsfahrzeug und dem brennenden Tankwagen. Um die Highland Light Infantery zu entsetzen, griff gegen 9.30 Uhr das Argyl and Sutherland Highland Regiment in die Kämpfe im Veerßener Wald ein. Die Briten haben mindestens 7 Gefallene und etwa 15 Verwundete. Zu diesen Verlusten kommt noch eine unbekannte Zahl an Gefangenen. Die deutschen Jagdpanzer und Panzer hatten keine Ausfälle. Auf deutscher Seite sind mindestens 3 Tote und einige Verwundete zu beklagen.
In einem amerikanischen Verhör-Protokoll der 29. US-ID berichtet Unteroffizier Helmut Hanisch von der 1. Kompanie Inf. Ersatz-Bataillon 588, gefangengenommen bei Klenze am 22. April 1945 folgendes: "Kompanie des Gefangenen wurde am 4. April in Hannover aus 80 Mann gebildet, die Lazarett-Fälle waren. Einheit kämpfte in Rückzugsgefechten bis Uelzen. Wurde am 15. April von seiner Einheit getrennt und schloss sich einer Nebelwerfer-Batterie an, die durch unseren Panzerangriff bei Klenze vernichtet wurde."
Ulrich Schütz berichtet über seinen Einsatz vor Veerßen. Er war von Dänemark per Bahn nach Uelzen verlegt worden. "Am späten Nachmittag des 12. April sind wir in Uelzen angekommen. Mit anderen Soldaten kamen wir zum Panzer Grenadier Ersatzbataillon 8 (?). Mit LKW wurden wir nach Veerßen gebracht, dort sollte eine Verteidigungslinie aufgebaut werden. Wir gehen in einem kleinen Waldstück in Stellung. In den Morgenstunden des 14. April greifen überraschend englische Panzer an. Wir sind aber nicht direkt betroffen, da der Angriff weiter links von uns erfolgt. Im Laufe des Tages kommen die Engländer aber auch an unsere Stellung bedenklich nahe heran. Wir werden mit MG und Geschützen beschossen, haben aber keine Verluste. Bis zum Abend ziehen wir uns an den Rand von Veerßen zurück. Ein Kamerad und ich suchen Schutz in einem Haus, wo wir die Nacht verbringen. Es kommt zu einzelnen Gefechten, bei denen auch ein englischer Panzer direkt vor unserem Haus von einer Panzerfaust getroffen wird. Der Fahrer wollte noch aus der Luke klettern, wurde aber von einer MG Salve getroffen, ebenso ein Soldat im Turm. Ihre Oberkörper lagen auf dem Panzer, während ihre Beine noch in den Luken hingen. Für mich waren das die ersten Toten und meine Gefühle schwankten zwischen Freude und Mitleid, aber auch Angst machte sich breit. Aus dem Kriegsspiel der Ausbildung war nun blutiger Ernst geworden.
Der 15. April verläuft ruhig und wir empfangen Verpflegung.
Am Abend des 16. April wurden wir durch Volkssturmmänner abgelöst und marschierten noch in der Nacht bis etwa 10 km südöstlich von Uelzen."
(Ulrich Schütz war danach von Uelzen nach Bergen / Dumme marschiert und dann an dem Vorstoß auf Henningen beteiligt. Über Bergen / D. ist er danach mit einem Kameraden Richtung Gifhorn marschiert und in amerikanische Gefangenschaft geraten. Über einen unangenehmen Aufenthalt im Lager Büderich, eines der berüchtigten Rheinwiesenlager, kam er zu einem Arbeitskommando nach Wetzlar und wurde am 24. September 1945 nach Detmold entlassen.)
Nach dieser unangenehmen Überraschung stoppen die Briten ihren Vormarsch an dieser Stelle erst einmal und gruppieren um. Die 227. Brigade wird durch ein weiteres Infanteriebataillon (Royal Scots Fusiliers) verstärkt. Parallel dazu soll die 46. Brigade bis zu den Dörfern Stadensen und Nettelkamp vorgehen. Die Highland Light Infantry geht in der Nacht vom 14. zum 15. April erneut gegen Veerßen vor, stößt aber auf heftigen Widerstand und kann bis Tagesanbruch nur einen geringen Geländegewinn verzeichnen. Am 16. April gruppieren die Schotten erneut um, die Stellungen in Veerßen werden von der 46. Brigade übernommen.
Das Nachtgefecht in Nettelkamp und Stadensen
Das wohl blutigste Kapitel der Kampfhandlungen vor Uelzen spielt sich in der Nacht vom 14. auf den 15. April in diesen beiden Orten ab. Nach Beurteilung aller zur Verfügung stehenden Berichte, Zeitzeugenüberlieferungen und Darstellungen ist es nicht möglich den Ablauf des Geschehens zweifelsfrei darzustellen. Zu groß sind die Widersprüche, wie auch der Leser bemerken wird, in den einzelnen Berichten.Parallel zur 227. schottischen Brigade ist die 46. vorgegangen und schiebt sich auf Nebenwegen östlich der Reisstraße 191 auf Uelzen vor.
Eine Kompanie Panzeraufklärer unter Hauptmann Liddel (C Kompanie des 15. schott. Aufklärungsregiment), etwa 120 Mann erreicht am späten Nachmittag Nettelkamp und zieht dort kampflos unter. Die Schotten sind völlig übermüdet, sie fühlen sich sicher und stellen nur an den Ortseingängen schwache Posten auf.
Das nur zwei Kilometer entfernte Stadensen wird gegen 18 Uhr vom 2. Bataillon der Glasgow Higlanders besetzt, sie bilden die Spitze der bei Nienwolde stehenden 46. Brigade. Die letzten Deutschen, der Rest einer Genesenenkompanie hatte Stadensen am Morgen verlassen. Bereits in der Nacht hatten sich der Kompaniechef und andere Dienstgrade verdrückt. Von den Soldaten haben sich daraufhin einige Zivilsachen besorgt, der Rest ist Richtung Wrestedt abgezogen.
Bereits am Nachmittag war ein Jeep mit drei schottischen Soldaten ins Dorf gekommen und hatte sich umgesehen, er hat Stadensen Richtung Suderburg verlassen. Neben dem 2. Bataillon ziehen aus Kallenbrock kommend noch der Stab des 190. Feldregiments, eine Panzerkompanie, ein Pionierzug, ein Panzerjägerzug und eine Transporteinheit mit LKW, worunter sich auch Tankwagen befinden, insgesamt etwa 120 Fahrzeuge in Stadensen unter. Die Fahrzeuge stehen vor allem in der Lindenallee und auf den angrenzenden Gehöften. Der Regimentskommandeur Oberstleutnant Baker Baker lässt die Dorfeingänge sichern und die Schotten, etwa 700 bis 800 Mann, wünschen sich nichts sehnlicher, als eine ruhige Nacht in ordentlichen Quartieren.
Elfriede Hildebrand berichtet: "Als gegen Abend englische Einheiten mit vielen Fahrzeugen und Panzern das Dorf besetzt hatten, verteilten sich die Soldaten zum Übernachten auf die einzelnen Häuser. Eine größere Anzahl kam auch in unser Haus und belegte alle Zimmer im Erdgeschoss. Die Zimmer im Obergeschoss wurden nicht belegt. In kürzester Zeit musste ich mit meinen 3 kleinen Kindern die Wohnung räumen. Nur das Nötigste konnte ich in der Eile mitnehmen. Wir wurden mit Mutter und Schwester in den Keller geschickt."
Hertha Meyer: "Am 14. April 1945 gegen 20 Uhr wurde unser Haus von englischen Soldaten besetzt. Vater Adolf Riggert, Mutter, Schwägerin mit 2 minderjährigen Kindern, Bruder und ich und etliche Flüchtlinge wohnten im Haus. Männer und Frauen wurden getrennt und in 2 Zimmer eingewiesen. Uns wurde gesagt: “Ruhe bewahren, morgen um 6 Uhr rücken wir wieder ab."
Liesbeth Fauteck: "So gegen 17 Uhr rückten die ersten englischen Fahrzeuge ins Dorf. Es waren auch Panzer darunter. Als dann die Fahrzeuge still wurden, begann man Quartier zu beziehen. In unserem Haus wurden zwei Zimmer belegt. Wir, unsere Familie blieben in einem Zimmer. Die englischen Soldaten waren sehr müde und legten sich, nachdem sie gegessen und getrunken hatten, sofort zur Ruhe."
Auf dem Feld zwischen Neumühle und dem Gehöft Meinecke gehen zwei schottische Batterien (529. und 530. Feldbatterie) in Feuerstellung. Sie sollen am nächsten Tag in die Kämpfe um Uelzen eingreifen.
Am Abend es 14. April steht die 227. schottische Brigade am Ortsrand von Veerßen. Die 46. Brigade ist parallel von Celle über Eldingen - Hagen - Bokel - Nienwolde Richtung Uelzen vorgegangen und hat ihre Aufklärungsspitze in Nettelkamp. Wie stark der Gegner wirklich ist, und wen man als Gegner hat, weiß man nicht.
Die deutschen Kräfte sichern die Ortseingänge von Wrestedt - Stederdorf - Niendorf II - Halligdorf, Die Brücken der Stederau werden zur Sprengung vorbereitet. General Unrein und der Kommandierende des XXXIX. Panzerkorps, General Decker waren über die Stärke der britischen Kräfte nur unzureichend informiert und nahmen an, sie hätten es nur mit der 227. Brigade zu tun, die vor Veerßen festlag und deren Fuhrpark sich nun auf der Reichsstraße 191 zurückstaute. Bei guter Aufklärung hätten die nun folgenden Ereignisse sicher einen anderen Verlauf genommen. Um den Konzentrierungsraum des XXXIX Panzerkorps zu sichern und ein schnelles Vordringen der Schotten zu verhindern, beschließt die deutsche Führung die 227. Brigade mit gepanzerten Kräften im Rücken anzugreifen, gleichzeitig soll vom Vorhaben der Division, Richtung Harz durchzubrechen abgelenkt werden. Dazu sollen Teile der beiden zu diesem Zeitpunkt kampfkräftigsten Einheiten der PD “Clausewitz”, das Panzer Grenadier Regiment 106 “Feldherrnhalle” und die Panzerjagdabteilung “Großdeutschland” eingesetzt werden.
Hauptmann Peters von den Panzergrenadieren und Hauptmann Walle von der Panzerjagdabteilung bekommen von General Unrein den Befehl zum losschlagen. Nach Peters Angaben soll der Angriff parallel zur Reichsstraße 4 Richtung Braunschweig geführt werden. (Der Bericht von Hauptmann Peters wirft mehr Fragen auf, als das er Antworten gibt. Angriff auf Braunschweig ohne Fernmeldeverbindung zur Division und Versorgungseinheit. Auf seine diesbezüglichen Fragen, soll Unrein geantwortet haben: “Sehen Sie zu, wie Sie damit fertig werden. Das wird sich alles ergeben! Hermann Göring habe Ihm die Unterstützung seiner gesamten Luftwaffe zugesagt!”)
Hellmuth B. schildert die Kämpfe in seinem Bericht aus dem Jahre 1993 sehr anschaulich und soll nachfolgend auszugsweise mehrfach zitiert werden: "Am späten Nachmittag des 14. April wurden die Zug.- und Gruppenführer eingewiesen und wir wussten danach, dass wir in einem Nachtangriff über Wrestedt und weiter parallel zur 191 in südlicher Richtung eingesetzt werden sollten. Mit uns gemeinsam sollten auch Sturmgeschütze und Panzer den Angriff vortragen."
Der Vorstoß beginnt
Hauptmann Peters von den Panzergrenadieren der “Feldherrnhalle” führt den Angriff, Hauptmann Walle mit seinen Panzern und Sturmgeschützen von “Großdeutschland” wurden ihm unterstellt. Diese kleine Streitmacht von Teilen eines Panzer Grenadierbataillons und einer Panzerjagdabteilung macht sich am späten Abend auf den Weg.Hellmuth B.: "Zum Verband gehörten auch einige SPW mit 2 cm Schnellfeuerkanonen und Halbkettenfahrzeuge mit 2 cm Zwillingsflak. Mit Funkgerät war nur das Führungsfahrzeug unseres Zuges ausgerüstet.
Zum Kampfverband des SPW - Bataillons Feldherrnhalle gehörten am 14. 04. 1945 nach meinem Kenntnisstand ca. 22 bis 24 SPW, 4 VW - Kübelwagen und einige Kradmelder. Sanitäts- und Versorgungsfahrzeuge gehörten nicht zum Verband.
Bei unserem Nachtmarsch sind wir dann auch vor Wrestedt mit einem Verband von ca. 20 Panzern und Sturmgeschützen zusammengetroffen."
Nach Ansicht der Deutschen sind beide Orte feindfrei, womit das Unglück seinen Lauf nimmt. Vor dem Bahnübergang von Stedersdorf reißt die Kolonne auseinander, die Panzergrenadiere biegen nach rechts ab und fahren direkt nach Nettelkamp, während die Panzer den alten Postweg über Klein Bollensen nehmen. Dadurch kommen beide Einheiten zeitversetzt an. Kurz nach Mitternacht rollt der erste SPW von Peters Einheit ins Dorf. Nachdem Peters bemerkt hat, dass Nettelkamp feindbesetzt ist, befiehlt er ein schnelles Durchqueren, doch die schottischen Aufklärer fassen sich schneller als gedacht und leisten Widerstand.
Hellmuth B.: "Ich kann mich noch genau an den ersten Schuss erinnern, der den Gruppenführer oder Funker des Führungs - SPW tödlich getroffen haben musste. Die bis dahin gedämpfte Ruhe war durch den Schuss und die Todesschreie des Getroffenen plötzlich unterbrochen. Aus dem vorderen SPW oder aus dem dahinter fahrenden VW - Kübelwagen wurde noch gerufen: “Nicht schießen, wir sind Deutsche”, aber die Antwort waren weitere Schüsse.
Bei der Anfangsphase der Kämpfe in Nettelkamp hatten wir keinen ernsthaften, organisierten Widerstand. Wir wussten auch nicht gleich, ob wir Amerikaner oder Engländer vor uns hatten, weil alle Feindfahrzeuge einheitlich mit einem weißen Stern gekennzeichnet waren."
Die Häuser von Schulz, Bohnecke und Wiermann geraten in Brand. Ein SPW wird von einer schottischen Panzerfaust getroffen und brennt aus, die Besatzung verbrennt im Fahrzeug. Es sind die sechs unbekannten Soldaten vom mittleren Grabstein in der ersten Reihe des Ehrenhains auf dem Friedhof in Nettelkamp. Drei weitere SPW werden von einem Spähpanzer der Schotten abgeschossen, welcher letztendlich mit einer Panzerfaust unschädlich gemacht wird. Die deutschen Panzergrenadiere geraten in eine missliche Lage, da die Schotten ihre zahlenmäßige Unterlegenheit durch ihre schwereren Waffen ausgleichen können. Zum rechten Zeitpunkt erscheint Hauptmann Walle mit seinen Panzern und Sturmgeschützen aus Richtung Wieren und greift in das Geschehen ein. Das Sturmgeschütz des Oberfeldwebel Berthold Giesemann fährt in Richtung Kirche und wird vor der Schmiede Behrens getroffen. Bertold Giesemanns Grab befindet sich in der oberen Reihe links. Nun wendet sich das Blatt und die Deutschen können durchbrechen. Von den Panzern werden die Scheunen von Wilhelm Behrens und Meyer in Brand geschossen. Letzteres Feuer konnte von der Altbäuerin und der Schwiegertochter gelöscht werden. Wilhelm Behrens versuchte noch die Pferde zu retten, wobei er tödlich getroffen wurde.
Hellmuth B.: "Als die ersten Feindfahrzeuge brannten und Freund und Feind einigermaßen erkennbar waren, wurde gezielter geschossen und auch besser getroffen.
Es wurden auch Häuser in Brand geschossen, und wir hatten Verluste an SPW, sowie an Toten und Verwundeten, in mir nicht bekannter Anzahl.
Als wir uns schon verloren glaubten, weil die Engländer Panzer im Ort hatten und wir nicht, waren endlich die deutschen Panzer da, die einen anderen Weg nach Nettelkamp genommen hatten, im Ort und haben das Gefecht buchstäblich in letzter Minute zu unseren Gunsten entschieden.
Im brennenden Ort wurden von unseren Offizieren in großer Hektik die noch einsatzfähigen Grenadiere und SPW gesammelt und neu formiert. Von einer organisierten Durchsuchung des Ortes nach feindlichen Restgruppen sowie einer Bergung und ersten Hilfe für die eigenen und englischen Verwundeten, habe ich nichts mitbekommen.
Nach meiner Kenntnis hatte unsere Marschformation bei der Weiterfahrt eine Stärke von ca. 16 SPW und etwa der gleichen Anzahl von Panzern / Sturmgeschützen, mit denen wir jetzt im gemischten Verband die weiteren Angriffe durchführen sollten."
Graham Nicklin von der C Kompanie berichtet über seine Erlebnisse in Nettelkamp (gekürzt): "Ungefähr um Mitternacht wurden plötzlich die Fenster durch MG - Feuer kaputtgeschossen. Ich holte meinen Kameraden Gordohn Nursaw zuerst zu Boden, weil er direkt in der Schusslinie war. Dann rannten wir alle nach unten Sgt. Fielding und ich versuchten durch einen kleinen Spalt in der Tür zu gucken. Der Sgt. machte ein komisches Geräusch und fiel plötzlich in den Flur zurück. Er war sofort tot. Der Schuss hatte ihn in den Mund getroffen.
Wir gingen zum hinteren Ausgang und sahen deutsche Soldaten ein paar Meter entfernt. Als wir an eine Ecke kamen, erschienen zwei Deutsche am anderen Ende und schossen mit ihren MPs, ohne einen von unserer fünfer Gruppe zu treffen. Dann begann unsere ? Artillerie Nettelkamp unter Feuer zu nehmen Bald darauf traf eine Granate das Gebäude. Von unserer Gruppe waren alle verwundet.
Nach ein paar Granaten mehr entschloss ich mich, das Gebäude zu verlassen. Ich sagte meinen Kameraden: “Ich versuche irgendwo Schutz zu finden. Falls sie einen Schuss hören, bleiben sie wo sie sind, wenn nicht, dann folgen sie mir.” Ich hüpfte über den Hof auf meinem linken Fuß, weil ich Splitterwunden am rechten Fuß, am Kopf, im Rücken und an beiden Armen erlitten hatte. Ich machte eine Tür auf und befand mich in einer großen Küche. Um einen großen Tisch saßen deutsche Soldaten. Ein junger deutscher Soldat schnitt mir mit einem Messer meine Schnürsenkel durch und zog meinen Schuh und die Socken aus. Er zeigte auf mein Verbandspäckchen und verband damit meinen Fuß.
Ich wurde dann zu einem großen Keller geführt, wo ich auf Stroh saß. Gegenüber saßen etwa ein Dutzend Frauen und Kinder. Ein paar Minuten später kamen Sgt. Green und die anderen Verwundeten dazu. Sgt. Green hatte eine schwere Wunde an der Brust und ich band meinen letzten Notverband um ihn.
Etwas später kam ein großer makellos gekleideter deutscher Offizier runter, um uns anzugucken. Dann erschreckte er uns alle, als er seine Pistole zog und auf den Amerikaner zielte. (Die britischen Aufklärer hatten den amerikanischen Soldaten am 14. April aufgelesen, er war aus einem Gefangenenlager entflohen.) Dann kam plötzlich ein kleiner deutsche Soldat mit einer Rotkreuztasche. Er sprach mit dem Offizier, der seine Pistole zurück in die Pistolentasche steckte. Die einzigen Worte, die ich verstehen konnte, waren “Alle Kaputt”.
Bald danach wurden wir von den Cameronians befreit.
Die schottischen Aufklärer sind tot, haben sich verwundet in Keller verkrochen oder Richtung Kallenbrock - Nienwolde abgesetzt.
Die Verluste sind empfindlich, auf dem Ehrenfriedhof ruhen 25 deutsche Soldaten. Ein Sturmgeschütz und vier Schützenpanzer werden vernichtet. (Nach britischem Kriegstagebuch 8 Halbkettenfahrzeuge und 12 SP-Geschütze)
Die schottischen Aufklärer haben nach dem britischen Kriegstagebuch in Nettelkamp folgende Verluste: Capt. Scott und Lt. Remnick wurden getötet, Capt. Gordon verwundet. Die Verluste anderer Dienstgrade waren 5 Tote und 28 verwundete. (andere Quellen nennen 12 Tote) und sie verlieren 3 Transportpanzer (Carrier) und 1 Spähpanzer.
Am Nachmittag des 15. April besetzen die Schotten nach einem Artillerieschlag Nettelkamp erneut. Die noch aufgefundenen deutschen Soldaten werden gefangen genommen.
Stadensen
Durch den Gefechtslärm in Nettelkamp waren die “Glasgow Higlanders” in Stadensen alarmiert und empfingen die deutschen Angreifer bereits am Ortsrand mit heftigem Feuer. Die in Stadensen liegenden Briten hatten den Ort zur Verteidigung vorbereitet. Neben den “Glasgow Higlanders” waren in Stadensen noch eine Schwadron Goldstream (schott. Gardepanzereinheit), ein Trupp des 91. Panzerabwehrregiments, der Stab des 190. Feldregiments und ein Zug Pioniere untergezogen, dazu kam noch ein umfangreicher Fuhrpark von 3 to. Lastwagen.. Die 529. und 530. Feldbatterie war außerhalb von Stadensen , links vom Weg nach Breitenhees in Stellung gegangen.Wilhelm Lindlof, 1945 Bürgermeister in Stadensen: "Wie wir uns auf dem Boden provisorisch zur Ruhe begeben hatten, aber keine Ruhe fanden, hörten wir etwa gegen 23 Uhr einzelne Gewehrschüsse, worauf Maschinengewehrfeuer folgte. Wir konnten uns den Grund nicht erklären, wurden aber bald durch einen einigermaßen Deutsch sprechenden Engländer aufgeklärt, dass ein deutscher Gegenangriff bevorstehe. Das wurde uns auch sehr bald klar. Starkes Artilleriefeuer setzte ein und wurde von den Engländern erwidert. Große Aufregung unter den englischen Soldaten und ein Hin- und Hergerenne.
Nicht lange dauerte es, und unsere Werkstatt, Scheune und Wohnhaus brannten. Auch die Nachbargebäude standen in Flammen. Unsere Absicht, nach draußen zu gelangen, wurde durch einen Engländer vereitelt, der uns mit den bei uns untergebrachten Flüchtlingen in den Keller dirigierte. Gegen Morgen, als der Kampflärm etwas abklang, wurde uns, wieder durch einen Engländer, gedeutet, dass wir jetzt heraus könnten.
Unser nächstes Ziel war ein provisorischer Bunker in der Nähe unseres Hauses. Etwa um 9 Uhr morgens wurden wir dann aus dem Bunker geholt. Ich wurde beauftragt, dafür zu sorgen, dass sämtliche Einwohner -ein großer Teil war in den Wald geflüchtet-, sich sammelten. Wir wurden anschließend in drei Scheunen (Riggert, Aevermann und Müller) untergebracht. Unter Bewachung wurden die nächsten Tage verbracht. Langsam kamen auch die in den Wald geflüchteten zurück."
Lisa Reckow: "Mitten in der Nacht, die Urzeit kann ich nicht sagen, wurde ich als erste wach, weil es draußen so laut war. Ich schaute aus meinem nach Westen gelegenen Fenster und sah einen glutroten Himmel, brennende Fetzen Pappe und Holz kamen auf den Hof geflogen. Nachdem ich meine Eltern sofort geweckt hatte, wollte ich auch Tante und Onkel wecken, aber die hatten sich eingeschlossen. Da sie taubstumm waren, hörten sie mich nicht. Ich ging in den Garten, um sie durch das Fenster mit meiner Taschenlampe zu wecken, aber sie hatten die Verdunkelungsrollos herunter gelassen. Schließlich wurde ich von einem der Soldaten auf den Hof geleitet und zusammen mit meinen Eltern zum Nachbarn Warnecke in den Keller geschickt. Dorthin hatten die Soldaten auch schon den Krüppel W. Behn in seinem Dreirad gebracht.
Mein Vater wollte aber lieber mit uns in den Splitterschutzbunker jenseits des Elsenbaches gehen. Kurz vor dem Bach angekommen, sahen wir das brennende Haus der Lindloffs und machten wieder kehrt. Auf Warneckes Hof war eine leere Kartoffelmiete, da hinein haben wir drei und unser kleiner Hund uns geduckt.
Ab und zu mussten wir brennende Teile von unserer Kleidung nehmen, geschossen wurde dort aber nicht.
Als es hell geworden war, kamen englische Soldaten und forderten uns auf, die Straße hoch zur Mühle zu gehen. Ich ging schnell noch in den Keller unseres Speichers, um die dort abgestellten Taschen mit Notverpflegung, Verbandszeug und Decken zu holen.
Meine Eltern öffneten derzeit die Stalltüren, dann machten wir uns auf den Weg."
Hellmuth B.: "Der Angriff auf Stadensen begann gegen 1.30 Uhr und war - im Gegensatz zu Nettelkamp - ein organisierter Angriff mit Panzern im Verband mit Panzergrenadieren. Nach der ersten Feindberührung am Ortsrand, entfalteten sich die SPW fächerförmig am östlichen und nördlichen Ortseingang zum Angriff. Die vier letzten SPW wurden direkt zur Attacke auf den Ort auf der Straße eingesetzt."
In den Straßen des Dorfs entwickelte sich ein höllisches Szenario, wobei anzunehmen ist, dass die Deutschen inzwischen über die britische Besetzung unterrichtet waren.
Im der Geschichte des 91. Panzerabwehrregiments von D. Flower findet sich folgender Bericht: "Um 4 (1 Uhr d. Vf.) Uhr fuhr ein Panzer in Stadensen hinein und wurde von der Wache gestoppt, deren Anruf von einer gepflegten Stimme aus dem Turm beantwortet wurde, die auf Englisch sagte, daß es ein reparierter Churchill (britischer Panzertyp) sei, der hereinkomme. Die Wache konnte in der pechschwarzen Nacht nichts sehen und ließ ihn passieren. Der Panther, denn ein solcher war es, fuhr die Hauptstraße hinunter und hielt außerhalb des Quartiers der V. Troop. Serg. Baxter wurde durch den Lärm der Ketten geweckt und schlüpfte hinaus in die Dunkelheit, um zu sehen, was vorging. Ihm wurde eine Pistole zwischen die Rippen gesteckt und befohlen die Straße hinunter zu gehen; aber in einem günstigen Moment bückte er sich, schlüpfte durch eine Hecke und warf sich hin. Schließlich fuhr der Panther weg. Seitdem hat man vermutet, dass der kommandierende Offizier nach Nettelkamp zurückkehrte und dass sein Bericht über den verschlafenen Zustand in Stadensen die Aktion des Feindes auslöste."
Im britischen Bericht heißt es weiter: "Sofort danach überrannte feindliche Infanterie, die auf gepanzerten Halbraupenfahrzeugen aufgesessen war und von Panzer unterstützt wurde, die vorgeschobenen Trupps beider Kompanien und kam ins Dorf hineingestürzt. Ein wildes und schreckliches Handgemenge folgte, in dem die gegnerischen Panzer die meisten Häuser Stadensens in Brand schossen."
Die SPW und Panzer formierten sich und rollten, wild um sich schießend auf den Ort zu. Da das Gelände, von der Bühnau durchflossen, nur bedingt befahrbar ist, fuhren sich bereits vor dem Dorf die ersten SPW und Sturmgeschütze / Panzer fest. Die Infanteristen dieser Fahrzeuge sitzen ab und dringen in das Dorf ein. Die festgefahrenen Sturmgeschütze schießen ziellos in den Ort. Schnell waren die ersten Tankwagen und Munitionsfahrzeuge getroffen, überall loderten Brände und Granaten explodierten. Den Schotten gelingt es die Abwehr zu stabilisieren und ihre Abwehrwaffen können so in Stellung gebracht werden, dass durch sie ein Vordringen der SPW und Panzer / Sturmgeschütze verhindert wird. Ihr Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Baker Baker behält die Übersicht und kann mit Hilfe seiner Offiziere die Lage stabilisieren. Besonders Major J. H. M. Stephenson von der 530. Feldbatterie zeichnet sich aus. Für seine Leistung im Nachtgefecht in Stadensen bekommt er den Military Cross.
In der Chronik der 15. ID wird über ihn berichtet: "In dieser Situation bewies Major J. H. M. Stephenson von der 530. Artillerie-Batterie höchste Führerqualität. Erst erschoss er einen deutschen Offizier (Leutnant Kurth) mit dem Revolver, dann schoss er zwei deutsche Halbkettenfahrzeuge mit der PIAT (Panzerfaust) kampfunfähig; schließlich setzte er ein Artilleriegeschütz erfolgreich als Panzerabwehrkanone ein."
Hellmuth B.: "Unmittelbar nach uns rollten die Panzer / Sturmgeschütze, ebenfalls aus allen Rohren feuernd, in den Ortskern vor und zerstörten zielgerichtet mit jedem Schuss ihrer Geschütze ein gepanzertes feindliches Fahrzeug nach dem anderen. Wir waren überrascht, was wir alles in abgestelltem Zustand vorfanden: Panzer, Panzerspähwagen, Artillerie, Mannschaftsfahrzeuge und Versorgungs-Lastwagen. Es war vom ersten Moment an erkennbar und zu spüren, dass sich die Kämpfe in Stadensen anders entwickeln würden als in Nettelkamp. Das nächtliche Inferno war nach ganz kurzer Zeit heftiger und der Widerstand organisierter und erbitterter. Es waren hier auch englische Infanteriekräfte im Einsatz, die heldenhaft gekämpft haben. Die anfangs vorhanden gewesene gefechtsmäßige Ordnung war schnell dahin und es kam zu zusammenhanglosen Einzelaktionen von SPW und Panzern in dem immer mehr in Flammen auflodernden Ort. Wir waren nach ca. einer Stunde so unübersichtlich ineinander verkeilt und zwischen den brennenden Fahrzeugen und Häusern in grausame Nahkämpfe verwickelt, dass wir den Mut verloren haben und anfingen, uns eigenmächtig aus dem Ortsinnern zurückzuziehen. Aber auch das war nicht einfach, denn Stadensen ist ja kein Straßendorf mit nur einer Durchgangsstraße. Nach meiner Erinnerung brannten zu dieser Zeit die meisten Häuser des Ortes und die schweren Waffen der Engländer beherrschten die Straßenverbindungen."
Die SPW-Besatzung von Hellmuth B. und vier weitere SPW sammeln am Dorfausgang Richtung Nettelkamp und bekommen den Befehl den Ort nördlich zu umfahren und Stadensen von der Flanke her anzugreifen. Ihre Fahrzeuge werden von den Briten mit leichten Waffen beschossen und fahren sich letztendlich in dem ungeeigneten Gelände fest. Ein nachfolgender Infanterieangriff bleibt im britischen Feuer liegen. Die Infanteristen klettern in die verbliebenen zwei SPW und versuchen dem Inferno zu entkommen, dabei rutscht das andere Fahrzeug so unglücklich in einen Graben, dass der nach oben offene Teil des SPW in die Schussrichtung der britischen MG geraten ist. Ob es in diesem Fahrzeug Überlebende gegeben hat, weiß Hellmuth B. nicht.
Die Deutschen waren in eine bedenkliche Lage geraten, sie konnten weder durch das Dorf durchstoßen, noch auf weitere Kräfte hoffen.
Nach Ulrich Saft sollen sich gegen 3 bis 4 Uhr über die Felder aus Richtung Nienwolde drei Kompanien britischer “Churchil” Panzer dem Ort genähert haben. Sie fuhren im Breitkeil ohne Infanteriedeckung auf das Dorf zu. Da sich zwischen Nienwolde und Stadensen mehrere Wasserläufe und einstige Torfstiche befinden, ist der Geländeabschnitt von Panzern nicht zu befahren. Die Panzer können nur die Wege benutzt haben und sich erst vor dem Dorf zum “Breitkeil” formiert haben. Nach mehrfach wiedergegebenen Berichten, sollen als Folge dieses britischen Vorstoßes drei Deutsche, Hauptmann Gustav Walle, Leutnant Friedrich Anding und der Obergefreite Neponuk Stützle in dem folgenden Nahkampf 21 oder 22 britische Panzer mit der Panzerfaust vernichtet haben. Walle, Anding und Stützle wurde am 23. April das Ritterkreuz verliehen. Auf die Einzelheiten dieses Gefechts, welches wahrscheinlich so nicht stattgefunden hat, möchte ich nicht weiter eingehen. Wenn, dann ist zumindest ein Teil der Abschüsse durch die Kanonen der Panzer oder Sturmgeschütze erfolgt.
Trotz aller Nachforschungen konnte nicht sicher nachgewiesen werden, dass in diesem Bereich jemals die angeblich vernichteten “Churchill” Panzer gestanden haben. Zu unterschiedlich sind die Zeugenaussagen. Während einige Zeitzeugen nur von zerstörtem Kriegsgerät der Schotten im Dorf berichten, schreibt Lehrer Reinhold Wedig in seinen Bericht: "Ein Nahkampf mit Panzern hatte sich am Südende unserer Hauptstraße, vor dem Gehöft des Bauern Hermann Aevermann abgespielt, dort lagen am 16. April 22 deutsche und englische Panzer ausgebrannt und zertrümmert."
Die deutschen Kräfte haben sich, wenn nicht verwundet oder gefangengenommen gegen 5 Uhr zurückgezogen. Zurückgeblieben waren Tote, Verwundete, im und um den Ort Kriegsschrott und ein zerstörtes Dorf. Hauptmann Peters wird schwer verwundet auf dem abgebrannten Hof Lindloff gefunden. Er wird ins Lazarett nach Celle gebracht. Nach seiner Genesung kommt er in ein belgisches Gefangenenlager.
Die noch verwendungsfähigen Teile der beiden eingesetzten Einheiten werden in die zum Harz aufbrechenden Kampfgruppen eingegliedert.
Hellmuth B.. : "Stadensen stand in voller Ausdehnung in Flammen und es waren noch immer heftige Detonationen zu hören, von denen wir nicht wussten, ob es Explosionen der brennenden Munitionsfahrzeuge waren oder Gefechtslärm.
Wir sind dann am Ortsrand von Uelzen wieder in einen Wald gefahren und haben - vor Erschöpfung zu keinen weiteren Handlungen fähig - mit vier Kameraden in unserem SPW gesessen. Keiner von uns hat ein Wort gesagt, keiner hatte Durst oder Hunger verspürt, keiner von uns wusste Stunden später, wann wir eingeschlafen waren. Welche Gefahren wir entkommen waren, welches Inferno wir miterlebt hatten und warum wir es geschafft hatten, diese grausamen Nachtangriffe in Nettelkamp und Stadensen unbeschadet zu überleben, lässt sich nicht erklären."
Nachsatz
"Für uns war der Krieg am 15. April 1945 noch nicht beendet. Aber wir vier mit unserem Schützenpanzerwagen von der Feldherrnhalle hatten die feste Absicht, von jetzt an bewusst allen Gefahren für Leben und Gesundheit aus dem Weg zu gehen. Unser ganzes Streben bestand darin, die letzten Kriegstage zu überleben und die Kapitulation an der Westseite zu erleben."
(Hellmuth B. gerät mit seinen Kameraden am 2. Mai 1945 in der Nähe von Dömitz in amerikanische Gefangenschaft.)
Das Kriegstagebuch des OKW verzeichnet für den 15. April: "Bei Uelzen wurden 20 Panzer abgewiesen. Beginn des eigenen Angriffs heute früh um 5 Uhr, der auf Widerstand bei Nettelkamp stieß. Zur Zeit Umgruppierung. Salzwedel und Arendsee gingen verloren."
In der Geschichte des 91. Panzerabwehrregiments der Briten heißt es: "Schließlich nahmen unsere Geschütze und Panzer erfolgreich Stellung, und die Glasgow Highlanders, die hartnäckigen Widerstand leisteten, brachten es fertig, weiteres Feindeindringen zu verhindern. Die furchtbare Feuerprobe dauerte jedoch an bis nach Tagesanbruch, als der Feind begann, sich zurückzuziehen. Nun waren wir an der Reihe. Die beiden Feldbatterien waren südwestlich Stadensen in Aktion. Diese beiden Batterien, der Abwehrtrupp des 91. Panzerabwehrregiments, die Churchils und die 6 - Pfünder der Glasgow Highlanders forderten alle ihren Tribut. Der Feind ließ zwölf zerstörte Sturmgeschütze und zehn gepanzerte Halbkettenfahrzeuge zurück, außerdem sehr viele Gefangene und Gefallene. Von diesen und von Karten, die wir erbeuteten, erfuhren wir, dass die Kampfgruppe, die den Angriff durchgeführt hatte, zur Panzerdivision “Clausewitz” gehörte."
Die Glasgow Highlanders hatten nach eigenen Angaben sieben Gefallene und 47 Verwundete und Vermisste zu beklagen.
Von ihrem Fuhrpark waren 22 Panzer, 10 Halbkettenfahrzeuge und 31 andere Fahrzeuge, sowie zwei Geschütze vernichtet worden.
Lehrer Reinhold Wedig berichtet: "Das Haus von August Hillmer war englisches Feldlazarett. 13 tote Engländer wurden in diesen Tagen in seinem Garten beerdigt und am 16. Juni 1947 auf einen großen Friedhof in der Nähe von Hannover umgebettet. Im Dorf, auf der Feldmark, auf den Wiesen und in den Gärten zählte man nachher 87 deutsche und englische Panzer zerschossen, ausgebrannt und einige sogar noch mit den Skeletten einstiger Kämpfer."
Über die waren Verluste der Schotten bei diesem Nachtgefecht schweigen die Britischen Quellen. Von Ortsbewohnern wurden nach dem Gefecht mehr als 100 Erdhügel mit Kreuzen gezählt. Sie wurden 1947 umgebettet. Wenn man die am Gefecht beteiligten Einheiten und die Todesdaten der Gefallenen dieser Einheiten in den Grabbüchern des Soldatenfriedhofs in Becklingen, nördlich von Bergen vergleicht, kommt man auf eine vergleichbare Gefallenenzahl.
Captain Gordon A. Lighbody erinnert sich: "Ich war Führer des Panzerabwehrzuges während der Schlacht von Stadensen. Die Erinnerung an diese Nacht wird mich bis zu meinem Tod begleiten. Die Glasgow Highlanders verloren die Masse ihres Transportraumes und hatten auch viele Gefallene und Verwundete. Auch mein engster Freund, Capt. Thomas Scott, fiel."
Lehrer Reinhold Wedig berichtet: "Der Panzerbeschuss begann um 1 Uhr nachts am 15. April. Ein Haus nach dem anderen ging in Flammen auf. Gegen Morgen brannten etwa 50 Gebäude. An ein Löschen war nicht zu denken. Das Dorf wurde in der Nacht von den Bewohnern noch fluchtartig verlassen; sie liefen zum Wald, in die Keller und Bunker. Das Vieh war aus den Stallungen gelassen und brüllte auf der Straße. Entsetzen packte jeden! Jeder lief um sein Leben.
Am 15. April beschossen englische Truppen den Bunker hinter dem Dorf, unweit des Weges nach Breitenhees, in dem sie deutsche Truppen vermuteten, aber 21 Zivilpersonen, Mädchen, Frauen und Kinder Zuflucht gesucht und nicht vorsichtshalber ein weißes Fähnchen heraus gesteckt hatten. Ein Volltreffer! und 14 Menschen lagen tot in ihrem Blute, darunter 5 aus der Familie Knust, weitere 6 waren schwer verwundet, nur ein Mädchen kam unverwundet davon. Die 14 Leichen wurden hinter dem Gehöft von August Hillmer auf Befehl des Engländers beerdigt."
Frau Daum berichtet darüber: "Hinter dem Dorf - in der Hillmerschen Sandkuhle - hatten sich in einem Erdbunker mehrere Einheimische und Flüchtlinge versteckt. Ein Engländer warf eine Handgranate hinein und man kann kaum schildern, wie es darin aussah. (Der Bunker wurde von einer Granate unbekannter Herkunft getroffen, ob es sich um eine britische, oder deutsche Granate gehandelt hat, wird sich nie klären lassen.) Die Nichte meines Mannes, Emilie Dörn, geb. Parr, war auf der Stelle tot. Wie durch ein Wunder blieben ihre beiden Kinder Irma und Linde nur leicht verletzt. Auch die Cousine meines Mannes, Susanne Rückemann, geb. Schanz, war tot. Mit ihr starb ihr Söhnchen Arthur. Er war an seinem Todestag genau zwei Jahre alt geworden. Ihrem anderen Jungen, Bernhard, war das Bein abgerissen. Er war acht Jahre alt und schrie unter Tränen: “Mein Fuß ist ab, meine Mutter ist tot.” Ihn haben die englischen Sanitäter mitgenommen. Trotz jahrelanger Nachforschungen haben wir kein Lebenszeichen von ihm erhalten. Robert und Arnim blieben elternlos zurück, denn ihr Vater war aus dem Krieg noch nicht zurückgekehrt. Vierzehn Personen im Bunker waren Tot, darunter fünf Kinder! Auch unter der übrigen Bevölkerung gab es Tote und Verletzte. Viele Soldaten sind in dieser Nacht auf beiden Seiten gefallen. Das Dorf war voll ausgebrannten Panzern und anderen Fahrzeugen. Verkohlte Leichen lagen noch darin. Es war schrecklich und unbeschreiblich. Man sah unter den Dorfbewohnern nur verängstigte Gesichter, Tränen flossen, das Jammern und Weinen nahm kein Ende. Das Dorf Stadensen hat eine schwere, furchtbare, unvergessliche Nacht durchgemacht."
Lehrer Wedig: "Langsam kamen unsere Einwohner wieder ins Dorf zurück und standen vor den rauchenden Trümmerhaufen ihres einstigen Wohlstandes. Flüchtlinge beklagten den Verlust ihrer einst geretteten Habe. Glücklich war der, der seine Lieben durch diese furchtbare Katastrophe hindurchgerettet hatte. Andere waren es nicht. So verbrannte der Schwager von Eigentümer Schütte, als er in das brennende Haus lief, um noch Sachen zu retten. Bei Otto Lindloff verbrannte eine Frau Kasigknit mit ihren zwei Kindern, die wahrscheinlich allein noch im Keller Schutz gesucht hatten. Frau Lindloff, die Mutter unseres Tischlers Wilhelm Lindloff, erhielt einen Bauchschuss und starb. Auch ihr Mann folgte ihr in den Tod. Tiefflieger hatten auf Gespanne und frei herumlaufendes Vieh geschossen. So lagen tote Pferde, Kühe und Schweine im Dorf und auf der Feldmark, die an den nächsten Tagen von Männern unseres Dorfes vergraben werden mussten. Angeschossenes, aber noch lebendes Vieh wurde notgeschlachtet, das gesunde in einer Koppel bei dem Bauern Riggert zusammengetrieben.
Auch das gesellschaftliche Leben ging nach Wochen wieder in die alten Bahnen. Das Ausgehverbot wurde allmählich gelockert. Anfangs durfte keiner nach 6 Uhr mehr das Haus verlassen. Von Zeit zu Zeit gab man weitere Stunden frei. Bürgermeister Wilhelm Lindloff musste alle Waffen, Photoapparate und Ferngläser einsammeln und alle Einwohner in den ersten 8 Tagen in den Scheunen von Hermann Aevermann und Riggert unterbringen lassen. Lebensmittel konnte jeder mitnehmen. Somit wurde in den beiden Scheunen gekocht, gegessen und geschlafen. Posten hatten für Innehaltung der Anordnung zu sorgen. August Hillmer durfte als Müller nach Neumühle fahren, uns das Mehl zu liefern."
Die größten Verluste erlitten die Dorfbewohner und Flüchtlingsfamilien.
In diesem Gefecht am 15. April 1945 haben 25 Zivilisten ihr Leben verloren. An Vieh sind 14 Pferde, 48 Kühe, 48 Rinder und Kälber und 111 Schweine umgekommen. 92 Wohnhäuser, Ställe und Scheunen wurden ein Opfer der Flammen. An landwirtschaftlichen Geräten sind 43 Ackerwagen, 97 landwirtschaftliche Maschinen und 91 sonstige Ackergeräte verbrannt.Der damalige Bürgermeister Wilhelm Lindloff schreibt in seinem Bericht: "Bilanz der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945:
1. 8 Ziviltote und 6 Verwundete, 22 deutsche Soldaten gefallen. (Im Bunker sind allein 14 Menschen umgekommen).
2. Die Verluste der Engländer und Amerikaner lassen sich nur schätzen. Beerdigt waren hier 13 Engländer. (Andere Zeitzeugen berichten von über 100 Toten.)
3. Ca. 90 Stück Großvieh war in den Ställen verbrannt.
4. 93 Gebäude waren abgebrannt, davon 34 Wohnhäuser.
5. Um den Ort herum 14 deutsche Panzer, teils kampfunfähig, teil aus Brennstoffmangel liegen geblieben.
6. Im Ort ca. 90 ausgebrannte Fahrzeuge und Panzer der Engländer und Amerikaner."
Manfred Vogel, ein damals 10 Jahre alter Flüchtlingsjunge aus Sorau, östlich der Neiße, erinnert sich: "Unsere Familie hat sich zusammengefunden. Nun stehen wir hier. Abgebrannt! - wie so viele andere vor uns. Erschöpft, übermüdet mit von Rauch und Hitze brennenden Augen, aber unverletzt. Und wir leben. Dicht aneinander gedrängt, blicke ich nach oben in ratlose und traurige Gesichter.
Bis eines der Mädchen sagt: “Papa, du hast ja Hausschuhe an?” - “Ich musste doch unsere wichtigsten Papiere und die Rucksäcke runter schaffen!” - Und wo sind die jetzt?” - Die stehen in der Küche - verbrannt!” Nun haben wir nichts mehr, als das was wir auf dem Leib tragen. - Stille -
Da erreicht uns die Realität wieder. Die Soldaten fordern uns auf mit zum Sammelpunkt zu kommen. Nun erst erkennen wir das ganze Ausmaß der Tragödie. Vom einstigen Dorf stehen hier und da noch einige Mauern. Aus dem Schutt ragen nur die Schornsteine empor. Am Straßenrand liegen Tote und Kadaver verendeter Tiere. Ziellos, völlig irritiert, vor Schmerzen laut brüllend traben Kühe an uns vorüber. Ihr schwarz-weißes Fell braunfleckig verbrannt und von blutenden Wunden bedeckt."
Für die Toten und Gefallenen dieser Nacht wurde in Stadensen ein Ehrenhain mit Ehrenmal angelegt.
In diesem Ehrenhain wurden Grabsteine für 25 gefallene Soldaten aufgestellt. Nur die Namen von zwei Gefallenen sind bekannt, Werner Kurth und Erich Freyer. Neben ihnen ruhen fünf ausländische Arbeitskräfte und 14 deutsche Zivilpersonen.
Sechs Zivilpersonen wurden auf anderen Friedhöfen beigesetzt.
In der “Stonser Kunstdeel” ist seit 1998 ein Panorama ausgestellt, an welchem man einen Eindruck von den damaligen Ereignissen gewinnen kann. Dieses Panorama wurde von Klaus Neumann, Rudolf Oetzmann und Armin Parr geschaffen. Gleich nebenan lädt das “Cafe Bornbachtal” zum Verweilen ein.
Das Ende von Uelzen
Von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Einnahme von Uelzen war der Angriffsbefehl des Oberkommandos der Wehrmacht für den 15. April. Die deutschen gepanzerten Verbände, wenn man überhaupt von solchen sprechen kann, wurden aus der Front vor Uelzen gezogen, zurück blieben schwache Infanteriekräfte, wenige schwere Waffen (ein Flak - Vierling und 3 Sturmgeschütze) und Volkssturm. Die Briten gruppieren am 16. April um und der Beschuss mit Artillerie beginnt. Auf Uelzen werden Tausende Granaten aller Kaliber abgefeuert. Zusätzlich greifen britische Jagdbomber die Stadt an. Uelzen wird am 17. April von den Briten eingeschlossen. In der Stadt befinden sich nur noch versprengte deutsche Soldaten und Verwundete, eine organisierte Verteidigung gibt es nicht. Der für die Verteidigung verantwortliche Oberst setzt sich ab. In den frühen Morgenstunden des 18. April treten die Briten zum Angriff an, vorsichtshalber erfolgt zuvor ein starker Artillerieschlag. Vereinzelt stoßen die Briten auf Widerstand, worauf Panzer und Flammenwerfer die Häuser in Brand setzen, bevor Infanteristen die Straßen durchkämmen. Die Devise lautet, erst einmal Schießen, mit allem was zur Verfügung steht, und dann schauen, ob sich noch Leben regt. Durch die sich ausbreitende Feuersbrunst werden über 1 700 Wohnungen, und unzählige Geschäfte nebst den dort lagernden Warenbeständen vernichtet. Die Feuerwehr wird an der Brandbekämpfung gehindert, teilweise sogar gefangen genommen. Gegen 17 Uhr haben die Briten die Zuckerfabrik eingenommen und somit die gesamte Stadt besetzt.General Tschöckel berichtet über die letzten Stunden in Uelzen: "Die Stadt brannte an vielen Stellen. Ich gab Oberst Lüders den Befehl, sich mit allen Überlebenden zu mir in den Uelzener Forst durchzuschlagen. Bei dem Durchbruch fielen noch einige Offiziere und Mannschaften, 6 Offiziere und 18 Mann erreichten meinen Gefechtsstand. Eins von den 3 noch vorhandenen Sturmgeschützen konnte die Stadt verlassen, eins fuhr sich fest das andere wurde abgeschossen. Die noch vorhandenen Pkw meines Stabes wurden unbrauchbar gemacht und mit leichtem Gepäck, - jeder hatte nur einen Rucksack mit den nötigsten Sachen, - machten wir uns in der Abenddämmerung zum Verlassen der Stadt fertig. Ohne besondere Schwierigkeiten kamen wir durch den englischen Einschließungsring und nahmen die Richtung auf Westerwyhe - Barum. Trotz der dunklen Nacht war der Weg erkennbar, da die brennende Stadt Uelzen 6 - 8 km weit leuchtete."
Uelzen muss für den Widerstand und die damit verbundenen britischen Verluste durch Teile der PD “Clausewitz” im Vorfeld der Stadt zahlen. Um den “harten Widerstand” der Stadt für die britische Wochenschau zu dokumentieren wird nach der Einnahme ein Propagandafilm gedreht, bei dessen Dreharbeiten weitere Gebäude zerstört werden. Wer möchte den Landsleuten schon erklären müssen, dass die Kämpfe nicht in Uelzen stattgefunden haben, sondern dass die Soldaten in kleinen Dörfern vor der Stadt gefallen sind. (Siehe DVD “Uelzen 1945 Die letzten Kriegstage”, ein Film von Ulla Busse und Jürgen Kruse.)
Der amerikanische Oberstleutnant Duffin berichtet: "An der Westfront bot sich folgendes Bild. Die Alliierten stießen selten auf nennenswerten Widerstand. Mitunter griffen wir einfach zum Telefon, um zu erfahren, ob die nächste Stadt noch von deutschen Kräften gehalten wurde. Wenn eine Verbindung zustande kam, riefen wir: „Hallo was tut sich bei Euch.” Es war eine unwirkliche Situation. Wir passierten Städte und Dörfer ohne Widerstand. Mit jedem Tag fragte man sich, es kann doch unmöglich so weiter gehen. Wir waren ständig darauf gefasst, dass es uns noch erwischen würde. Wir waren fast empört, wenn wir gelegentlich auf Widerstand trafen. “Was soll der Unsinn?” sagten wir. “ Wie können es die Leute wagen, den Todeskampf zu verlängern?”
In Uelzen zum Beispiel, dem Städtchen südlich von Hamburg, kämpften die Deutschen verbissen weiter. Erbost über die unvermutete Gegenwehr zeigten sich die alliierten Soldaten mit erbitterter Härte. Vier Tage dauerte der Kampf mit beträchtlichen Verlusten auf beiden Seiten. Auch aus der Zivilbevölkerung gab es viele Tote."
Generalleutnant Marin Unrein gibt über diesen Zeitabschnitt in amerikanischer Gefangenschaft folgenden Bericht:
Aufstellung:Die Panzerdivision „Clausewitz“, zu deren Kommandeur ich am 1.4.1945 von Osten kommend, ernannt wurde, sollte im Raum Schleswig (Schleswig-Holstein) ab 1.4. 1945 beschleunigt aufgestellt und die Stämme für die Neuaufstellung der Ersatz- Brigade der Panzer – Division „Groß-Deutschland“, die im Raum um Schleswig untergebracht war, entnommen werden.
Etwa am 5.4. 1945 wurde der Befehl durch OKW abgeändert. Die Division sollte nunmehr im Raum Lauenburg aufgestellt werden und wurde hierzu der 12. Armee (General der Panzertruppe Wenk), die im Raum nordwestwärts des Harzes in der Versammlung begriffen war, unterstellt.
Stämme zur Aufstellung sollten stellen für:
Panzer: Panzertruppenschule Putlos (bei Lübeck).
Panzerjäger: Panzer-Ersatz-Brigade „Groß-Deutschland“ Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Bayern).
Panzergrenadiere für 2 Regimenter: aus 233. Reserve-Panzer-Division in Dänemark, 2 SPW- Kompanien von der früheren Panzer-Grenadier-Division „Feldherrnhalle“, 1 Kompanie aus Putlos.
Aufklärungs-Abteilung: Panzertruppenschule Wünsdorf.
Artillerie durch Zuteilung von der Armee „Blumentritt“.
Pioniere: Nicht mehr bekannt.
Nachschubtruppen: Durch Abgabe von der Armee „Blumentritt“.
Divisionsstab und Nachrichtenabteilung: Von der in Pommern im März 1945 zerschlagenen Panzer- Division „Holstein“.
Regimentsnummern waren von Seiten des OKW nicht festgelegt, waren jedoch für später vorgesehen.
Im Laufe der nächsten Tage (vom 5. April beginnend) trafen ein:
Divisionsstab und etwa ein halber Funk-Zug, ein halber Fernsprech-Zug für Panzernachrichten-Abteilung in Gülzow (bei Lauenburg) im Fußmarsch aus Gegend südlich Stettin.
Panzer, Sturmgeschütze, SPW, Panzer-Grenadiere, Pioniere teils im Bahntransport, teils im Fußmarsch in und nördlich Lauenburg.
Ausbildungsstand:
Offiziere und Mannschaften waren gut ausgebildet und bestanden zumeist aus fronterfahrenen, wiedergenesenen und im Ersatztruppenteil neu ausgebildeten Männern. Die Panzerbesatzungen waren besonders gut und erfahren, da sie vom Lehrpersonal bei der Panzertruppenschule Putlos kamen.
Die Ausrüstung bei Männern und Fahrzeugen war ganz unvollständig. Die Panzer und teilweise auch die SPW waren nicht feldverwendungsfähig. Wegen ihrer technischen Mängel waren sie bisher als Schulschießpanzer auf der Panzertruppenschule verwendet worden.
Die mitgebrachte Panzermunition war nur gering.
Die Kraftfahrzeuge waren so gering, so dass nur etwa 20 % des Solls erreicht wurden. Bei den SPW-Kompanien wurden 50 % erreicht.
Geschütze für das Artillerie-Regiment sind nicht zur Verfügung gestellt worden.
Nachrichtengerät: Bei der Panzernachrichten-Abteilung 25 %, bei den anderen Waffengattungen nichts.
Der Nachschub an Verpflegung und geringer Munition wurde zunächst aus Hamburg zugewiesen, seine Heranbringung stieß jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten, da der Division keinerlei Nachschubtruppen zur Verfügung standen.
Kämpfe:
Etwa am 10. oder 11. April wurde die Verlegung der Division in den Raum hart nördlich von Uelzen befohlen. Sie wurde der Armee „Blumentritt“ unterstellt. Die Division sollte zunächst nur Eingreifreserve sein und nur im Falle eines Durchbruchs der britischen Truppen durch die Verteidigungsfront südlich Uelzen eingesetzt werden. Gleichzeitig musste die Aufstellung mit allen Mitteln weiter betrieben werden.
Divisionsgefechtsstand: Arbeitsdienstlager Emmendorf, nördlich Uelzen.
Nachschub:
Verpflegung: Bienenbüttel,
Munition: Hitzacker (da irrt Unrein, in Hitzacker war ein Treibstoffdepot der WIFO),
Die zur Aufstellung der Division herankommenden Bahntransporte wurden entlang der Straße Lauenburg – Uelzen während der Dunkelheit ausgeladen.
Lage am 10. April:
Britische Truppen fühlten vorsichtig, jedoch mit Panzern, aus südwestlicher Richtung auf Uelzen vor. Da der Armee die Abwehrtruppen (Divisionen und Regimenter nicht mehr bekannt) hart südlich Uelzen dem Angriff stärkeren Feindes mit Panzern nicht gewachsen schienen, andererseits aber Uelzen als Straßen-und Eisenbahnknotenpunkt gehalten werden sollte, befahl die Armee am 11. April den Einsatz der bereits eingetroffenen Teile der Panzer-Division zur Verstärkung der Abwehrkräfte südlich Uelzen.
Es wurden etwa 20 Panzer, 10 Sturmgeschütze und SPW-Bataillon mit rund 70 bis 80 SPW in die bereits eingesetzten Abwehrgruppen südlich Uelzen eingegliedert.
Die britischen Truppen traten am 12. April mit stärkeren Kräften von Süden auf Uelzen zum Angriff an. Der Angriff wurde unter Verlusten für die Briten abgewiesen. (Aussagen von Gefangenen ergaben, dass die angreifende britische Panzer-Division seit den Kämpfen um Xanten die ersten erheblichen Verluste erlitten habe). Die Briten nahmen daher auch zunächst von weiteren Angriffen auf Uelzen Abstand und setzten in der Folge ihren Vorstoß etwa 10 km westlich Uelzen in Richtung Brunsbüttel fort.
Die Panzer und das SPW-Bataillon wurden am 13. April wieder aus der Abwehrfront herausgelöst und die Panzer-Division gab den Befehl wieder an die örtlich befehlende Infanterie-Division ab. Jedoch blieben noch 2 Panzergrenadier-Bataillone, die am 12. April nachträglich eingesetzt waren, und die 10 Sturmgeschütze in der Abwehrfront unter Befehl der Infanterie-Division.
Am 12. April traf auf dem Gefechtsstand der Panzer-Division „Clausewitz“ der Stab des XXXIX. Panzer-Korps (General der Panzertruppe Decker) ein, dem die Panzer-Division „Clausewitz“ und 2 noch in der Aufstellung befindliche mot. – Divisionen (darunter die mot. – Division „Schlageter“ aus Mannschaften des RAD) unterstellt werden sollten. Das XXXIX. Panzer-Korps unterstand unmittelbar dem OKW.
Das XXXIX. Panzer-Korps hatte vom OKW etwa folgenden Auftrag erhalten, mit der Unterschrift Hitlers:
Panzer-Korps stößt aus dem Raum um Uelzen, sobald als möglich, nach Süden tief in Flanke und Rücken der amerikanischen Heeresgruppe über Helmstedt vor, sucht Verbindung mit der im Harz kämpfenden 11. Armee. Machen sich rückläufige Bewegungen von Teilen der amerikanischen Heeresgruppe von der Elbe nach Westen bemerkbar, so dreht das Panzer-Korps unverzüglich ohne diese Bewegung zu beachten, nach Westen in Richtung Ruhrgebiet ein.
Dieser Befehl wurde vom Panzer-Korps der Panzer-Division „Clausewitz“ sinngemäß weitergegeben, jedoch mit der mündlichen Einschränkung, zunächst nach Überschreiten des Weser-Elbe-Kanals die Verbindung mit der 11. Armee (Harz) herzustellen.
Aufklärung ergab:
Linie Langenbrücke- Duelseberg nur schwach oder gar nicht feindbesetzt. Auf der Feindseite war teilweise eine Aufklärungslücke festgestellt. Anscheinend war hier, wie sich später bestätigte, die Trennungslinie zwischen der britischen und amerikanischen Heeresgruppe.
Die Division entschloss sich (Panzer-Korps gab Einverständnis), nach fast vollendeter Aufstellung der Division, mit der am 17. oder 18. April gerechnet wurde, über die Linie Wittingen – Salzwedel in Richtung Fallersleben, der Elm, Harz vorzustoßen.
OK hielt den Zeitpunkt (17. April) für zu spät und befahl daher, nicht erst die Beendigung der Aufstellung der Panzer-Division abzuwarten, sondern unverzüglich mit den verfügbaren Kräften einen Vorstoß der Panzer-Division nach Süden mit der die rechte Flanke und Rücken bedroht werden. Die amerikanischen Sicherungskräfte von der Trennungslinie bis Salzwedel waren nur als schwach gemeldet. Vom Panzer-Korps wurde befohlen, zunächst die britischen Kräfte in Gegend südlich Holdenstedt, südlich Uelzen, in Flanke und Rücken anzugreifen, zu vernichten und erst dann von dort nach Süden einzudrehen.
In der Nacht vom 14. zum 15. April trat eine Panzer-Gruppe unter Führung eines Hauptmanns (etwa 20 Panzer, 10 Sturmgeschütze, 70 - 80 SPW) aus Raum nördlich Uelzen über Uelzen – Esterholz – Bollensen an, um über Stadensen auf Holdenstedt vorzustoßen.
Gegen 03.00 Uhr stieß sie in Nettelkamp auf Feind. Es entwickelte sich ein Nachtgefecht, das bis zum Hellwerden dauerte. Die in dem Dorf ruhende britische Panzertruppe wurde zersprengt und etwa 40 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet.
Eigene Angriffsspitze folgte bis zur Straße Braunschweig – Uelzen. Da nach diesem Gefecht ein britischer Angriff weder auf Uelzen noch nach Osten zu erwarten war (OKW drängte erneut bald nach Süden anzugreifen), sammelte die Panzer-Gruppe in Bollensen und tankte auf.
Bericht von Generalleutnant Arndt für die „Historical Division US-Army“ Arndt schildert darin seine Erinnerung über den Zeitabschnitt vom Anfang April bis zum 7. Mai 1945. An dieser Stelle soll der Abschnitt von der Aufstellung das XXXIX. Panzerkorps bis zum 30. April zitiert werden.
"Das XXXIX. PZ. K. befand sich in der ersten Hälfte des April 1945 im Raum Lauenburg – Uelzen in der Aufstellung.
Es sollten bis 2. Hälfte April einsatzbereit stehen:
Eine Panzer-Division (Clausewitz) Generalmajor Unrein
Eine motorisierte-Division (Schlageter) RAD Kommandeur ?
Eine Infanterie-Division (84. ID) Generalmajor Fiebig (84. ID aufgefrischt nach Kampf b. Wesel)
Dieser Aufstellungsraum wurde zunächst ohne Feindberührung mit der Front nach Südwesten und Süden im Bogen um Uelzen
a. durch die Truppen des KK Uelzen – Stärke etwa 1 Div. – gesichert.
b. gleichzeitig war die Besetzung der Elbefront durch die Armee Blumentritt (Lüneburg) im Abschnitt Boizenburg – Havelberg mit 2 Divisionen durchgeführt.
Eine Division (rechts) war aus Reserven des KK Hamburg und eine Division (Meyer) aus dem Ersatzheer Westteil Mecklenburg entnommen. Beide Divisionen hatten zum geringen Teil örtlichen Volkssturm herangezogen.
Etwa am 10.04. wurde die Aufstellung des XXXIX. PZ. K. unterbrochen.
1. durch aus Südwesten auf Uelzen vorstoßende Engländer mit der Notwendigkeit die Truppen des KK Uelzen durch Teile der Pz. Div. Clausewitz und 84. ID zu verstärken.
2. durch Eingang eines Führerbefehls am 14. 04., der folgenden Einsatz forderte.
XXXIX. Pz. K. stößt aus Raum Uelzen nach Süden in den Rücken der amerikanischen Heeresgruppe über Gifhorn – Braunschweig in den Harz zur dort stehenden 11. Armee vor.
Gleichzeitig stoßen Teile der 12. Armee über den Brückenkopf Dessau – Rosslau (Ostufer) nach Westen zum Harz durch. Nach Erreichen dieses Zieles ist die Bewegung in Richtung Ruhrgebiet fortzusetzen.
In der Ausführung des Führerbefehls wurden die beweglichen Teile des XXXIX. Pz. K. und die 84. ID aus der Front Uelzen herausgezogen. Die 84. ID wurde zur Verlängerung des Ostflügels der südlich Uelzen stehenden Front eingesetzt. Die gepanzerte Gruppe der Div. Clausewitz stieß am 16. 04. aus dieser Basis unter Umgehung der Engländer nach Süden vor, erreichte in den nächsten Tagen mit Spitzen bei Fallersleben die Bahnlinie Hannover – Stendal und den Weser-Elbe-Kanal. Mehrere Male von neuen amerikanischen Kräften hart angegriffen, ist sie – erschöpft am Bestande, Munition und Treibstoff – am 21. 04. 45 mit Masse im Waldgebiet südlich Wittingen stehend, der völligen Vernichtung und Auflösung anheimgefallen."
Damit haben der Führungsstab XXXIX. Pz. K. und die gepanzerten und beweglichen Teile der Division Clausewitz ihr Ende gefunden.
Die deutsche oberste Führung, der die Naht zwischen amerikanischer und englischer Heeresgruppe bekannt war, hatte sich für einen Durchbruch die empfindlichste Stelle der gegnerischen Front ausgesucht. Die vordersten Feindteile waren an der Naht gestaffelt in Bewegung – erst Feindberührung Uelzen, dann Wittingen – mit entsprechender räumlicher Trennung ohne geschlossene Aufklärungsfront. Demnach beste Gelegenheit für Überraschungsstoß in die Tiefe. Über Anfangserfolge heraus aber nur dann von entscheidender Bedeutung, wenn der Stoßgruppe dichtauf stärkere Kräfte gefolgt wären, mit denen man die Anfangserfolge ausnutzen und weiteren Einfluss auf Breite und Tiefe des Gegners gewinnen konnte. Abgesehen von dem Gebundensein der Teile der 84. ID ostw. Uelzen waren diese für den Maßstab der Bewegung zu schwach und unfertig und ohne genügende Artillerie-Unterstützung, Luftwaffenunterstützung, Schutz und Aufklärung für den Auftrag ungeeignet. Außerdem wurde die Gesamtbewegung des XXXIX. Pz. K. bedeutungslos, da die Bewegung Dessau–Rosslau – Harz ausfiel.
Im Ganzen vorauszusehen:
Aus völlig überholter Lage angenommene, mit unzureichenden Mitteln gestellte und erzwungene Forderung ergibt, ein totgeborenes Kind.
Abschnitt I. 22.04. bis 25.04. 45 (Zurücknahme und Aufgabe des Elbebrückenkopfes Dömitz)
Mit dem Abend des 21.04. fiel die Führung des XXXIX. Pz. K. aus. Alle restlichen Teile des XXXIX. Pz. K. traten unter unmittelbaren Befehl der 12. Armee. Nur unter großen Schwierigkeiten war eine lückenhafte Verbindung zwischen der 12. Armee und 84. ID (Generalmajor Friebe) zustande gekommen, der ostw. Uelzen die Führung der dort inzwischen versammelten, bzw. eingetroffenen Teile übernommen hatte und zwar: Abgesprengte Teile KK Uelzen, vorhandengewesen und nachgekommene Teile 84. ID, über Br. Kopf Dömitz nachgekommene Teile und Nachschubeinheiten der Division Clausewitz und Anfänge der folgenden Division z. b. V 1 (Schlageter).Mit dem restlosen Ausfall der gepanzerten Gr. Clausewitz und damit freiwerdenden Feindkräften verlängerte sich die Kampffront Uelzen von Stunde zu Stunde immer mehr nach Osten, so dass am 22.04. mit Brechen dieser Front ein immer stärker werdendes Abbröckeln und Eindrehen auf Dannenberg-Dömitz einsetzte. Unter erheblichen Ausfällen wurde die Straße Uelzen – Lüchow, dann die Straße Uelzen – Dannenberg erreicht und die dort bereits stehenden Teile im Brückenkopf Dömitz in der Linie Hitzacker – Dannenberg – Grippel verstärkt.
Obwohl der Feind der rückläufigen Bewegung Uelzen – Dannenberg unmittelbar folgte und nachdrängend kämpfte, war das Einfließen in die Br. Kopf Stellung geglückt, allerdings mit dem Nachteil, dass die anmarschierenden Teile aus Zeitmangel nicht plan- und gliederungsmäßig, sondern nach Eintreffen und vorhandenen Lücken eingesetzt wurden, wo bei besondere Schwierigkeiten die verhältnismäßig hohe Stärke von nichtkämpfenden Nachschubtruppen und schweren Waffen ohne genügend Munition bereiteten. Allen diesen Belangen Rechnung tragend stimmte die 12. Armee den Vorschlägen des Kommandeurs der 84. ID zu, das Ordnen der Verbände mit einem Abschub überflüssiger Teile zu beginnen und dann mit strafferer Führung und Truppengliederung eine waffen- und geländemäßig planvollere Verteidigung zu organisieren.
Der Abschub dieser Teile und das Verlegen von Artillerie auf das jenseitige Elbufer konnte flüssig abrollen, weil ein staffelweiser Stellungswechsel sich durch Eingreifen von 8,8 Eisenbahn-Flak-Batterien vom Nordufer der Elbe her erübrigte. Im Laufe des 23.04. machte sich an der gesamten Front des Brückenkopfes ein immer stärker werdender Druck des Feindes bemerkbar, wobei sich die beiden Flügel bei Hitzacker und Grippel als Schwerpunkte herausbildeten. Die beiden Geländeteile, die durch vor der Front liegende große Waldstücke keinen Einblick in das tiefere Vorfeld gewährten und gleichzeitig für den Gegner gedeckte Annäherungen und Bereitstellungen ermöglichte. Gleichzeitig mag ein bei der Truppe sich bemerkbar machender Erschöpfungszustand dazu beigetragen haben, dass im Verlaufe von einigen Stunden der Brückenkopf an beiden Flügeln eingedrückt wurde. Um einer größeren Gefahr vorzubeugen, räumte der Kommandeur der 84. ID in der Nacht vom 23. zum 24. 04. und mit letzten Teilen in der folgenden Nacht den gesamten Brückenkopf.
Abschnitt II. 26.04. bis 30.04. 45 (Verteidigung der Elbefront zwischen Boizenburg und Havelberg.)
Nach der Aufgabe des Brückenkopfes Dömitz wurden die Divisionen in folgende Räume gelegt:Die Division z.b.V. 1 (Schlageter) trat unter den Befehl der Armee Blumentritt und schied sofort aus dem Verband des XXXIX. Pz. K. aus.
Die Pz. Division Clausewitz sammelte im alten Versorgungsraum ihrer rückwärtigen Dienste ostw. Hamburg und nördlich Lauenburg.
84. ID erreichte Hohen Wobs im Waldgebiet südlich von Ludwigslust.
Versprengte Teile KK Uelzen (eine sehr geringe Zahl ohne Truppengefüge) wurden der 84. ID zur Auffüllung zugewiesen.
Die beiden Divisionen im Elbeabschnitt, Div. Res. Hamburg und Division Meyer, von den Ereignissen unberührt, behielten ihren Verteidigungsauftrag, während Div. Clausewitz und 84. ID ihre Truppen sofort zu ordnen und zusammen zu legen hatten. Eine oberflächliche Überprüfung ergab die Möglichkeit bei Div. Clausewitz sowie bei 84. ID je ein verstärktes Inf. Rgt. mit je einem Artillerie Rgt. zu formieren, wobei aber bei Clausewitz die Gliederung nach Pz. Div. wegen des Fehlens jeglichen Gerätes in Fortfall kommen musste.
Die Haltung, Disziplin und körperliche Verfassung aller aus dem Kampf gekommenen Truppen war ausgezeichnet gut.
Bei 84. ID hatte diese Haltung ihren Grund in dem festen Gefüge dieses verhältnismäßig alten Truppenteils, der über kampfgewohnte, gut eingespielten Führungsapparat, Führung, Offz.- und Unterführerkorps mit vielen alten Frontsoldaten verfügte.
Bei der Div. Clausewitz waren die Stämme zum großen Teil Angehörige von Schulen (Pz. Sch. Putlos), Unterführerschulen, Lehrtruppen, also ausgesucht gut geschultes und körperlich junges und leistungsfähiges Personal, während das Material Pz. IV, St. Gesch., SPW und MTW Schulgerät, also nur bedingt feldverwendbar war.
Die Infanterietruppen beider Divisionen hatten in den vorausgegangenen Kämpfen etwa 2/3 ihres Bestandes an Personal eingebüßt. Das gesamte gepanzerte Gerät der Division Clausewitz war verloren gegangen. Bis auf Handfeuerwaffen und Kleinausrüstung für alle Waffengattungen war eine Neubeschaffung nicht mehr möglich.
Der Befehl der 12. Armee besagte, mit allen Mitteln die Neugliederung und Auffüllung so schnell wie möglich durchzuführen. Es wurden deshalb vom Korps aus den Divisionen im holsteinischen Raum noch vorhandene Waffen, Gerät und Munition zugeführt und nach Aufnahme der Verbindung mit Wehrkreis II und III in Güstrow verfügbare Mannschaftsreserven von dort auf LKW herangeführt.
Diese Quelle versiegte aber von Tag zu Tag immer mehr, weil sich auf Mecklenburg in schnellen Sprüngen das Vorgehen der Russen von der Oder in den Raum Berlin – Rügen (Insel) fühlbar machte.
Die für die Auffüllung notwendigen Kraftwagentransporte wurden bei Nacht ausgeführt, da bei Tage auf allen Chausseen sich ein Strom von Flüchtlingen im Kraftwagen, in Trecks und zu Fuß Richtung Schleswig-Holstein bewegte und die Hauptdurchgangsstraßen bei Tage in ununterbrochener Kontrolle von feindlichen Jagdbombern standen. Durch Bordwaffenbeschuss waren die Verluste unter der Zivilbevölkerung dementsprechend. Zeitweise war die große Straße Feldberg – Ludwigslust durch brennende Kraftwagen gesperrt. Diese Beobachtungen veranlassten mich, die Straße in Abschnitte einzuteilen und in jedem an der Straße liegenden Ort ein Aufräumungskommando zu bestimmen, das die Kraftwagenwracks von der Straße zu entfernen und die toten Zivilisten zu beerdigen hatte.
In der Nacht vom 27. zum 28.04. und vom 28. zum 29.04. marschierte die Division z.b.V. 1 Schlageter (z. b. V. = zur besonderen Verfügung) durch Ludwigslust aus dem Raume Boizenburg in ostw. Richtung. Sie war für die Ostfront zur Verfügung gestellt worden.
Gleichzeitig erhielt das XXXIX. Pz. K. am 29. 04. den Befehl, an der Elbe nur örtlichen Volksturm stehen zu lassen und alle Divisionen z.T. zur 3. Pz. Armee (Mecklenburgische Seenplatte) und zum XXXXI. Korps gegen Friesack in Marsch zu setzen. In der Nacht vom 29.04. zum 30.04. begannen bereits die Bewegungen.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Divisionen auf die Stärke anliegender Truppengliederung gebracht. Die verhältnismäßig hohe Stärke an Artillerie erklärt sich aus den in der vorausgegangenen Zeit sehr knapp bemessenen Artilleriemunitionszuweisung, die ein Zurückhalten von ganzen Abteilungen zur Folge gehabt hatten.
Es waren reichlich 8,8 Fla Munition vorhanden, so dass diese Waffen in der Hauptsache Träger des Kampfes gewesen war.
In der Zeit ab 26. 04. hatte das Korps keinerlei Verbindung mehr zur Luftwaffe. Im Raum Ludwigslust befanden sich aber Flugplätze mit noch intakten Flugzeugen, Luftwaffenmunition und Lager aller Art.
Ein in der Div. (Res. Hamburg) stehender Inf. Oblt. (Sportflugzeug-Schein) hatte sich hier einen Storch fertig gemacht und flog jeden Tag im diesigen Morgenwetter im Elbabschnitt Boizenburg – Dömitz eine Beobachtungsstreife. Dieser tägliche Flug war die einzige, sich nur auf die Elbe beschränkende Luftaufklärung.
Neben dem Ordnen der Divisionen hatte sich auch der Führungsstab des XXXIX. Pz. K. mit den notwendigen Führungsmitteln versehen. Neben Korpskommandeur, Chef I a und Unterstab pp. Personal, waren Nachr. Abtg. und Versorgungstruppen so vollständig, dass mehrere Divisionen geführt und versorgt werden konnten.
Mit der Meldung dieses Zustandes an die 12. Armee erhielt der Stab XXXIX. Pz. K. einen neuen Einsatzbefehl, der ihn in der Nacht vom 30.04. zum 01.05. in den Raum Rathenow – Tangermünde – Genthin gegen Amerikaner verlegte. Am frühen Morgen des 01.05. traf der Führungsstab des XXXIX. Pz. K. in Sydow ein, wählte diesen Ort als Korbsstabsquartier und stellte die Verbindung zu den unterstellten Truppen her.
Die Zerschlagung der vier Kampfgruppen
Ein kurzer Blick auf die Lage am 15. April in der Altmark.Wie bereits geschildert standen die Kampfkommandos der 5. US-PD, seit dem 12. April an der Elbe. Die beiden nachfolgenden Infanteriedivisionen (84. US-ID, General Alexander R. Bolling, 102. US-ID, General Frank A. Keating) folgten.
Zur Flankensicherung zum britischen Sektor, auf der Linie Dähre, Salzwedel, Arendsee, Bömenzien, ist das 11. US-Kavallerie-Regiment eingesetzt.
Die Infanterie-Divisionen beginnen das Gebiet der Altmark von versprengten deutschen Soldaten zu säubern.
Seehausen wird am 12. April kampflos besetzt, Osterburg und Stendal am 13. April.
Salzwedel und Gardelegen folgen am 14. April, durch Arendsee fahren die ersten amerikanischen Panzer am 14. April. Die Besetzung erfolgt erst am 15. April.
An diesem Tag quartieren sich gleich mehrere Stäbe in der Seestadt ein, Stab der 84. US-Infanterie-Division, Stab des 11. US-Kavallerie-Regiments und der Stab des 771. Panzerabwehr-Bataillons.
Von Bömenzien kommend fahren am 15. April zwei amerikanische Panzer und ein SPW durch Gartow, einige Gebäude werden in Brand geschossen. Die Einheit zieht sich wieder in die Altmark zurück. Nach und nach werden auch die kleineren Orte besetzt oder von Patrouillen aufgesucht und nach deutschen Soldaten durchsucht.
Die Altmark ist nicht flächendeckend besetzt, noch sind große Teile nicht unter ständiger Kontrolle der amerikanischen Besatzungstruppen. Panzeraufklärer und Streifen sichern die wichtigsten Straßen und größeren Orte, endlose Nachschubkolonnen rollen Richtung Elbe, Versorgungs- und Munitionslager werden angelegt.
(Im Wald bei Brunau, Beese, Fleetmark und Lüge wurden Munitions- und Treibstofflager angelegt. Die Munition wird teilweise auf dem Bahnhof Fleetmark entladen. Zum Transport müssen auch Bauern mit ihren Pferdegespannen erscheinen. Große Mengen werden mit LKWs angefahren. Vor dem Abzug der Amerikaner und Briten werden große Mengen Munition aller Kaliber besonders zwischen Lüge und Thüritz gesprengt. Die Altlasten liegen noch heute im Boden, der teilweise dermaßen munitionsverseucht ist, dass selbst der Kampfmittelräumdienst die Hände davon lässt. Bei Brunau-Packebusch wurden Treibstofflager angelegt)
Erste Sammelstellen für deutsche Kriegsgefangene entstehen. Überall sind versprengte deutsche Soldaten unterwegs oder verstecken sich in den Wäldern.
Das Gros der gepanzerten amerikanischen Verbände steht 85 km vor Berlin an der Elbe. Auch in der Altmark wird der Angriff auf Berlin vorbereitet.
Entlang der Elbe muss die Bevölkerung einen Streifen von 5 km räumen. Brückenmaterial wird bereitgestellt, Schlauch- und Sturmboote angefahren. Die 5. US-PD plant den Brückenschlag zwischen Sandau und Wulkau. Die bereitgestellten Truppen stauen sich bis Iden.
Bei Packebusch lagert ein Pionierbataillon des Korps mit schwerem Brückengerät. Das Feldlazarett des XIII. Korps hat seine Zelte im Wald bei Estedt aufgeschlagen. Der geplante Brückenschlag wird in der Nacht zum 15. April abgeblasen. Am 16. April kommt der Befehl für alle amerikanischen Verbände in Mitteldeutschland, den Vormarsch an Elbe und Mulde zu stoppen und dort auf den russischen Verbündeten zu warten.
Der deutsche Tagesbericht vom 15. April meldet: "Im Raum NO Seehausen wurde die Bereitstellung von 500 gep. Feindfahrzeugen beobachtet. Zwischen Sandau und Arneburg wurde durch eigene Luftaufklärung der Bau einer Brücke gemeldet." (Die Amerikaner haben im Bereich der Altmark keine Brücke errichtet, es sind nur einige Aufklärungstrupps über die Elbe gesetzt und haben bis Rathenow, Havelberg und Genthin aufgeklärt.)
Der Kreis Lüchow-Dannenberg und das Gebiet östlich von Uelzen ist noch nicht von den Alliierten besetzt. Die Briten stehen vor Uelzen und die Amerikaner beginnen erst am 21. April mit der Besetzung des Wendlands. Die Abschirmung zum britischen Sektor wird der 11. US-Kavallerie mit der 36. und 44. Schwadron (Bataillon) übertragen. Unterstützt wird das Regiment durch eine Kompanie des 771. Panzerabwehr-Bataillons.
Im Kampfabschlussbericht des 11. Kavallerie-Regiments vom 14. April steht: "Beim ersten Tageslicht wurde die 36. Schwadron von ihrer Sicherungsaufgabe entbunden und erhielt Befehl, die Strecke von Hankensbüttel bis Dähre abzuschirmen. Die Schwadron raste an der Korps-Nordgrenze entlang, die nun wieder verwundbar geworden war. Das kam daher, weil die Briten auf der rechten Flanke nach Norden anstatt nach Osten vorstießen, wodurch sie die linke Korpsflanke ungeschützt hinterließen. Um 10.50 Uhr hatte die Schwadron Straßensperren bis hin und einschließlich Dähre eingerichtet. Der Regiments-Gefechtsstand wurde von Wathlingen nach Hankensbüttel (9.35 Uhr) verlegt, dann aber um 14.30 Uhr von Hankensbüttel nach Salzwedel (17.20 Uhr).
Oberst Frierson nutzte den Vorteil des unorganisierten feindlichen Widerstands aus und verlegte erneut die 44. Schwadron von ihrem Abschnitt ostwärts und ließ sie auf der Flanke von Dähre bis zur Stadt Salzwedel vorstoßen. Diese Absicherung war um 16.05 Uhr fertiggestellt. 1000 amerikanische Kriegsgefangene wurden nach der Ankunft der 44. Schwadron in der Stadt befreit und viele tausend Zwangsarbeiter und Verschleppte drängelten sich freudig auf den Straßen und feierten ihre Befreiung."
Anmerkung: Salzwedel wurde von den Zwangsarbeitern und befreiten KZ-Häftlings-Frauen aus dem Nebenlager des KZ Neuengamme an der Drahtfabrik (Herstellung von Infanterie-Munition) furchtbar geplündert. Erst am Abend des 15. April war es den amerikanischen Besatzungstruppen (3. Bataillon vom 333. US-Infanterie-Regiment) gelungen, die Ordnung mit Waffengewalt wieder herzustellen. Am 15. April durften alle Deutschen ihre Häuser nur für eine Stunde zwischen 7 und 8.00 Uhr verlassen. Nach der Lageberuhigung verlegte das 3. Bataillon nach Harpe, nur die L-Kompanie blieb als Ordnungsmacht in Salzwedel.
"Noch immer den Vorteil der Bewegung ausnutzend, befahl der Regiments-Kommandeur der 36. Schwadron ihren Flankenschutz aufzugeben, zur 44. Schwadron aufzuschließen und mit den Einheiten des Regimentsstabs zur Elbe vorzustoßen. Er gab die zusätzliche Weisung, aggressiv vorzugehen und die Elbe so rasch wie möglich zu erreichen.
Im Verlauf dieses Tages waren mehr als 120 Meilen genommen und gesäubert, 287 Kriegsgefangene gemacht und 22 Feinde getötet."
Für den 15. April ist vermerkt: "Um 2.10 Uhr geschah wiederum ein großartiges Ereignis in der Geschichte des 11. Kavallerie-Regiments, als nämlich ihre Einheiten beim Vormarsch die Räder ihrer Fahrzeuge mit dem Wasser der Elbe anfeuchteten.
Beide Schwadronen führten Erkundungen nördlich im britischen Sektor durch. Der Regiments-Gefechtsstand wurde um 10.30 Uhr von Salzwedel nach Arendsee verlegt.
In den Lagern von Salzwedel, mit den tausenden befreiten Personen, wurden Wachen platziert. Zur Evakuierung der amerikanischen Kriegsgefangenen wurden Anordnungen getroffen.
Bei der Erkundung der Salzwedeler Umgebung entdeckte die 44. Schwadron große feindliche Nachschub-Lager und mit Munition beladene Eisenbahnwaggons. Anordnungen wurden getroffen, dass der US-Nachschub sie sofort übernahm.
Durch die Befragung von befreiten Kriegsgefangenen konnte ermittelt werden, dass sich 200 weitere amerikanische Kriegsgefangene in Seeben befanden, ungefähr 5 Meilen nördlich im britischen Sektor. Oberst Frierson befahl der 44. Schwadron unverzüglich diesen Ort zu nehmen, das Nazi-Lager zu zerstören und die amerikanischen Kriegsgefangenen zurückzubringen. Dieses wurde um 15.20 Uhr problemlos durchgeführt."
Der Kampfabschlussbericht der 5. US-PD vom 15. April vermerkt: "CCB sandte eine angegliederte Kompanie Panzer und Infanterie (B-Kompanie des 81. Panzer-Bataillon und die B-Kompanie des 15. Panzergrenadier-Bataillon) zum Divisions-Nachschub-Gebiet, um als Schutz für Eisenbahnzüge zur Verfügung zu stehen. Dieses wurde unternommen, um gegen feindliche Kräfte, welche von der Zone des britischen VIII: Korps in den Divisions-Nachschub einbrechen, vorgehen zu können. Es gab eine Meldung, dass feindliche Einheiten versuchen zu entkommen, wobei sie sich in die nördliche Hälfte der Zone vom XIII. Korps bewegen."
Anmerkung: Das Gebiet des Kreises Lüchow-Dannenberg war bis zum 21. April nicht besetzt. Lüchow kapituliert nach dem Beschuss mit Artillerie am 22. April. Dannenberg wird in den Morgenstunden das 23. April übergeben. Erbittert wurde um den Brückenkopf Dömitz und um den Höhbeck (Brückenkopf Lenzen), ein Höhenzug westlich von Gartow, gekämpft. Die letzten deutschen Soldaten setzen sich am 26. April über die Elbe ab. Dort wo sich heute Touristen erholen, starben im April 1945 168 Soldaten einen sinnlosen Tod.
Die Kampfgruppen I und II brechen auf
Die Kampfgruppe I kommt in der Nacht vom 15. zum 16. April von Rosche, Schmölau, über Schadeberg, wo man in den von den Amerikanern besetzten, aber schwach gesicherten Teil der Altmark eindringt, schnell voran. Die Kolonne marschiert in der Nacht über Feld-, Wald- und Nebenwegen weiter nach Süden. Größere Orte wie Dähre, Diesdorf und Bornsen werden unbemerkt umgangen. Eine deutsche Einheit, bestehend aus zehn bis 15 Panzern, mehreren SPW und etwa 15 LKW, fährt am 16. April auf einem Feldweg zwischen Jübar und Lüdelsen Richtung Mellin.Hanna Steinbach aus Jübar berichtet: "Am 11. April 1945, es war ein hochsommerlicher Frühlingstag, erreichten feindliche amerikanische Panzer unser so friedliches Dorf.
Am Mittag des 13. April rollte der amerikanische Nachschub ununterbrochen bis 21.30 Uhr. Am 14. und 15. April rollte wieder von früh bis spät der Nachschub. Am 15. waren sehr viele Kolonialtruppen darunter. In der folgenden Nacht übernachteten 100 Amerikaner in der Molkerei. Ihre Fahrzeuge standen unter den Eichen. Es schien, als fühlten sie sich dort recht wohl. Die Nacht verlief ruhig.
Am 16. April um 5.30 Uhr hörten wir ein fürchterlich lautes Rollen, aber nicht von West nach Ost, wie in den vergangenen Tagen, sondern umgekehrt. Es waren deutsche Soldaten mit Panzern und Fahrzeugen! Sie wurden von den Amerikanern gefangengenommen. Es gab etwas Schießerei. Unser Haus hatte 20 Einschüsse. Aber nach ein paar Stunden rollten wieder die Amerikaner durchs Dorf. Alle wichtigen Straßenecken hielten sie besetzt. Kein Bewohner durfte auf die Straße.
Der 18. April war ein Tag voller Unruhe und Aufregung. Schon morgens wurden wir durch Schießerei geweckt. Gegen Mittag begannen Hausdurchsuchungen bei Leuten, die sich an der Plünderung des amerikanischen Verpflegungswagens beteiligt hatten. Am Nachmittag war wieder eine fürchterliche Schießerei aus der Luft und auf der Erde in unsere schönen Wälder hinein. Überall brannte der Wald. Die Schießerei hielt an bis zum 21. April. Dann wurde es ruhig. Wir erfuhren, dass das Dörfchen Lindhof zusammengeschossen worden war, weil die dortigen deutschen Soldaten sich nicht ergeben wollten. Auch das Dorf Molmke war stark zerstört worden, weil dort vier deutsche Militärfahrzeuge untergestellt worden waren."
In den Morgenstunden des 16. April erreicht die Kampfgruppe I unter Major Wallenberg etwa 2,5 km Nordöstlich von Brome die Reichsstraße 248 (B 248), eine der Hauptnachschubstraßen für die amerikanischen Divisionen in der Altmark. Die Spitze der Kampfgruppe I trifft auf eine Nachschubkolonne der Amerikaner. Einige Schützenpanzer und LKW werden zerstört, die Straße gesperrt. Über Funk wird eine Meldung an General Unrein abgegeben. Der Stab des XIII. US-Corps erkennt schnell, was sich in seinem Hinterland abspielt, hat aber an diesem Tag noch keine gesicherten Informationen über die Stärke und Absicht der deutschen Einheit, die plötzlich im Hinterland den Nachschubverkehr merklich stört, auf der Reichsstraße 248 zeitweise zum Erliegen bringt.


Quelle: Kriegsende im Wendland: Vorstoß der 5. US-Panzer-Division. Brückenkopf Dömitz. Band III
Link: books.google.de
Einsatzbefehl der „Kampfgruppe Fiebig“ vom 14. April 1945
An diesem Befehl kann man erkennen, wie maßlos die eigenen Fähigkeiten von der deutschen Führung überschätzt wurden. Man plante mit Einheiten, die es als Solche gar nicht mehr gab.
Anmerkung: Die „Kampfgruppe Fiebig“ wurde nach ihrem Kommandeur, General Fiebig benannt. Fiebig war Kommandeur der aufgeriebenen 84. Infanterie-Division. Die in diesem Befehl aufgeführten Einheiten befanden sich überwiegend noch gar nicht im Einsatzgebiet, bzw. waren als Kampfverband nicht mehr verwendbar. Der Vorstoß des XXXIX. Panzer-Korps wurde bereits am Morgen des 15. April nach dem Nachtgefecht in Nettelkamp und Stadensen abgebrochen. Die Kompanie Wiking erreichte die Kampfgruppe Fiebig gar nicht, sie wurde schon zuvor aufgerieben. Einzelne Angehörige dieser SS-Einheit konnten sich bis zum Brückenkopf Dömitz durchschlagen. Die SS-Männer der Kompanie Wiking gehörten zur 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, die in Ungarn eingesetzt war. Die SS-Männer sollten aus deutschen Depots für die Division schwere Technik übernehmen und wurden durch den amerikanischen Angriff überrollt. Sie versuchten mit den übernommenen Fahrzeugen (Schützenpanzer, Kübelwagen, Bergepanzer und Jagdpanther) unter Führung ihres Hauptmanns, (Hauptsturmführer) Nicolussi-Leck, die Elbe zu erreichen.
Die „Kampfgruppe Fiebig“ war keine gewachsene Einheit, sondern ein zusammengesuchter Haufen, der mit Versprengten aller Waffengattungen aufgefüllt wurde. Entsprechend war die Kampfkraft und Ausrüstung mit schwerem Gerät.
Man vermutet: "daß sich 400 Mann mit 15 Panzern und 100 Radfahrzeugen in dem waldreichen Gebiet verstecken. Aus Gefangenenaussagen ergibt sich, dass es sich um Teile der neu aufgestellten Division „von Clausewitz“ handelt."
Der G-2 Tageslage-Bericht Nr. 165 vom 15. – 16. April der 102. US-ID vermerkt über vermutete Feindeinheiten im Hinterland:
"2. Feindhandlungen im Berichtszeitraum.
a. Allgemeine Zusammenfassung: Einheiten der Division schalteten weiterhin mögliche Quellen des Widerstands durch Kriegsgefangene (Soldaten in Zivilkleidung, Versprengte, Deserteure etc.), die ins Gefangenenlager aufgenommen wurden, aus. Unsere Patrouillen trafen jedoch auf keinerlei Widerstand. Während der frühen Morgen- und der späten Abendstunden waren feindliche Flugzeuge auf Angriffs- und Aufklärungsmission unterwegs. Es wurde die Zerstörung von vier (4) feindlichen Flugzeugen gemeldet.
Im rückwärtigen Gebiet des Korps wurden Feindaktivitäten verzeichnet und zwar der Infanterie, von der angenommen wird, dass sie mit Panzer und Halbkettenfahrzeugen motorisiert ist, und die von dem großen Waldgebieten westlich von Klötze aus operiert.
Es wurden folgende Vorfälle gemeldet, von denen angenommen wird, dass sie auf den im allgemeinen Gebiet nördlich von Ehra (Y 0746) versteckten Feind zurückzuführen sind: Um 06.30 Uhr marschierte eine feindliche Einsatzgruppe mit schätzungsweise 20 gepanzerten Fahrzeugen und mehreren hundert Mann aus Osten kommend in Jübar (Y 1459) ein. Eine Flugabwehreinheit in der Nähe soll mehrere Fahrzeuge an diese Gruppe verloren haben. Um 08.30 Uhr wurden ein Panzer und sechs Halbkettenfahrzeuge des Feindes bei Tülau (Y 1347) gemeldet, eine LKW-Kolonne wurde in der Nähe angegriffen. Um 10.30 Uhr wurden schätzungsweise 15 bis 20 feindliche Panzerfahrzeuge bei Voitze (Y 1348) beobachtet (wahrscheinlich ein Teil der oben gemeldeten Fahrzeuge). An der Hauptversorgungsstraße bei Y 2547 und Y 2246 auf beiden Seiten von Kunrau wurden von Truppen der 5. Panzer-Division zwei Straßensperren entdeckt und beseitigt. Im Wald nördlich von Y 2351 wurden Soldaten und bei Ehra (Y 0745) vier Halbkettenfahrzeuge.
Jüngsten Berichten des XIII: Korps zufolge sollen schätzungsweise 15 Panzer und 100 diverse Fahrzeuge im Gebiet nördlich von Ehra sowie möglicherweise ein paar hundert Mann zu finden sein. Es wird angenommen, dass sich diese Truppe in den vergangenen Tagen aus dem Gebiet nördlich des Korps-Sektors nach Süden zurückgezogen hat. Es wird auch angenommen, dass die betreffenden Männer verschiedenen Einheiten angehören, die zusammengefasst wurden, um zu kämpfen und unsere Versorgungslinien zu stören."
Die amerikanischen Truppen reagieren umgehend, das CCB wird in den bedrohten Abschnitt verlegt. Zur Unterstützung wurden Einheiten der 102. und der 84. US-ID unterstellt. Die C Kompanie vom 407. US-IR der 102. US-ID wird dem XIII. US-Korps zur Sicherung des Korps -Gefechtsstand, welcher sich in Klötze befindet, direkt unterstellt. Das 1. Bataillon vom 335. US-IR (84. US-ID) unterstützt das Kampfkommando B bei der Abwehr der Clausewitz-Truppen im Raum Jübar, Mellin, Brome. An Artillerie wurden eingesetzt das 71. (5. US-PD) und das 695. Feldartillerie-Bataillon (Korpsartillerie). Vom 11. Kavallerie-Regiment wird die 44. Schwadron am 19. April in die Randgebiete des Klötzer Forstes verlegt. Die 36. Schwadron folgt am 20. April, nachdem sie von der Infanterie im Raum Arendsee abgelöst wurde. Ablösung durch das 2. Bataillon vom 333. Infanterie-Regiment der 84. US-ID um 11.30 Uhr. Zur Unterstützung bei der Säuberung der ausgedehnten Waldgebiete wird als zusätzliche Einheit das 175. US-IR von der 29. US-ID am 20. April vom Ruhrgebiet in den Raum Klötze verlegt. Die beiden anderen Infanterie-Regimenter dieser Division kommen bei der Besetzung des Kreises Lüchow-Dannenberg zum Einsatz. Sie unterstützen die beiden Kampfkommandos der 5. US-PD und säubern dort die Waldgebiete.
Im Bericht des 407. US-IR von der 102. US-ID steht: "Am 17. April verlegte das 407. IR, noch dem XIII. Korps unterstehend, in den Raum ostwärts Gifhorn, um dort die Nachschubwege zu sichern. Dort hatte sich eine Bedrohung durch gemischte Feindverbände ergeben. Die Deutschen besaßen gepanzerte Fahrzeuge, welche mit Erfolg einen Treibstofftransport überfallen hatten, um für zusätzlichen Treibstoff und Fahrzeuge zu sorgen. Weitere erfolgreiche Überfälle machten die Deutschen bei Jübar, Tülau und Voitze. Wir stellten Straßenblockade auf. Am 17. April schätzte das XIII. Korps diese Truppen auf wenigstens 400 Soldaten, 15 Panzer und etwa 100 LKWs, die sich in den Waldgebieten aufhielten. Gefangene bestätigten, dass es sich um Teile der neuen Division Clausewitz handelte, die eine Woche zuvor aufgestellt worden war.
Nach dem das 407. IR der 5. PD unterstellt wurde, übernahm das Regiment die Verantwortung, das ganze Gebiet zu sichern. Glücklicherweise kehrte das 3. Bataillon zum Regiment zurück, nachdem sein Einsatz als Divisionsreserve beendet war. Das große Problem war, den Feind aufzuspüren und zum Kampf zu stellen. Der Wald war dicht und dunkel und von vielen Waldwegen durchzogen, wodurch der Feind seine Kräfte ständig umgruppieren konnte um so unserer Aufklärung zu entgehen. Am 19. April schätzte man diese Kampfgruppe auf 25 Panzer, 40 SPW, 4 Batterien Artillerie und etwa 1000 Soldaten. Man hatte diese Truppe in der Gegend der Ortschaften Diesdorf, Lindhof und Haselhorst festgestellt. Das ganze Gebiet wurde mit Jabos und Artillerie angegriffen. Trotzdem konnte das 407. IR der Deutschen nicht habhaft werden. Es gelang die rückwärtigen Kräfte der 84. ID mitsamt dem Musikkorps zu befreien, die man im Konvoi fahrend überrascht und genommen hatte. Das Hauptquartier des XIII. Korps befand sich in Klötze und die Aufregung dort war groß, als sich ein möglicher Angriff abzeichnete. Der Feind wusste aber offenbar nichts von diesem Hauptquartier. Um das 407. IR zu verstärken, wurde das 1. Bataillon des 406. Regiments, verstärkt durch die C-Kompanie des 701. Panzer-Bataillons und des 252. Feldartillerie-Bataillons dem XIII. Korps zugeführt, mit der Aufgabe, den Klötzer Forst zu säubern. Die Abteilung Feindabwehr des 407. IR entdeckte, dass ein möglicher Angriff über den Mittellandkanal bei Fallersleben führen müsste. Die in Fallersleben befindlichen Truppen, die Stabskompanie des Hauptquartiers, das 3. Bataillon und die M-Kompanie errichteten daraufhin Straßensperren, bauten MG-Stellungen auf und bereiteten Stellungen für Panzerabwehrwaffen vor. Das 407. Regiment benötigte noch 3 weitere Tage, um die Wälder vom Feind zu säubern. Am 26. April endete die Aufgabe und es löste nun Teile der 35. ID ab, die an der Elbe standen."
Der G-2 Tageslage-Bericht Nr. 166 vom 16. – 17. April der 102. US-ID vermerkt: "Im rückwärtigen Gebiet des XIII. Korps wird die Stärke des eingekesselten Feindes auf etwa 400 Mann geschätzt. Es wird angenommen, dass die Gruppe über fünf Panzer (einer davon soll ein amerikanischer Sherman sein), drei Selbstfahrlafetten, sechs Zweieinhalbtonner, sechs Jeeps und vierzig deutsche Halbkettenfahrzeuge verfügen. Für den Betrieb dieser Fahrzeuge stehen rund 12000 Gallonen (gut 45000 Liter) Kraftstoff zur Verfügung. Es wird angenommen, dass die Gruppe aus der 5., 7. und 8. Kompanie des Regiments 130 (der Panzer-Lehr-Division) besteht. Die der Einkesselung im Ruhrkessel entgangen sind. Andererseits deuten Kriegsgefangenenberichte von der britischen Front im Norden darauf hin, dass die Gruppe möglicherweise zur vor etwa drei Tagen formierten Panzerdivision Clausewitz gehört. Diese Einheit hatte den Auftrag, Braunschweig mit dem Ziel einzunehmen, sich mit den deutschen Streitkräften im Süden zu verbinden, die, wie man den Männern sagte, „Köln zurückerobert“ hätten.
Panzerdivision „Clausewitz“ Diese Division wird derzeit bei Lauenburg an mehreren Standorten innerhalb eines Radius von 20 km um die Stadt aktiviert. Die Heranführung von Ausrüstung erweist sich als äußerst schwierig und der Kriegsgefangene geht nicht davon aus, dass die Division als Ganzes in naher Zukunft einsatzbereit sein wird. Allerdings erhielt ein Panzergrenadier-Bataillon, „Feldherrnhalle“, dessen Kommandant Hauptmann Peters ist, am 7. April personelle Verstärkung durch etwa 40 Schützenpanzerwagen und überquerte zu dieser Zeit die Elbe bei Lauenburg in Richtung Westufer. Die Soldaten dieses Bataillons sind angeblich zum größten Teil ehemalige Luftwaffen- und Marineangehörige. Ein Teil der Kräfte für diese Division sollte von in Dänemark stationierten Einheiten kommen; am 12. April kam der erste Vortrupp an."
Im Kampfabschlussbericht der 5. US-PD vom 16. April steht: "Die Division setzte ihre Aktivitäten vom Vortage bis 12.00 Uhr fort. Eine Meldung besagte, dass feindliche Streitkräfte mit Panzern im Gebiet Jübar – Mellin – Brome vorhanden wären. CCB wurde sofort westlich in Marsch gesetzt, um diese Streitkräfte anzunehmen. Divisionsartillerie mit dem 71. und 695. Panzerfeldartillerie-Bataillon wurden zur Unterstützung von CCB in Marsch gesetzt. Das XIII. Korps hatte angeordnet, dass das 1. Bataillon vom 335. Infanterie-Regiment (84. ID) dem CCB beigefügt werden soll und befahl einen Führer zum Bataillons-Hauptquartier, um die notwendigen Befehle zu überbringen und das Bataillon in das Gebiet des CCB zu geleiten. Das Bataillon hätte sich in Warenholz befinden sollen, wurde dort aber nicht aufgefunden und der Führer kehrte zum CCB zurück. Das Bataillon rückte selbständig an.
CCB spaltete sich in zwei Kolonnen, eine unter Führung des 81. Panzer-Bataillons und die andere unter Führung des 15. Panzergrenadier-Bataillons. Das 81. Bataillon erreichte den Ort Immekath und nahm Fühlung mit dort liegenden befreundeten Truppen auf, die nichts von der Anwesenheit des Feindes in ihrer Gegend wussten. Das 15. Bataillon erreichte um 17.12 Uhr Brome. Erkundungseinheiten von CCB sondierten ausgedehnte Waldgebiete westlich von Radenbeck und Wiswedel und stellten feindliche Streitkräfte von unbekannter Stärke fest. Beide Bataillone haben Feindberührung, Feindliche Streitkräfte konnten teilweise nach südöstlicher Richtung entkommen."
Der Kampfabschlussbericht des 11. Kavallerie-Regiments vom 18. April vermerkt: "Über den ganzen Tag und die ganze Nacht setzten die Patrouillen ihre Operationen fort, töteten 24 und nahmen 34 Feinde gefangen. Die 5. Panzer-Division und die Briten an der linken Regimentsflanke nahmen in ihren Sektoren die meisten Einheiten der Feind-Panzer-Division an, obwohl ständig Meldungen über Truppenbewegungen und Truppenkonzentrationen des Feindes hereinkamen. In vielen kleinen Orten im Norden befreiten unsere Patrouillen alliierte Kriegsgefangene und übergaben sie zuständigen Stellen zur Evakuierung. Mehrere leichte Fahrzeuge des Feindes wurden vernichtet, die 44. Schwadron meldete den Abschuss eines M IV-Panzers durch Bazooka (amerikanische Panzerabwehrwaffe für Infanteristen).
Um 18.00 Uhr kann die Weisung, dass das Regiment am nächsten Tag in das Gebietszentrum verlegt würde, um die 5. Panzer-Division abzulösen. Diese sollte in Zusammenarbeit mit den Briten nordwärts angreifen, um das Gebiet, in dem bisher die Kavallerie-Patrouillen operierten zu bereinigen. Nur die 44. Schwadron wurde verlegt, während die 36. Schwadron ihre Stützpunkte, Stellungen und Vorposten beibehielten, bis sie durch die 84. Infanterie-Division abgelöst wurde."
Am 16. April kommt es auf der Linie Jübar – Mehmke zu Gefechten mit dem 81. US-Panzer- Bataillon, welches seinen Stab in Immekath hat, und dem 15. US-Panzer-Grenadier-Bataillon, mit Stab in Brome. Unter Einsatz der Panzer gelingt der Durchbruch, welcher nach 10 km erneut durch Teile des 407. US- Inf.- Regiments der 102 US-ID im Raum Jübar versperrt wird. Die Kampfgruppe I wird in das große Waldgebiet südlich von Klötze abgedrängt. Während der Durchbruchgefechte wird die Kampfgruppe in mehrere Gruppen zersprengt, die teilweise keinen Kontakt zueinander haben.
Der Tagesbericht der 5. US-PD verzeichnet für den 16. April 100 Gefallene und 1 712 Gefangene Deutsche.
Auszug aus dem Kriegstagebuch des OKW vom 18. April 1945: "Unter Befehl des 39. Panzerkorps griff die Division Clausewitz an, wurde dabei jedoch durch 50 Panzer aufgehalten. Ihre Absicht zum neuen Angriff in Richtung Fallersleben ist anscheinend noch nicht durchgeführt worden."
G-2 Tageslage Bericht Nr. 167 vom 17. – 18. April 1945 der 102. US-ID:
Feindhandlungen im Berichtszeitraum: "Deutsche Kriegsgefangene und befreite Amerikaner gaben an, dass sich die feindliche „Einsatzgruppe“ in den rückwärtigen Gebieten des XIII. Korps nach Nordosten zurückgezogen hat. Unsere Truppen in Ehra (Y 0745) und Voitze (Y 1348) wurden am 16. April während des späten Nachmittags und frühen Abends aus dem Waldgebiet im Norden unter Beschuss durch Handfeuerwaffen, einige Selbstfahrlafetten und 8,8 cm Flaks genommen. Befreite Amerikaner, die am Morgen des 17. April freigelassen wurden, gaben an, dass sich der Feind in der Nacht vom 16. auf den 17. April aus dem Gebiet um Boitzenhagen (Y 0851) zurückzog. Der Feind hatte Berichten zufolge zu diesem Zeitpunkt 3 Panzer (1 Tiger, 2 Panther), 30 Halbkettenfahrzeuge, 3 Selbstfahrlafetten und 3 8,8 cm Einheitsgeschütze und war gut mit Munition, Lebensmittel und Kraftstoff versorgt. Die geschätzte Mannschaftsstärke lag zwischen 300 und 600 Mann, es ist aber bekannt, dass die Gruppe gut mit SS-, Flak- und Wehrmachtspersonal organisiert und komplett motorisiert ist und von einem Obersturmbannführer der Waffen-SS geführt wird. Es ist bekannt, dass die Gruppe per Funk mit dem höheren Kommando in Verbindung steht und über ihre Situation gut informiert ist. Einer der deutschen Offiziere sagte einem gefangengenommenen amerikanischen Offizier: „Wir wissen, dass wir eingeschlossen sind, aber wir werden bis zum Ende kämpfen.“"
Weder am 17. April, noch an den folgenden Tagen unternimmt Major Wallenberg einen Ausbruchversuch. Er hat scheinbar auf das Eintreffen weiterer Kampfgruppen gewartet. Durch zahlreiche Einzelunternehmen stört seine Kampfgruppe den amerikanischen Nachschubverkehr empfindlich, wobei nicht belegt ist, dass es eine Koordinierung dieser Unternehmen gegeben hat. Wahrscheinlich ist das unabhängige Vorgehen einzelner Gruppen.
Das 628. Panzer-Abwehr-Bataillon (5. US-PD) berichtet: "16. April 1945: Nachdem das westliche Elbufer am 12. April 1945 erreicht und die Position in der Erwartung eine Überquerung durchzuführen und weiter nach Berlin zu marschieren, dort gefestigt wurde, traf die Nachricht ein, dass die Division „von Clausewitz“ sich südlich bewegt hat um den Briten zu entkommen und das sie den Versuch unternehmen unsere hinteren Versorgungslinien zu durchtrennen und sich eventuell mit anderen deutschen Einheiten, die sich südlich in den Bergen des Harzes versteckt halten, zusammenschließen wollen. Deshalb bekam das Bataillon den Befehl mit verschiedenen anderen Kampftruppen sich auf den Weg zu machen, um dieser Gefahr zu begegnen. Zum ersten Mal seit dem Beginn des Angriffs mit der Überquerung des Flusses Rur, bewegte sich das Bataillon westlich, anstatt östlich, obwohl es sich weiterhin im Angriff befand.
Der Bataillonsgefechtsstand mit der Stabskompanie und der Aufklärungskompanie bewegte sich von Osterburg nach Klötze, danach am 18. April weiter nach Rohrberg, anschließend nach Wöpel und erreichte am 22. April 1945 Salzwedel.
Der Instandsetzungszug unter Hauptmann Bayer wurde in der Gegend Klötze zurückgelassen, als der Bataillonsgefechtsstand und die Stabskompanie nach Rohrberg aufbrachen. Am Abend des 20. April wurde Hauptmann Bayer und sein kompletter Zug zum Bataillonsgefechtsstand nach Wöpel gerufen. Die Aufklärung hatte herausgefunden, dass schätzungsweise 400 feindliche Truppen in die Wälder nur eine Meile entfernt von Hauptmann Bayer’s Standort nahe Klötze eingedrungen waren. Diese feindlichen Truppen wurden anschließend gefangengenommen und die Schätzung stellte sich als zutreffend heraus.
16. April, der Divisions-Train, darunter auch Fahrzeuge und Fahrer des Bataillons, gerät ungefähr 15 Meilen westlich von Klötze in einen Hinterhalt und wird vom Feind angegriffen. Nachdem die beiden Führungsfahrzeuge zerstört worden waren, wurden die anderen Fahrzeuge aufgegeben und vom Feind erbeutet. Am 17. April wurde allerdings ein LKW der zum Bataillon gehörte und ein weiterer LKW wieder in Besitz genommen. Am Mannschaftswagen des Bataillons befand sich zum Zeitpunkt der Erbeutung durch den Feind die Bataillons-Standarte und die seidene Paradeflagge, die beide zusammen mit dem LKW unbeschadet zurückerobert wurden.
Kompanie B bewegt sich mit CCB am 16. April in die Gegend von Jübar, um das Gebiet vom der Task Force (Kampfgruppe) der Pz. Div. „Von Clausewitz“ zu säubern, welche die Versorgungslinien in dieser Gegend belästigt hatte.
Am 18. April richtete der 1. Zug von der B-Kompanie eine Verteidigungsstellung gegen feindliche Kräfte ein, die Berichten zufolge aus Richtung Lüdelsen kommen sollten. Der Feind wurde in den Wäldern nördlich von Lüdelsen gestellt und der 1. Zug der B-Kompanie zerstörte ein Halbkettenfahrzeug, zwei Mehrzweckfahrzeuge, einen Jagdpanzer und tötete eine unbekannte Anzahl des Gegners.
Der 3. Zug von der B-Kompanie zerstörte am gleichen Tag ein Halbkettenfahrzeug und zwei Mehrzweckfahrzeuge. Am 25. April kehrte die B-Kompanie unter die Kontrolle des Bataillons zurück."
In einem amerikanischen Bericht heißt es: "Telefonverbindungen und der motorisierte Kurierdienst zwischen dem XIII. Korps und der 9. Armee waren zwei Tage lang unterbrochen. Halb im Ernst klagten die Versorgungstruppen, dass es an der Front an der Elbe sicherer wäre als bei den rückwärtigen Teilen."
Über die Vorgänge am 17. und 18. April berichtet das 36. Panzer-Aufklärungs-Bataillon: "Diesen Kräften, die später als Teil der „von Clausewitz“ identifiziert wurden war es gelungen, die Hauptversorgungsstraße des XIII. Korps zu unterbrechen, so dass es notwendig war, alle Konvois auf eine südlichere Straße umzuleiten. Obwohl Teile der Panzerdivision 5 sich bemüht hatten, sie zu zerschlagen, war es den Nazis gelungen, sich ihnen zu entziehen und nach Süden in den Wald von Klötze auszuweichen."
Kampfabschlussbericht der 5. US-PD vom 17. April: "Feindliche Streitkräfte, welche sich entweder in den Wäldern verborgen hielten oder beim Vormarsch der Briten nach Norden südwärts entwichen waren, wurden sehr aktiv gegen die Hauptnachschub-Routen. Viele Gruppen, vor allem von denen, die eine Vielzahl von Panzern hatten, plünderten Nachschubkolonnen und wurden zu einer wachsenden Bedrohung des Hinterlandes.
Am 17. April kamen vom Korps Befehle, dass die Division in die Waldgebiete vorrücken sollte, die durch die Orte Voitze – Ehra – Knesebeck – Wittingen – Zasenbeck - Radenbeck – Forst begrenzt waren. CCA wurde mit diesem Auftrag betraut. CCB sollte währenddessen nach Osten blockieren.
Das 1. Bataillon der 335. Infanterie wurde vom CCB abgelöst und dem CCA beigefügt und die 407 RCT (Regiments-Kampfgruppe, 102. ID) abzüglich des 1. Bataillons wurde unter operativer Kontrolle des CCA gestellt. Das 1. Bataillon des 335. Infanterie-Regiments war aufgestellt in Warenholz und das 407. RCT bei Gifhorn. CCA, abzüglich des 46. Panzergrenadier-Bataillons, welches in Calvörde zurückgelassen wurde, marschierte von Calvörde über Gifhorn – Wesendorf und Hankensbüttel zu einem Sammelraum in der Gegend von Knesebeck. Der Angriff war für den Morgen des 18. April geplant. CCB mit dem angegliederten 85. Panzeraufklärungs-Bataillon errichtete Straßensperren östlich des Feindgebietes. Die F-Kompanie der 85. sperrte das Gebiet in der Gegend von Voitze – Brome und Wiswedel. Das 84. Panzer-Bataillon errichtete Straßensperren bei Radenbeck, der Hauptstraßenkreuzung zwischen Radenbeck und Zasenbeck, sowie bei Zasenbeck und Ohrdorf. Das 15. Panzergrenadier-Bataillon errichtete Straßensperren bei Suderwittingen und Wittingen und die B-Kompanie der 85. (Panzeraufklärungs-Bataillon) wurde als schnelle Eingreifreserve an der nördlichen Abgrenzung vom CCB verwendet. Der Gefechtsstand des CCB wurde nach Tangeln verlegt."
G-2 Tageslage Bericht Nr. 168 vom 18. – 19. April 1945 der 102. US-ID steht: "e. Eine Miniaturausbeulung: Es wird angenommen, dass die gesamte Truppe, die derzeit in den rückwärtigen Gebieten des XIII. Korps im Einsatz ist, aus einem Gefechtsverband mit 20 bis 25 Panzern, einer Batterie der Feldartillerie, vier 7,5 cm Selbstfahrlafetten Langrohr, zwei 7,5 cm Selbstfahrlafetten Kurzrohr, 25 bis 40 gepanzerte Halbkettenfahrzeuge, Versorgungsfahrzeuge und etwa 1000 Infanteristen besteht. Der Großteil dieser Truppe, besteht aus Einheiten der Panzer Division von Clausewitz, ist im Gebiet Diesdorf (Y 1166 – Lindhof (Y 1162 – Haselhorst (Y 0962) versammelt.
Laut Angabe des Kriegsgefangenen begab sich eine Kampfgruppe dieser Truppe, bestehend aus 4 Panzern (unbekannten Typs, wobei aber angenommen wird, dass es sich um Panther handelt), einer 8,8 cm Selbstfahrlafette, einem 8,8 cm Einheitsgeschütz und 400 Infanteristen, vergangene Nacht aus dem Gebiet Diesdorf nach Neuferchau (Y 2547), dann östlich nach Kusey (Y 2747) und Wenze (Y 3046). Im letzten Ort wurden mehrere amerikanische LKW erbeutet und die Kampfgruppe wandte sich ostwärts in Richtung Waldgebiet Klötze bei (Y 3449), das sie am späten Morgen erreichte.
Der Auftrag der Kampfgruppe ist nicht ganz klar. Ein Kriegsgefangener gab an, dass sie Klötze (Y 3253) angreifen und anschließend nach Salzwedel (Y 3078) weitermarschieren soll. Ein anderer Kriegsgefangener gab an, dass der Auftrag hieße, nach Süden zu marschieren und sich der SS-Division Wiking im Harz anzuschließen. Einem weiteren Bericht zufolge soll die Kampfgruppe unsere Nachschubwegen und rückwärtigen Gebiete in der Hoffnung stören, unseren Vorstoß nach Osten so lange zu verzögern, bis die Verteidigung an der Elbe organisiert und bemannt ist.
Ganz gleich, wie der Auftrag lautet, besagen die jüngsten Berichte, dass unsere Truppen momentan das Waldgebiet Klötze räumen. Drei Panzer und ein Halbkettenfahrzeug des Feindes wurden südlich von Schwiesau ( 3950) außer Gefecht gesetzt. Die Haupttruppe bei Diesdorf und Lindhof wurde im Laufe des Tages bombardiert und unter Granatbeschuss genommen."
Der Kampfabschlussbericht der 11. Kavallerie vom 19 April vermerkt: "Um 7.00 Uhr erschien der Regiments-Kommandeur im Gefechtsstand des XIII. Korps, um die Verlegung des Regiments in den neuen Sektor zu koordinieren. Er ließ sich informieren, dass eine große Feind-Streitmacht gemeldet worden war, geschätzt auf ungefähr: 800 Mann, 36 Lastwagen, acht 74 mm Sturmgeschütze, vier M IV-Panzer usw. Einige gezogene Artillerie-Geschütze, sowie verschiedene leicht gepanzerte amerikanische und deutsche Fahrzeuge. Diese bewegten sich in das Waldgebiet von Klötze. Ein Forst, welcher den Ort Klötze praktisch im Nordost und Südost einkreist. Ebenfalls wurde gemeldet, dass diese deutschen Streitkräfte im Verlauf der Nacht ungefähr fünf Meilen vom Korps-Gefechtsstand entfernt einige amerikanische Fahrzeuge erbeutet und das Personal auf der Nachschubstrecke gefangen genommen hatte.
Das Regiment wurde angewiesen, verstärkte Patrouillen in den Forst zu schicken, um Stärke, Zusammensetzung und Bewegung der feindlichen Streitkräfte zu erkunden, sowie die feindlichen Kräfte im Klötzer Forst zu halten, bis geeignete Schritte zu deren Eliminierung unternommen werden können.
Dem Kommandeur der 44. Schwadron wurde befohlen, dass seine Schwadron, welche sich zu dem Zeitpunkt aus der Gegend um Salzwedel nach dem Sammelraum bewegte, an allen Zugängen des Klötzer Forstes unverzüglich Straßensperren einrichten sollte. Ferner sollten Spähtrupps in das Waldgebiet geschickt werden, um Informationen über den Feind zu erhalten. Abhängig von der Tatsache, dass dieser Feind sich in unmittelbarer Nähe zum Korpsstab aufhielt, und der Regiments-Gefechtsstand noch immer in Arendsee war, wurde ein vorläufiger Regiments-Gefechtsstand beim Korpsstab aufgeschlagen. Der Regiments-Gefechtsstand wurde angewiesen, nach Neuferchau zu verlegen. Er kam dort um 16.15 Uhr an. Spähtrupps der 44. Schwadron erbrachten die Erkenntnis, dass sich der Feind im südlichen Teil der Wälder konzentrierte. Wobei er offenbar Erkundungen durchführte und Vorbereitungen für einen Durchbruch nach Süden traf.
Die Patrouillen zerstörten drei feindliche Lastwagen, töteten ungefähr 50 Feinde und nahmen an diesem Tag 64 Mann gefangen."
Die Amerikaner beginnen ihre Truppen umzugruppieren und den Klötzer Forst weiträumig abzuriegeln. Es werden mindestens zwei mit Panzern verstärkte Infanteriebataillone, zwei Panzeraufklärungs-Bataillone und zwei Artillerie-Bataillone eingesetzt.
Was die deutschen Soldaten im Wald von Klötze nicht wissen, die Stäbe des XIII. US-Armee-Korps und der 5. US-PD befinden sich ganz in ihrer Nähe. Der Korpsstab unter General-Major Alvan C Gillem lag bis zum 23. April in Klötze. Die Amerikaner bevorzugen für ihre Stäbe standesgemäße Gebäude, so ist es nicht verwunderlich, dass sich der Stab der 5. US-PD seit dem 18. April in dem erst 1943 fertiggestellten Schloss Neumühle einquartiert hat. Zuvor war man seit dem 12. April in Brunau auf dem Bauernhof Krebs eingezogen. Der Stab der 5. US-PD verlegt in den Abendstunden des 21. April nach Salzwedel in die Fallschirmjägerkaserne auf dem Fliegerhorst, um von dort die Operationen im Landkreis Lüchow-Dannenberg zu leiten. Von Salzwedel kehrten die Stabsoffiziere am 25. April wieder zurück nach Neumühle, und blieben bis zum 11. Mai. Die Stabsoffiziere waren begeistert, Zentralheizung, moderne Badezimmer, Aufzüge, Kühlschränke, großartig eingerichtete Zimmer, eine Ausstattung, wie man sie bisher in keinem Schloss vorgefunden hatte. Diesen Komfort wollte man nicht missen.
Neumühle war das jüngste Schloss Deutschlands, es wurde erst am 16. November 1942 von der Familie des Grafen Günter von der Schulenburg bezogen.
Um Platz für das VW-Werk in Wolfsburg zu schaffen, musste Graf Günter von der Schulenburg 1938 einen Teil seines Besitzes aufgeben. In zähen Verhandlungen wurde dem Grafen zugesichert, dass ihm ein neues Schloss auf einem gleichwertigen Grundstück errichtet wird. Dazu ausersehen, hatte er sich ein Gebiet im Wald von Neumühle. Der bekannte Stuttgarter Architekt Paul Bonatz wurde mit den Planungen beauftragt. Das Schloss liegt auf einer leichten Erhebung und hat die Form der Moritzburg bei Dresden. Begonnen wurde mit einer Reithalle, die während der Bauphase als Materiallager diente. Neben dem Hauptschloss mit vier Seitentürmen, entstanden Wirtschaftsgebäude, Personalwohnungen, Garagen, eine Gärtnerei und Gartenanlagen. Das geplante Schwimmbad kam nicht mehr zur Ausführung. Beim Bau wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt, den geplanten Einsatz von Zwangsarbeitern hat der Graf abgelehnt. Das Schloss sollte zum neuen Lebensmittelpunkt der Familie werden. Die umfangreiche Bibliothek, mit über 2000 Bänden, die Gemälde, Wertsachen und Möbel wurden nach Neumühle geschafft. Doch die Familie konnte nur zwei Jahre in ihrem schönen neuen Schloss verweilen.
Am 18. April zog der Stab der 5. US-PD ein, am 11. Mai wurde das Schloss an die 84. US-ID übergeben, die es Ende Mai an die Briten übergab. Im Juli 1945 kamen dann die Sowjets. Mit dem Einzug der Sowjets verließen die Schulenburgs das Schloss. Sie konnten nur zwei Drittel der Bibliothek, ein Bruchteil der Einrichtung, einige antike Möbel und 150 Gemälde mitnehmen. Das Tafelsilber und andere Wertgegenstände gelten als verschollen. Das bis dato unversehrte Schloss wurde nun durch Vandalen verwüstet. Möbel, Bücher und andere Kunstgüter wurden zerstört, gingen in Flammen auf, oder verschwanden. Die Wandverkleidungen und Möbel wurden verheizt, ein Teil der wertvollen Bücher auf dem Hof verbrannt, bis kultivierte Offiziere dem Treiben ein Ende setzten. Die noch vorhandenen Möbel und Kunstgegenstände wurden auf Panjewagen verladen und als Kriegsbeute abtransportiert. Einige der antiken Möbel tauchten im Kunsthandel und bei Besitzern in Schweden und der Schweiz auf.
Nach der Freigabe durch die Sowjets, diente das Schloss von 1948 bis 1966 als Lungenheilstätte, dann bis 1992 als Alten- und Pflegeheim. Danach stand es einige Jahre leer und wurde vom Landkreis Salzwedel zum Verkauf angeboten. Angeblich wurde das Schloss für 1 Million an einen „Investor“ verramscht.
Hanna Steinbach aus Jübar: "Im Dorf ist viel Fahrerei von amerikanischen Fahrzeugen. In der neuen Wolfsburg, bei Neumühle ist eine Kommandantur eingerichtet, daher die viele Fahrerei. In der Försterei Groß Wismar ist auch böse gehaust worden. Dort haben deutsche Offiziere gelegen. An all diesen Tagen ist herrliches Wetter."
Kurt Schwerin aus Immekath berichtet: "In den Wäldern im Dreieck Klötze – Kusey – Immekath lagen noch Truppen der Wehrmacht. Von Immekath aus feuerten amerikanische Panzer in den Wald, die Spuren waren noch Jahre später zu sehen. Ca. 50 deutsche Soldaten sind dann aus diesem Wald kommend in Immekath in Gefangenschaft gegangen. Am Tag darauf haben dann die US-Truppen 4 Schützenpanzerwagen, die von den Soldaten zurückgelassen wurden, aus dem Wald gezogen und als Zielscheiben ca. 50 m vor dem Waldrand gestellt und diese zerschossen, und zwar aus etwa 1800 m Entfernung vom Ortsrand aus. An diesem Waldrand stand noch eine 2 cm Zwillingsflak auf Drehgestell. Etwa 2 km weiter ostwärts, 1 km vor der Straße Klötze – Kusey entfernt waren stehengeblieben: 1 Sturmgeschütz (mit 16 Abschussringen am Rohr) 2 Panzer mit kürzeren Rohren, weiter 8 SPW, eine Vierlingsflak auf einem LKW-Fahrgestell, 2 Zwillingsflak auf Drehkranz, 3 leichte LKW und 2 VW-Kübel. Die Fahrzeuge machten einen guten, wenig beschädigten Eindruck. Weitere 1,5 km von diesem Platz entfernt standen weitere 4 SPW ausgebrannt auf dem Feld an der Straße Klötze – Wenze."
Manfred Lüders aus Lüdelsen weiß noch: "Vermutlich hatte die alliierte Luftaufklärung rechtzeitig die aus Richtung Molmke vorrückenden motorisierten deutschen Kampfeinheiten ausgemacht, die nach Passieren des Dorfes im Niepser Busch, etwa vom Mehmker Feld bis hin nach Gr. Wismar, Stellung bezogen. Hier waren sie nun dem Feuerbeschuss der Amerikaner ausgesetzt, der von Hanum aus über 10 km erfolgte. Die Verluste an zerschossenen Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen aller Art war erheblich. Noch nach Wochen türmten sich die Wracks besonders zu beiden Seiten des von der Chaussee in Richtung Königsgrab führenden Waldweges. Nach Tagen dieses Bombardements rollten eines Nachts die Reste der dezimierten deutschen Einheit durchs Dorf westwärts, den Neuenstaller Weg entlang. Das durchdringende Kettenquietschen der Panzer habe ich noch heute im Ohr.
Beim umgehend danach erfolgten Durchsuchen des Kampfgebietes rund um Lüdelsen wurden nach und nach 4 gefallene deutsche Soldaten geborgen.
Die Beisetzung der Gefallenen konnte in Ermangelung der erforderlichen Särge erst nach einigen Tagen ihres Auffindens erfolgen. Zwar standen in der Tischlerei meines Großvaters, Hermann Lüders sen. (1877 – 1954), immer 2 Särge in Reserve, einer davon war jedoch ein Kindersarg. Auf ein derartiges Erfordernis war eine Dorftischlerei erklärlicherweise nicht eingestellt. Bis zur Fertigstellung der noch erforderlichen Särge waren die Toten in der Leichenhalle aufgebahrt, einem kleinen Raum an der Nordseite der Kirche. Meine Großeltern hatten den Schlüssel in Verwahrung, war es doch zu jener Zeit üblich, dass der im Dorf ansässige Tischler das Einsargen der Toten besorgte. So hatte ich einmal die Möglichkeit, die Toten sehen zu dürfen. Drei der Gefallenen waren teilweise mit Decken verhüllt, nur der Leichnam des Fritz Gerbig war unbedeckt. Ihre Namen und Geburtsdaten konnten anhand mitgeführter Dokumente ermittelt werden. (Heinz Deuster geb. 14.04.1923, Fritz Gerbig geb. 26.03.1924, Wolfgang Großmann geb. 25.10.1927, der 4. Ist unbekannt) Fritz Gerbigs Todesstunde ist identisch mit dem Einzug der feindlichen Armee am 11. April über die Jübar – Lüdelsener Chaussee, denn sein Leichnam wurde im Wallweg gegenüber Klopps Busch gefunden.
Auf dem Lüdelsener Friedhof nahe der Kalksandsteinmauer fanden die 4 Gefallenen ihre letzte Ruhestätte, je mit einem Eichenholzkreuz versehen. Die Grabpflege übernahm meine Großmutter Anna Lüders (1881 – 1969), solange sie körperlich dazu in der Lage war. Die nach dem Krieg betriebenen Suchaktionen des Deutschen Roten Kreuzes führten auch in einem Fall der hier begrabenen Soldaten zum Erfolg. Seine sterblichen Überreste wurden noch vor 1951 in seine rheinländische Heimat überführt."
Der Stab der 84. US-ID hat sich im Schloss Priemern einquartiert und der Stab der 102. US-ID liegt in Gardelegen. Die 5. US-PD hat inzwischen die Elbelinie weitestgehend geräumt und die Stäbe der Kampfgruppen liegen in der westlichen Altmark. CCA in Steimke, CCR in Salzwedel und CCB in Tangeln. Die Stellungen an der Elbe werden von den Infanterie Divisionen übernommen.
Durch Aufklärung war Major Wallenberg über die Lage seiner Kampfgruppe unterrichtet. Am 18. April wird der letzte Funkspruch an General Unrein abgesetzt, danach bricht die Verbindung ab. Spätestens seit den frühen Morgenstunden des 19. April haben die Amerikaner den Klötzer Forst vollständig abgeriegelt. Das Waldgebiet wird ständig von Aufklärungsflugzeugen überflogen und mit Artillerie beschossen. Die Geschosse liegen, von den Beobachtungsfliegern gleitet, präzise im Ziel, es gibt die ersten Toten und Verwundeten.
Nur einem Leutnant, Wilhelm Schneider gelingt es zu einer versprengten Gruppe der Kampfgruppe I durchzukommen. Er ist am 17. April mit einem Sturmgeschütz und einem Kübelwagen vom Konzentrierungsraum der Division „Clausewitz“ aufgebrochen. Nach 30 km bleibt das Sturmgeschütz mit Motorschaden liegen, Schneider fährt mit dem Kübelwagen allein weiter und trifft am 18. April auf eine kleine Gruppe deutscher Soldaten im Klötzer Forst. Die Gruppe hat keine Verbindung zu Major Wallenberg. ? festgenommen und vor ein Standgericht gestellt. Man glaubt ihm die Flucht quer durch die amerikanischen Linien nicht und hält ihn für einen Spion der Amerikaner. Im Verlauf eines Feuerschlags der Amerikaner, bei dem auch der Bauernhof getroffen wird, auf dem das Standgericht tagt, gelingt ihm die Flucht vor den eigenen Leuten. Unverletzt erreicht er die Elbe und schwimmt an das rechte Ufer.
Mehrere Ausbruchversuche von einzelnen Splittergruppen scheitern an der Wachsamkeit der gut postierten Amerikaner. Eine Batterie versucht vergeblich den Forst in Brand zu setzen.
Am 20. April ordnet Major Wallenberg den Ausbruch an. Der erhoffte Entsatz durch Teile der Division „Clausewitz“ ist nicht zu erwarten und weiteres Verweilen würde nur die Zahl der Opfer durch den amerikanischen Artilleriebeschuss erhöhen. Durch Aufklärung hat man im Kessel erkannt, dass ein Ausbruch Richtung Süden und Südost wegen der starken dort stehenden amerikanischen Kräfte sinnlos ist. Leutnant Schneider ist einer der Wenigen, denen der Ausbruch aus dem Kessel Richtung Norden gelingt. In abenteuerlichen Nachtmärschen gelangt er bis zu dem Brückenkopf an der Dömitzer Brücke. Dort wird er ?
? bleibt nur die weniger gesicherte Richtung West und Südwest. Während der Befehlsausgabe erfolgt ein Feuerüberfall, Major Wallenberg wird durch Splitter schwer verwundet. Hauptmann Georg Busch übernimmt das Kommando über den Rest der Kampfgruppe. Major Wallenberg wird auf einen Kübelwagen geladen und mit einer weißen Fahne am Wagen zu den Amerikanern gefahren. Dort kommen er und der Fahrer auch an. Von dem 11. US-Kavallerie-Regiment wird die Gefangennahme des schwerverwundeten Majors bestätigt. Über das weitere Schicksal der Beiden ist nichts bekannt, allerdings wird in diesem Bericht der Vorfall etwas anders geschildert wie bei U. Saft.
Hauptmann Busch hält im Wesentlichen an dem Plan von Major Wallenberg fest. Gegen 5 Uhr des 21. April fährt ein Panzer IV mit hoher Geschwindigkeit bis zur Straße Klötze - Kusey, dort biegt er nach Süden ab, kommt aber nicht weit, er wird von einer Granate getroffen und bleibt liegen. Die Besatzung kann sich retten und geht verwundet in Gefangenschaft.
Nach diesem Vorfall ändert Hauptmann Busch die Stoßrichtung. Die verbliebenen Fahrzeuge der Kampfgruppe I überqueren die Straße in schneller Fahrt Richtung Südwest. Das an dieser Stelle eingesetzte Panzeraufklärungs-Bataillon 36 kann den Durchbruch nicht verhindern. Die Einheit hat einen Abschnitt von 10 km zu sichern und kann dem Stab nur melden, dass die Deutschen offenbar entkommen sind. Zwar sind Reste der Kampfgruppe aus dem Klötzer Forst herausgekommen, befinden sich aber nun im weniger bewaldeten Niederungsgebiet der Jeetze.
Die Amerikaner reagieren schnell und gruppieren um. Zwischen Immekath, Schwarzen Damm, Kunrau und Kusey gehen Teile das 34. US-Panzer-Bataillon und das 47. US-Panzer-Grenadier-Bataillon in Stellung. Das Panzer-Aufklärungs-Bataillon 36 sichert, unterstützt vom 771. Panzerabwehr-Bataillon zwischen Klötze und Immekath. Die 44. Schwadron sichert den südwestlichen und nordwestlichen Abschnitt, unterstützt durch das 654. Panzerabwehr-Bataillon. Die beiden Artilleriebataillone stehen weiterhin im Süden.
Die Reste der Kampfgruppe I sind vom Regen in die Traufe gekommen. Die kleinen Waldstücke bieten keine Deckung gegen die permanente Luftaufklärung der Artillerieflieger. Die amerikanischen Batterien belegen die Waldstücke mit gezieltem Trommelfeuer, was seine Wirkung nicht verfehlt. Mit erhobenen Händen kommen die deutschen Soldaten aus den Waldstücken und ergeben sich. Die 36. Schwadron und die Infanteristen vom 175. Infanterie-Regiment durchkämmen die Waldstücke. Diese Aktion ist um 17.45 Uhr abgeschlossen.
Der zerschossene Schrott steht noch einige Zeit in den Waldgebieten und an den Wegrändern. Die Beuteliste der 5. US-PD verzeichnet: 6 VW - Kübelwagen, 5 LKW, 23 Schützenpanzer, 10 Flakgeschütze auf Kettenfahrwerk, und 2 Sturmgeschütze.
Diese Zahlen verwundern, denn die Kampfgruppe I verfügte bei ihrem Aufbruch am 15. April über 24 Panzer und 18 Sturmgeschütze, zu diesen dürften noch einige Fahrzeuge der Kampfgruppe II gekommen sein, davon wird die Hälfte den Klötzer Forst erreicht haben. Stellt sich die Frage, haben die Amerikaner korrekt erfasst, wurden nur die unbeschädigten Fahrzeuge gezählt, oder ist einzelnen Gruppen der Ausbruch mit ihren Fahrzeugen gelungen?
Einer Gruppe gelingt der Ausbruch in Richtung Lüdelsen, ihre Spur ist an den vernichteten Fahrzeugen zu erkennen. Auf dem Waldweg zum Hünengrab finden sich zwei Halbketten - SPW und zwei LKW. Auf dem Acker steht ein Sturmgeschütz, welches vermutlich von einem Jagdbomber abgeschossen wurde. Alle Fahrzeuge stehen mit Fahrtrichtung Mehmke. Im Niepser Wald stehen ein SPW, LKW und ein Sturmgeschütz. Auf dem Hof der Försterei Wismar steht ein Funkauto und im Wald finden sich die Reste einer Stabseinheit. Einige Bewohner von Lüdelsen bekommen am 23. April von den Amerikanern den Auftrag, das Waldgebiet nach toten deutschen Soldaten abzusuchen.
Bereits am ersten Tag werden sieben tote Soldaten gefunden.
Heinrich Bültge aus Lüdelsen berichtet: "Am 10. April erhielt ich den Befehl mich bis zum 12. April 18 Uhr in der Stendaler Kaserne zu melden. Daraufhin fuhr ich am folgenden Tag mit dem Fahrrad nach Klötze, um die geforderten Passbilder machen zu lassen. Unterwegs begegnete ich abrückende Soldaten, die mir rieten meine HJ-Uniform auszuziehen und mich schnellstens wieder auf den Heimweg zu begeben. Ich konnte es nicht fassen, damals wurde uns doch Glauben gemacht, wir könnten den Krieg keinesfalls verlieren. Dennoch befolgte ich damals den Ratschlag und kehrte nach Hause zurück. Dort angekommen bekam ich den Auftrag beim Kartoffelpflanzen zu helfen. Wir waren auf unserem Acker zwischen Lüdelsen und Jübar, als wir über Lüdelsen ein kleines Flugzeug fliegen sahen. Dann wurden vorbeiziehende Soldaten plötzlich beschossen und einer wurde getroffen. Nun bekam ich es mit der Angst, ich hatte immer noch die HJ-Uniform an. Schnell zog ich die Jacke aus und versteckte die Klamotten unter einer unauffälligen Sträucherreihe. Die Schießerei hatte aufgehört und ich beschloss nach dem getroffenen zu schauen, er war aber schon seinen Verletzungen erlegen. Dieser und drei weitere Gefallenen liegen In Lüdelsen begraben. Meine Frau und ich kümmern uns noch heute in besonderer Weise um deren Grabpflege, als wären es Angehörige.
Am nächsten Tag ließ der Bürgermeister auf Befehl der Amerikaner alle Waffen und Ferngläser abzuliefern seien. Die Radiogeräte sollten auch abgegeben werden. Wir haben unser gutes Telefunken-Radio in der Scheune versteckt. Die abgegeben Waffen wurden von einem Panzer überrollt. Nachdem tagelang ein Waldstück bei Stöckheim unter schweren Beschuss stand, weil man dort deutsche Truppenbewegungen festgestellt hatte, verlagerte sich das Geschehen ab dem frühen Morgen des 20. April in den Wismarer Forst zwischen Neuenstall und Groß Wismar. Dort hatten sich Versprengte verschanzt, aber die Amis durchkämmten das Gebiet auf breiter Front.
Am 21. oder 22. April bekam der Bürgermeister von den Amerikanern die Anweisung, für die Bergung der verwundeten und gefallenen deutschen Soldaten zu sorgen. Auch ich wurde vom Ortsvorsteher aufgefordert, bei der Suche zu helfen. Anhand der Erkennungsmarken versuchten wir die Toten zu identifizieren. Anschließend wickelten wir sie in ihre Mäntel, brachten sie zum Waldfriedhof und gruben dort die Gräber. Die Gräber wurden nummeriert und aufgeschrieben, wer in welches Grab kam. Mulmig war mir nicht dabei. Für mich war es damals eine Ehre die Gefallen zu beerdigen. 10 Soldaten fanden auf dem Waldfriedhof bei Groß Wismar ihre letzte Ruhestätte. Gefallen waren 11, aber einer wurde von seinen Angehörigen in seinen Heimatort gebracht. 1947 wurde ein Holzkreuz mit den Namen der Toten aufgestellt. In den 1970 er Jahren wurde der noch heute stehende Grabstein aufgestellt. Die Jungs waren nur wenig älter als ich, und in Anbetracht der uns anerzogenen Sichtweise Helden."
Auf dem Waldfriedhof bei Wismar werden insgesamt 13 Soldaten und eine unbekannte Frau (Wahrscheinlich eine Nachrichtenhelferin) beerdigt.
Vitus Krimbacher, geb. 23. Mai 1927
Georg Hochheim, geb. 17. Juni 1928 in Mühlhausen
Erich Richter, Oberleutnant und Kompaniechef, geb. 15. Juli 1911
Heinz Deuster, geb. 1925 (Dieser Name steht auch auf einem der drei Kreuze auf dem Friedhof in Lüdelsen)
Philipp Sturm, 7. Mai 1927
Benno Klopotowski, 17. August 1927
Hans Kanduth
Heinz Förster, geb. 1927
Hans Fiedler, geb. 29. November 1927
Hermann Lemmen, geb. 20. Mai 1927
Eine unbekannte Frau
Nicht auf dem Grabstein genannt:
Georg Eberhardt, geb. 28. September 1925
Ernst Kögler, geb. 1924
und ein unbekannter Soldat
Alle Beigesetzten sind vermutlich zwischen dem 20. und 22. April 1945 gefallen.
Die Kampfgruppe I und II der Division „Clausewitz“ waren am Abend des 21. April vernichtet oder hatten sich ergeben. Kleinen Gruppen gelingt es sich nach Norden und Süden durchzuschlagen.
Im Kampfabschlussbericht der 11. Kavallerie vom 20. und 21. April wird über das Geschehen ausführlich berichtet.
"20. April: Der Korps-Kommandeur gab den Befehl, dass die vollständige Kavallerie in Zusammenarbeit mit dem 175. Infanterie-Regiment (29. Infanterie-Division, Generalmajor Charles H. Gerhardt) und mit der Korps-Artillerie Pläne zur Eliminierung des in den Klötzer Waldgebieten befindlichen Feindes ausarbeiten soll.
Das 654. Panzerjäger-Bataillon (abzüglich einer Kompanie) und das 771. Panzerabwehr-Bataillon wurde dem 11. Kavallerie-Regiment unterstellt. Eine Kompanie des 771. Panzerabwehr-Bataillons befand sich bereits beim Regiment, jedoch musste angenommen werden, dass die anderen Kompanien nicht vor dem folgenden Morgen ankommen würden. Das 654. Panzerjäger-Bataillon konnte in der Gegend nicht vor dem späten Abend erscheinen.
Die Kommandeure der Korps-Artillerie, des 175. Infanterie-Regiments und des 11. Kavallerie-Regiments, sowie die Kommandeure der angegliederten Panzer-Bataillone trafen sich am Nachmittag im Korpsstab, um den Plan mit dem Sicherheits-Offizier zu koordinieren.
Die Masse der 44. Schwadron und die angegliederten Panzer hatten rund um den östlichen und südöstlichen Teil von Klötze Aufstellung bezogen, da angenommen wurde, dass die Deutschen bei ihrem Versuch den Harz zu erreichen, hier durchbrechen würden. Die 36. Schwadron, inzwischen am Vormittag von ihrer Aufgabe in der Gegend von Arendsee abgelöst, nahm Aufstellung an der nordöstlichen und südwestlichen Seite des Klötzer Forstes.
Der Plan zur Säuberung des Forstes forderte vom 11. Kavallerie-Regiment, den Feind im Wald zu halten, indem die Masse der Streitkräfte am südlichen Außenbereich aufgestellt wurde. Das 175. Infanterie-Regiment wurde durch die Korps-Artillerie unterstützt. Der Angriff sollte am 21. April um 10.00 Uhr beginnen. Bei der Konferenz war man sich einige, dass der Plan nur gelingen kann, wenn man den Feind täuscht und überrascht. Falls nämlich der Feind vor Tagesanbruch des 21. April die Initiative ergreifen und mit Gewalt aus dem Wald auszubrechen versuchen würde, würde er unzweifelhaft erfolgreich sein. Denn durch die Tatsache, dass das Kavallerie-Regiment den gesamten Forst umzingelt hatte, waren seine Linien zu schwach, um einen gewaltsamen Ausbruch zu verhindern.
Die Patrouillen beider Schwadronen arbeiteten sich durch die Wälder; töteten fünf Feinde, nahmen 95 Mann gefangen und befreiten sieben amerikanische Soldaten, sowie 20 alliierte Kriegsgefangene im Verlauf des Tages.
21. April: Während der Nacht versuchten viele kleine Gruppen der Feinde den Forst zu verlassen und die meisten von ihnen wurden von unseren Posten aufgegriffen. Der Kommandeur der Kampfgruppe, Wallenberg, wurde bei einem Versuch, ihn schwer verwundet aus dem Wald zu evakuieren gefangengenommen.
Währenddessen hatte eine starke feindliche Kampfgruppe (Kampfgruppe III der PD „Clausewitz“) bei Lessien (Ehra Lessien) die Nachschublinien unterbrochen. Lessien befindet sich 20 Meilen westlich.
Ungefähr um 3.00 Uhr meldete die 36. Schwadron Fahrzeuggeräusche im südwestlichen Waldesteil, wobei die vorbereitete Artillerie angefordert wurde, konzentriertes Feuer auf das betroffene Gebiet zu legen. Später wurde dann festgestellt, dass die Feuerkonzentration sehr wirkungsvoll gewesen ist.
Um 5.00 Uhr bewegte sich ein feindlicher M IV-Panzer in schneller Fahrt aus der südwestlichen Ecke des Waldes heraus und wurde sofort von unseren Posten unter Feuer genommen. Der Panzer fuhr in südöstlicher Richtung und er blieb dann brennend auf der von Kusey nach Röwitz führenden Straße stehen. Alle Besatzungsmitglieder verließen den Panzer und nachdem sie von unseren Männern aufgegriffen worden waren, stellte sich heraus, dass sie alle verwundet waren.
Kurz darauf kam die gesamte feindliche Kampfeinheit aus der westlichen Hälfte der Wälder in dichter Kolonne heraus und überquerte die Kusey-Klötzer Straße. Sie wurden von unseren Posten unter Feuer genommen und mehrere deutsche Fahrzeuge wurden zerstört.
Die deutsche Kampfeinheit bewegte sich jedoch schnell über die Straße und unseren schwachen Posten war es nicht möglich, deren Bewegung in die Wälder westlich der Straße zu verhindern.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich eine Zweiergruppe vom Regiments-Stab in der Gegend, um nach einer Unterbrechung der Telefonleitung zu suchen. Es waren die beiden Gefreiten George J. Eck und Nick R. Gumm. Sie hatten die Geistesgegenwart, ihr Feldtelefon an die Leitung anzuschließen und den Durchbruch umgehend dem Regimentsstab zu melden. Hauptmann Herbert S. Tinstman in dessen Abschnitt der Durchbruch stattfand, wurde angewiesen, den Kontakt mit der deutschen Streitmacht aufrechtzuerhalten. Oberst Frierson wechselte hinüber zum Gefechtsstand der 36. Schwadron. Er stellte fest, dass das Regiment über die Lage viel besser informiert war, als das von der 36. Schwadron gemeldet worden war. Er übernahm das Kommando und ordnete die sofortige Aufstellung einer Ziel-Kampf-Einheit an, welche in die Gegend von Immekath verlegt wurde und die Immekath-Klötzer Straße sperren sollte, um dadurch einen Ausbruch des Feindes in diese Richtung zu verhindern und um den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten. Der Kommandeur des 654. Panzerjäger-Bataillons wurde angewiesen, seine Panzer an mehreren Punkten entlang den südwestlichen und nordwestlichen Waldrändern zu postieren.
Der Kommandeur des 771. Panzerabwehr-Bataillons wurde angewiesen, seine Panzer an gewissen Stellen der Immekath-Klötzer Straße, am nördlichen und nordwestlichen Waldrand aufzustellen. Gleichzeitig sollte er an den drei Klötzer Zugangsstraßen von Westen Panzer aufstellen.
Als gemeldet wurde, dass unsere Ziel-Kampf-Einheit und die Panzer in Stellung lagen, da wurde die Korps-Artillerie angefordert.
Sie legte eine schwere Feuerkonzentration auf das Gebiet im Wald, in dem sich die feindlichen Streitkräfte aufhielten. Die Korps-Artillerie schoss mit ihrer gesamten schweren Artillerie in die Wälder und innerhalb kurzer Zeit strömt die vollständige deutsche Streitmacht mit erhobenen Händen aus dem Wald heraus. Der Artilleriebeschuss wurde für 30 Minuten fortgesetzt. Danach wurde die Ziel-Kampfgruppe der 36. Schwadron angewiesen, den Wald zu säubern.
Bei der Säuberung wurde festgestellt, dass die Deutschen folgende Fahrzeuge im Wald zurückgelassen hatten: 23 LKW’ s zur Personenbeförderung, sechs LKW‘ s mit mehrläufigen 20 mm Flak-Geschützen, drei M IV – Panzer, acht Schützenpanzer, zwei 75 mm Sturmgeschütze, vier gezogene 20 mm Flak-Geschütze, sechs Volkswagen sowie verschiedene andere gepanzerte Fahrzeuge.
Das 175. Infanterie-Regiment bewegte sich planmäßig durch den Forst und trieb verschiedene Versprengte heraus, welche von der 44. Schwadron aufgegriffen wurden.
Um 17.45 Uhr beendete die Infanterie ihre Säuberungsaktion der ausgedehnten Wälder, ohne irgendwelche großen Kräfte des Feindes vorzufinden. Somit stand fest, dass die in den Wäldern am Morgen vernichteten Streitkräfte die Hauptmacht des Feindes gewesen waren. Diese vervollständigte die Auflösung der Clausewitz-Division.
General Gillem besichtigte am Nachmittag den Regiments-Gefechtsstand und äußerte sich außerordentlich anerkennend über die Art, wie die Situation am Morgen gepackt worden war."
Zusatz zum Tageslagebericht Nr. 88 vom 21. April 1945 der 11. Kavallerie:
"Nachrichten-Report: Die Befragung von Kriegsgefangenen im Verlauf der Periode ergab eine interessante Erkenntnis in Hinsicht auf die Formation, Bewegung, Zusammensetzung, Stärke und letzte Auflösung der im Klötzer Forst eingeschlossenen Kampfeinheiten.
Die im Kessel verbliebenen Truppen waren hauptsächlich Angehörige der Kampfgruppen Feldherrnhalle, Clausewitz und Wallenberg (später Wollenschlager). Die Kampfeinheit war vor sechs Tagen von Uelzen südöstlich vorgestoßen, mit dem Auftrag, sich den eigenen Linien in der Gegend von Magdeburg anzuschließen. Und unsere Nachschub- und Kommunikationslinien zu unterbrechen.
Ihr unentdeckter Vormarsch nach Süden wurde durch die Tatsache ermöglicht, dass in der gerade beendeten Operation des XIII. Korps unsere Truppen direkt zum Westufer der Elbe vorstießen, während jene an unserer Nordgrenze bei Uelzen (VIII. britisches Korps) auf starken Widerstand trafen und in solch einem Umfang aufgehalten wurden, dass sich ein Spalt zwischen den Kampftruppen des XIII. Korps und dem VIII. britischen Korps bildete. Eine breite unbesetzte Route nach Südost, mit häufigen dichten Wäldern und einem ausgedehnten Netz von zweitrangigen Straßen waren unentdeckt vom Feind benutzt worden. Durch nächtlichen Marsch, Vermeidung von Kommunikation und Meiden der Hauptstraßen, war der Feind in der Lage mit entsprechend angepassten Konvois auf nachfolgend genannter Route bis in den Forst Klötze zu gelangen.
Esterholz – Häcklingen – Stöcken – Forst Knesebeck – Brome – Neuferchau – Quarnebeck – und dann nordöstlich in den Forst Klötze.
Verluste, bedingt durch Fahnenflucht und seltene Zwischenfälle unterwegs, wurden mehr als ausgeglichen durch zahlreiche Versprengte. Der Vormarsch nach Süden war gekennzeichnet durch kleine Raubüberfälle auf unsere Nachschub- und Verbindungslinien. Die Natur des Auftrags und die Zusammensetzung der Kampfgruppen zusammen mit Treibstoffmangel machten es erforderlich abgedeckte Zwischenhalte einzulegen, bevor sie weiterzogen und der Marsch im Forst Klötze endete.
In der Nacht zum 19. April hatte die Kampfeinheit ihre Spitzenstärke erreicht. Durch den in der Nacht und dem folgenden Tag ausgeübten Druck auf den Kessel, war die Kampfeinheit gezwungen weiterzuziehen. Der plötzliche Versuch aus dem Kessel am Morgen dieses Tages auszubrechen, war das logische Ergebnis.
Bis zur letzten Nacht um 23.00 Uhr wurde die Kampfeinheit von Major Wallenberg kommandiert, der bei der Evakuierung mit einem Sankra gefangen genommen wurde, nachdem er von den eigenen Truppen angeschossen wurde und schwer verwundet worden war.
Er wurde abgelöst im Kommando durch Major Wollenschlager, der offenbar die frühzeitige Zerstreuung seiner Kampfeinheit vorzog, da er die Weisung gab, dass im Falle eines Angriffs überlegener Kräfte sich kleine Gruppen von 4 oder 5 Mann bilden sollten, die südlich in die amerikanischen Linien einsickern sollten, um dann ihren Weg zur Autobahn und Magdeburg zu nehmen. Forst Flechtingen wurde von zwei Kriegsgefangenen als möglicher Sammelpunkt erwähnt.
Die gesamte Zahl von Leuten der Waffen-SS, die von unseren Einheiten erwischt wurden, war nicht größer als 25 Mann, welche unter dem Separaten Kommando des Obersturmführers Wolf standen. Obersturmführer Wolf befahl seinen Leuten, anstatt Major Wollenschlagers Weisung zu folgen, sich nach Nordost in Richtung Dömitz durchzuschlagen, um die Elbe zu überqueren. Sie sollten Kontakt zu Ortsgruppenleitern aufnehmen, die dann in der Lage sein würden, sie mit Informationen und Verpflegung zu versorgen, was ihnen helfen würde, zu den deutschen Linien zurückzufinden. Obersturmführer Wolf wurde gefangen genommen.
Die Anwesenheit einer anderen Kampfeinheit irgendwo in der Korps-Zone ist möglich. Angezeigt ist diese Vermutung durch die heutige Aussage eines Gefangenen. Er berichtet, dass als seine Kampfgruppe „Feldherrnhalle“ von Uelzen abmarschierte, eine andere Kampfeinheit, deren Namen er nicht wusste, vermutlich mitgezogen ist. Aber nach seinem Wissen, hätte sie sich bis zu seiner Gefangennahme nicht sehen lassen, und er hätte keine Kenntnis von ihrem derzeitigen Aufenthaltsort.
Die erste Informationsquelle dieser Truppe waren Zivilisten. Aber die Tatsache, dass diese Informationen, die sie erhielten, gewöhnlich 8 – 10 Tage alt waren, zeigt den Zustand der deutschen Kommunikation und des Ausmaß an genauen Informationen.
Während des Sammelns der Kampfeinheit im Forst Klötze wurden durch unsere Soldaten schon eine Anzahl Gefangene eingebracht, die bei Verhören beträchtliche Informationen lieferten. Heute, nachdem der Kessel gesäubert ist, wurden verschiedene Punkte dieser Informationen überprüft, insbesondere auf die gemeldete Anzahl und Typen der Fahrzeuge an unterschiedlichen Orten. Die Angaben wurden mit den auf dem Schlachtfeld festgestellten verglichen, und es wurde festgestellt, dass die Informationen generell richtig waren."
Über den Einsatz des 771. Panzerabwehr-Bataillons im Rahmen des 11. Panzeraufklärungs-Regiments steht im Kampfabschlussbericht: "Am 20. April gab es keinen Positionswechsel der A- und C-Kompanien, allerdings wurde die Position der an die 11. Kavallerie (11. Panzeraufklärungs-Regiment) angeschlossenen B-Kompanie verschoben. Ein Zug war in der Gegend Trippigleben, einer in der Gegend Kusey und ein Zug verblieb in der Gegend Neuferchau mit dem Regimentsgefechtsstand. Alle Züge wurden genutzt um Straßensperren zu errichten.
Ab 18.00 Uhr wurde das gesamte Bataillon an die 11. Kavallerie angeschlossen. Die B-Kompanie wurde der 44. Schwadron zugeordnet und die C-Kompanie der 36. Schwadron. Die A-Kompanie verblieb bei der 5. Panzer-Division, welche wiederum die Kompanie an die 202. Feldartillerie-Gruppe (FA-Gruppe) anschloss. Erster Zug zum zweiten FA-Bataillon, zweiter Zug zum 561. FA-Bataillon und dritter Zug zum 261. FA-Bataillon. Die Aufgabe bestand darin, die Artillerie-Bataillone vor feindlichen Angriffen zu schützen. Am 21. April verließ der Bataillonsgefechtsstand um 09.00 Uhr Stöckheim um sich der 11. Kavallerie in Neuferchau anzuschließen. Der Bataillonsgefechtsstand eröffnete um 10.30 Uhr in Neuferchau. Die C-Kompanie errichtete ihren Gefechtsstand in der Gegend Kusey. Erster Zug in der Gegend 312538 (Ausgang Klötze Richtung Kusey), zweiter Zug 276529 (Ausgang Immekath Richtung Kusey) und 317537 (Ausgang Klötze Richtung Kusey). Der dritte Zug verblieb in Kusey. Straßenblockaden wurden an allen genannten Standorten errichtet. Die B-Kompanie hatte einen Zug in der Gegend Trippigleben und zwei in der Gegend Neuferchau.
Um 12.30 Uhr erfolgte eine Verschiebung der Positionen: der erste Zug der B-Kompanie deckte das Gebiet Trippigleben und Jeggau ab, ein Zug der C-Kompanie deckte das Gebiet von Wenze nach Trippigleben ab. Sechs M-36 von der C-Kompanie verblieben in der Gegend von Klötze. Zwei B-Züge der Kompanien verblieben in Neuferchau.
Die A-Kompanie welche der 202. Feldartillerie-Gruppe angeschlossen ist, verlegte nach Salzwedel und errichtete an folgenden Orten Straßensperren.
1. Zug erster Bereich: 314750 (Sienau), zweiter Bereich: 295750 (Warthe)
2. Zug erster Bereich: 345770 (Salzwedel Ausgang Pretzier), zweiter Bereich: 318770 (Ausgang Perver R 71)
3. Zug erster Bereich: 292780 (Salzwedel Ausgang Gr. Gerstedt), zweiter Bereich: 280750 (Kemnitz)
Kompaniegefechtsstand: 345765 (Flugplatz)
Ab 18.00 Uhr war das Waldgebiet rund um Klötze (nach Norden, Nordosten, Osten, Südosten und Süden) von jeglichem feindlichen Widerstand bereinigt. Die B- und C-Kompanien riefen alle Züge zurück, um sich in der Gegend des jeweiligen Kompaniegefechtsstandes zu sammeln.
Die B-Kompanie errichtete Straßensperren zum Schutz des Gefechtsstands der 11. Kavallerie und des Bataillonsgefechtsstands in und um Neuferchau.
Am 22. April verblieben die B- und C-Kompanien in ihren Positionen. Die A-Kompanie schloss ihren Gefechtsstand um 15.00 Uhr und eskortierte die FA-Bataillone der 202. FA-Gruppe in die Gegend von Lüchow.
25 – 26. April: Alle Kompanien setzten Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten fort und hielten Kontrollen aufrecht.
Am 26. April erging vom XIII. Korps an das Bataillon der Befehl, dass das Bataillon wieder unter die Kontrolle der 102. Infanterie-Division zurückkehren wird."
Die zweite Kampfgruppe (Kampfgruppe II) welche sich ebenfalls Nordost von Uelzen gesammelt hat, marschiert am 16. April los.
Sie besteht aus einer verstärkten Panzerkompanie mit 12 Panzern, einem verst. Schützenbataillon mit LKW und einer Schützenkompanie mit SPW. Diese Kampfgruppe nimmt den direkten Weg über Wittingen Richtung Brome.
Teile dieser Kampfgruppe sollen kurz vor dem Durchbruch der Kampfgruppe I durch den ersten Sperrriegel der 5. US-PD auf diese gestoßen sein und haben sich Major Wallenberg angeschlossen. Auf Grund der hohen Zahl von Gefangenen, die die 5. US-PD am 16. April einbringt, ist davon auszugehen, dass sich der überwiegende Teil der Kampfgruppe I und II ergeben haben.
Allgemein ist die Lage im Raum Bergen, Henningen, Dähre, Diesdorf und in den Waldgebieten südwestlich von Wittingen - Brome vom 16. bis zum 18. April sehr unübersichtlich. In den kleineren Orten, abseits der Hauptstraßen, tauchen immer wieder deutsche Kolonnen auf.
Die 5. US-PD verlegt ganze Kampfkommandos in dieses Gebiet. Es kommt zu Gefechten mit amerikanischen Streifen oder Besatzungen in den Orten. Kuriere werden abgefangen und Fernsprechleitungen unterbrochen, der Nachschubverkehr wird empfindlich gestört. In Diesdorf trifft eine amerikanische Streife auf eine starke deutsche Einheit. Die Amerikaner müssen ihren Spähwagen und die Waffen abgeben, werden dann aber laufen gelassen. Die deutschen Soldaten wollen sich nicht mit den Gefangenen belasten.
Kampfabschlussbericht der 5. US-PD vom 21. April: "CCB mit dem 85. Panzeraufklärungs-Bataillon setzte die Säuberung des Klötzer Forstes fort. Viele ausgebrannte feindliche Fahrzeuge wurden zusammen mit anderen, die offenbar aufgegeben worden waren, vorgefunden. Das Kampfkommando unterhielt weiterhin seine Straßensperren an der westlichen Grenzlinie im Gebiet von Wittingen – Zasenbeck – Radenbeck und hatte Kontakt mit der 29. Infanterie-Division zum Norden. Der Divisionsgefechtsstand wurde in Salzwedel eingerichtet und alle Einsätze der Division wurden von dort aus geleitet.
Die Divisions-Artillerie verrichtete wie üblich ihre wirkungsvolle Unterstützung und die Auflösung und Zersprengung der feindlichen Einheiten bewies die Wirksamkeit des Artilleriefeuers.
Feindverluste: 650 Gefangene und 159 Getötete.
Material erbeutet oder zerstört: 14 Panzer, 4 Panzerwagen, 9 Halbkettenfahrzeuge, 2 Geschütze auf Selbstfahrlafette (1 X 75 mm, 1 X 105 mm), zwei 88 mm Pak-Geschütze, vier 105 mm Geschütze, zwei 20 mm Flak-Geschütze, 72 unterschiedliche Fahrräder, ein Kraftstofflager mit 150 Fässer zu 50 Gallons (1 Gallone = 3,75 Liter)."
Anmerkung: Die Verlustzahlen gelten für die gesamte Division, welche am 20. April den Angriff auf das Wendland begonnen hatte.
Wilhelm Hartmann aus Kunrau erinnert sich: "Mittwoch 11. April 1945, gegen 14 Uhr ist es soweit! Die Amerikaner stehen vor Kunrau. Panzerkanonen schießen mit trockenem Knall. Die Feldscheune des Rittergutes am Germenauer Feld steht in Flammen, auf der breiten Straße vor Wendts steht ein Militärfahrzeug in Flammen. Es gibt Tote und Verwundete. Kurz darauf fuhren viele, viele Panzer, Schützenpanzerwagen, Lastwagen mit Infanterie durch Kunrau nach Neuferchau. Von Böckwitz bis Klötze stießen sie auf keinen nennenswerten Widerstand.
Nach einigen Tagen relativer Ruhe hörten wir Kanonendonner in nordwestlicher Richtung (Forst Heidau, Brome) und sahen schwarze Rauchwolken in den Himmels steigen. Das muss so um den 16. oder 17. April gewesen sein. Am Abend kam Herr Langnese und informierte uns und die Nachbarn, nicht schlafen zu gehen, denn in den frühen Morgenstunden würden unsere Truppen Kunrau wieder besetzen. Als der Morgen graute, fiel kein Schuss und kein deutscher Soldat rückte in Kunrau ein.
Dann kamen starke amerikanische Kräfte von Neuferchau zurück. Ein Teil besetzte das Kunrauer Feld mit Front gegen den Fuchsberg. Andere Einheiten fuhren in Kunrau ein und in Richtung Schwarzendamm weiter.
In der besagten Nacht hatten deutsche Truppen den Fuchsberg besetzt. Das Gros der Truppe war aus dem Bromer Raum gekommen. Sie fuhren auf dem Alt-Jübarer Weg nördlich an Rappin vorbei nach Neuferchau. Nach kurzem halt fuhren sie auf dem Wenzer Weg in den Klötzer Forst. Östlich der Straße Kusey – Klötze bezogen sie um Döllnitz herum Stellung. Für die amerikanischen Truppen bildeten sie eine Gefahr. Besonders der Nachschub auf der Straße Kusey – Klötze war gefährdet. Daraus zog die amerikanische Truppenführung ihre Konsequenzen und zog Einheiten zur Umstellung der Forst zusammen.
US-Artillerie, die hinter Klötze stand, beschoss Ziele in der Forst. Dabei wurde das Forsthaus Döllnitz zerstört.
In der Nacht zum 21. April 1945 setzten sich die deutschen Einheiten in Richtung Westen (Zißberg) in Bewegung. Sie überquerten am Bahnübergang und nördlich davon die Straßen Klötze – Wenze – Kusey.
Ein deutscher Panzer sicherte neben einer Spargelbude am Streckengleis die Flanke der Truppen. Der Panzer wurde später von den Amerikanern vernichtet. Als die deutschen Truppen den Zißwald in Richtung Westen verlassen wollten, gerieten sie in starkes Artilleriefeuer. Der Ausbruch scheiterte und blieb im Feuer liegen. Das war das Ende der deutschen Kampfgruppe.
Die amerikanischen Verbände, die den Fuchsberg umstellt hatten, waren abgezogen, denn die den Fuchsberg verteidigenden deutschen Soldaten hatten sich am 21. April ergeben. So bat mich unser Nachbar Herr Langnese, der dort Acker hatte, mit ihm und seinem Kuhgespann dorthin zu fahren und Kartoffel zu pflanzen. Wir wollten vor einigen Tagen schon mal hin, da aber hatten uns die amerikanischen Soldaten an der Ausfahrt von Kunrau gehindert. Herr Langnese war sauer, seine Kartoffeln mussten rein, denn sonst hätte er eine schlechte Ernte. Das Feld grenzt direkt an den Wald des Fuchsberges. Schon am Waldrand zur Straße hin waren die ersten Schützenlöcher, natürlich unbesetzt. Als wir um die Waldecke kamen, sahen wir getarnte Schützenpanzerwagen, zwei brennende LKW, einige Geschütze und überall ausgehobene Deckungslöcher. Wir sahen aber keine Menschenseele und glaubten jeden Augenblick würden die Soldaten wieder kommen und mit ihren Fahrzeugen wegfahren. Überall lagen Waffen und Munition herum. Aber wir waren nicht im Märchen, denn Richtung Schwarzendamm schoss Artillerie, man hörte sogar die Detonationen. Das Schießen wurde stärker und in großer Eile pflanzten wir unsere Kartoffeln. Denn man weiß nicht, ob die Artillerie auch bei uns nochmal hinein schießen würde. Wir fanden noch Packungen mit Knäckebrot, Dosenwurst und eine Kiste mit Butter.
In meiner Erinnerung können es 10 Schützenpanzerwagen, einige Geschütze, 1 Panzer und LKWs gewesen sein. Ein deutscher Soldat ruhte in seinem Soldatengrab. Er wurde später auf dem Fridhof in Neuferchau umgebettet."
Die Kampfgruppe III beginnt mit dem Durchbruch
Bis zum 18. April ist die Aufstellung der Kampfgruppe III, bestehend aus der verstärkten Panzerkompanie ausgerüstet mit Panzern der Typen P IV, „Panther“-Panzern (P V) und den beiden „Tiger“ Panzern (P VI), einer verstärkten Panzeraufklärungskompanie, einer Panzer-Pionierkompanie, 2 mot. Schützenbataillone, ausgerüstet mit SPW und LKW, 1 Fla Zug mit 2 cm Vierling auf Selbstfahrlafette, einigen Sturmgeschützen und dem Tross mit LKW und Kübelwagen, abgeschlossen.Die Kampfgruppe III marschiert am 18. April aus ihrem Sammelraum bei Rosche ab und die an der Spitze marschierende Panzerkompanie des Major von Benningsen erreicht gegen Mitternacht das Waldgebiet zwischen Bonese, Dähre, Diesdorf. Hinter den Panzern folgt der Divisionsstab mit General Unrein und dem Kommandeur des XXXIX. Panzerkorps, General Decker, der in einem SPW „Puma“ fährt. Für General Decker hat es keine taktische Notwendigkeit gegeben, sich dem Stab der Division „Clausewitz“ anzuschließen. Noch war die Aufstellung des XXXIX. Panzerkorps nicht abgeschlossen, es fehlten noch Einheiten der Division „Schlageter“ und der 84. ID. Das nächste Marschziel war das Waldgelände südlich von Wittingen. Die Amerikaner waren durch Beutekarten und Gefangenenaussagen darüber informiert, dass noch weitere Kampfgruppen unterwegs sind, sie hatten inzwischen erneut umgruppiert und die aus der Elbelinie gelösten Einheiten des Kampfkommandos B der 5. US-PD warten auf die Kampfgruppe III. Diese wechselte gegen 3.00 Uhr des 19. April in den von den Amerikanern als Panzersack ausgebauten Geländeabschnitt zwischen Waddekath, Haselhorst, Hanum, Jübar, Bornsen. Unter geschickter Ausnutzung des waldreichen Geländes hatten die Amerikaner ihre Panzer, Infanterie, Pack und Artillerie so postiert, dass alle dort eindringenden Kräfte aufgehalten und vernichtet werden konnten.
Jürgen Bornhuse aus Hanum: "Als wir am frühen Morgen (18. April) zur Straße schauten, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Der Engelberg war rundherum mit Panzern und anderen amerikanischen Fahrzeugen zugefahren. (U.A. der 3. Zug der C-Kompanie vom 771. Panzerabwehr-Bataillon) Die große Kreuzung in Hanum war auch von Panzern besetzt. Ein Panzer stand vor Schröders, einer vor dem Schulgebäude und einer vor Meineckes. Außerdem waren bei Werner Schröder am Gehöft, also am Nordrand des Dorfes, amerikanische Geschütze in Stellung gegangen."
Am 23. April erbeuten Soldaten der 102. US-ID (407. Infanterie-Regiment) bei einem gefangengenommenen Offizier nachfolgendes Dokument:
"In dem ausgedehnten Waldgelände, nördlich von Haselhorst reizt die Kolonne der Kampfgruppe III auseinander, Teile verfahren sich in der stockdunklen Nacht und müssen auf engen Waldwegen wenden. Die Panzerkompanie verschwindet, bis auf einen Panzer vom Rest der Kampfgruppe. Bei Anbruch der Morgendämmerung erreicht die Kolonne das mit Waldstücken stark umgebene Lindhof. Wenn man jetzt weiter in Richtung Hanum oder Jübar gefahren wäre, wäre die Kolonne genau in den Panzersack der Amerikaner geraten. Ohne Kenntnis vom amerikanischen Abwehrriegel dreht die Kampfgruppe III vor Lindhof nach Westen ab und entgeht so vorerst der sicheren Vernichtung. Sie trifft allerdings in Haselhorst auf den linken Flügel der amerikanischen Abwehrstellung. Durch Packbeschuss geht der vorausfahrende, einzige Panzer verloren. Die gefallenen deutschen Soldaten sind auf dem Friedhof in Haselhorst beigesetzt.
General Unrein lässt daraufhin die Einheiten der Kampfgruppe in dem Waldgelände südlich Lindhof unterziehen. Zeitgleich werden Aufklärer ausgeschickt, deren Meldung ernüchternd ist. Ohrdorf, Hanum, Jübar und Bornsen sind von starken Feindkräften besetzt, das Gelände abgeriegelt. Bei Ohrdorf und Bornsen sind amerikanische Batterien in Stellung gegangen. Von der Panzerkompanie fehlt noch immer jede Spur, dabei befindet sie sich ganz in der Nähe des Generals."
Die Amerikaner sind besser informiert: Im Tageslagebericht der 5. US-PD ist zu lesen: "Um 5.30 Uhr kamen Meldungen von der Kampfgruppe B, die Aussagen, daß feindliche Fahrzeuge von Norden in das Gebiet eingedrungen waren, eine Gruppe wurde südlich von Haselhorst und eine andere südlich von Lindhof gemeldet."
Bei den südlich von Haselhorst gemeldeten deutschen Soldaten konnte es sich nur um die verlorene Panzerkompanie des Major von Benningsen handeln. Dieser hatte aus seinem Versteck den gescheiterten Vorstoß der Kolonne des General Unrein auf Haselhorst beobachtet und handelt umgehend.
Die amerikanische Packstellung hatte ihren Standort verraten und wird von der deutschen Panzerkompanie überraschend angegriffen. Einen Teil seiner Panzer lässt von Benningsen als Sicherung am Waldrand zurück, der Rest fuhr mit Höchstgeschwindigkeit auf das Dorf zu. Die Amerikaner in Haselhorst hatten keine Chance, sie wurden überrollt. Ehe die Geschützbedienungen ihre Kanonen in Richtung der angreifenden Panzer in Stellung bringen konnten, krepierten die Panzergranaten zwischen den Pak Geschützen. Zurück bleiben zerstörte Geschütze, tote und verwundete amerikanische Soldaten.
Bei dem Gefecht wird mindestens ein amerikanischer Panzer vernichtet. Mit der Einnahme von Haselhorst war der amerikanische Abwehrriegel aufgebrochen und der Weg nach Suderwittingen frei. Nun folgen auch die am Waldrand sichernden Panzer. Von Benningsen sammelt seine Panzerkompanie im Wald zwischen Lindhof, Waddekath und Haselhorst. Dort wartet er ungeduldig auf den Rest der Kampfgruppe III, er weiß, die Zeit arbeitet gegen ihn.
Trotz des Erfolges seiner Panzer, scheint General Unrein über das eigenmächtige Vorgehen von Benningsen nicht erfreut gewesen zu sein. Nach dem Krieg schreibt er: "Die vermissten Panzer griffen, selbständig und ohne mich zu benachrichtigen, an und sammelten nach Wegnahme von Haselhorst wiederum selbständig im Wald südlich Bergmoor."
Statt den Erfolg der Panzer sofort zum Durchbruch zu nutzen, lässt General Unrein wertvolle Zeit vergehen. Gegen 8.00 Uhr erscheint über dem Waldgebiet, in dem die Einheiten der Kampfgruppe untergezogen sind, ein amerikanischer Artillerieflieger und lenkt das Feuer von drei Batterien (Stellungen bei Heidberg, Bornsen und Ohrdorf. Ein Artilleriebeobachtungsposten der Amerikaner befindet sich auf dem Scheunendach des Bauern Munter in Bornsen) auf die untergezogenen Kolonnen.
Innerhalb kürzester Zeit waren 30 bis 40 Mann ausgefallen und viele Fahrzeuge zerstört. Die Amerikaner zählen 55 zum Teil zerstörte Fahrzeuge. General Unrein gibt den Befehl zum Ausbruch in kleinen Gruppen, Ziel ist das Waldgebiet, in dem die Panzer untergezogen sind.
Diese Bewegung gelingt unter dem anhaltenden amerikanischen Beschuss nur bedingt, einzelne Gruppen verfahren sich. Nach kurzem Feuergefecht mit den in Lindhof liegenden Amerikanern wird das Dorf gegen 10.00 Uhr teilweise eingenommen. In Lindhof kommt es zu Schäden an Gebäuden, Stallungen und Scheunen geraten in Brand, Vieh kommt um. Die Bewohner flüchten in die Keller.
Während am Nordausgang des Dorfes, Richtung Diesdorf, einige Deutsche gefangengenommen werden, gelingt einem Teil der Einheiten der Durchbruch in den Wald nördlich von Lindhof. Vier deutsche Soldaten werden später in dem Waldgebiet gefunden und in Soldatengräbern bestattet. Es ist nur der Name eines Soldaten bekannt. Das Grab von Josef Brenner wird, wie alle anderen von den Bewohnern liebevoll gepflegt. Ein Soldat, der im Dorf am Grundstück Wiswinkel gefallen ist, wurde auf dem Friedhof beigesetzt.
Die Gefechte in und um Lindhof ziehen sich über mehrere Stunden hin. Teile des Divisionsstabes und versprengte Gruppen werden noch im Wald von Lindhof, von aus Hanum vorgehender Infanterie gefangen genommen. Auf dem Friedhof in Hanum sind sechs deutsche Soldaten in ansprechenden Soldatengräbern bestattet. Vier gehörten zu einer SPW Besatzung, die in Hanum aufklären sollte. Nachdem sie von den Amerikanern bemerkt wurden, fährt der SPW mit hohem Tempo Richtung Lindhof. Eine amerikanische Granate trifft das Fahrzeug nach wenigen Metern. Zwei Mann der Besatzung sind sofort tot, die Anderen werden bei dem Versuch, das Fahrzeug zu verlassen erschossen. Zwei weitere fallen im Ort. Ein weiterer deutscher SPW bleibt auf dem Sportplatz liegen.
Jürgen Bornhuse: "Am 19. April kam ein amerikanischer Panzerspähwagen aus Richtung Haselhorst-Lindhof in das Dorf bis fast auf die Kreuzung gefahren, besetzt aber mit deutschen Soldaten, die das Feuer eröffneten auf die Amerikaner und zurück in Richtung Haselhorst fuhr. Kaum waren sie aus Hanum heraus, wurden sie von einem Volltreffer erwischt. Zwei Soldaten aus dem Fahrzeug sollen sofort tot gewesen sein, und zwei Soldaten wurden auf der Flucht erschossen. Alle vier sind auf dem Friedhof in Hanum beigesetzt. Zwei weitere Soldatengräber wurden dann noch in Richtung Lindhof im Wald gefunden und zum Friedhof hin umgebettet.
Im Kampfabschlussbericht des 771. Panzerabwehr-Bataillons steht: "Um 18.00 Uhr am 17. April bekam das Bataillon vom XIII. Korps einen Anruf indem das sofortige Ausrücken zur Unterstützung der 5. Panzer-Division befohlen wurde. Eine Kompanie verblieb zur Unterstützung bei der 11. Kavallerie. Der Auftrag lautete, zusammen mit der 5. Panzerdivision vom britischen Sektor eingedrungenen Feind zu vernichten.
Die C-Kompanie wurde in Tangeln dem CCB beigefügt. Die A-Kompanie vereinigte sich mit CCR in der Gegend um Brunau. Die Reste des Bataillons rückten in die Gegend Stöckheim vor. Die Route des Marsches war Stendal – Bismark – Brunau – Cheinitz – Rohrberg – Stöckheim. Der Bataillonsgefechtsstand schloss um 23.00 Uhr in Stendal und eröffnete am 18. April um 06.30 Uhr in der Gegend Stöckheim. Das Bataillon unterstützte befehlsgemäß die 5. Panzer-Division bei der Abwehr von Angriffen auf die Nordflanke des XIII. Korps.
Alle Kompanien errichteten Straßensperren und sendeten Gebietspatrouillen aus. Die C-Kompanie platzierte den dritten Zug in der Gegend Hanum um die die Straße zu sperren und einen Außenposten in Verbindung mit der Infanterie zu haben. Der Rest der C-Kompanie führte die gleiche Mission in der Gegend Alum durch. Am 19. April platzierte die C-Kompanie den zweiten Zug in die Gegend Mellin um Straßensperren aufzubauen. Der dritte Zug verblieb in Hanum und führte den gleichen Auftrag aus.
In und während der Nacht des 18. April und des Morgens des 19. April musste der dritte Zug der C-Kompanie in der Gegend Hanum ein amerikanisches Halbkettenfahrzeug, besetzt mit deutschen Soldaten die dabei waren durch die Straßensperre durchzubrechen, komplett zerstören. Das Halbkettenfahrzeug war von den Deutschen erbeutet worden und wurde erst als Feind entdeckt, als die Deutschen schossen.
Desweiteren wurden zwei deutsche Fahrzeuge und zwei von Deutschen besetzte Gebäude mit 12 Schuss der 90 mm Kanonen zerstört.
Die C-Kompanie behielt einen Zug in Hanum zurück, eine Gruppe in Ahlum, ein Zug in Mellin und einen Jagdpanzer in Stöckheim zur Sicherung eines Kompaniegefechtsstands. Alle M-36, außer der in Stöckheim waren als Straßensperren eingesetzt.
Es gab keinen Positionswechsel von den A- und B-Kompanien."
In Hanum selbst entstehen keine Gebäudeschäden, es wird niemand verletzt. Die Feldscheune von Noverschulzen, Richtung Lindhof wird getroffen und brennt ab. In Lindhof sieht es schlimmer aus, es ist fast kein Gehöft verschont geblieben.
Bei Wiswinkels ist der Dachstuhl des Wohnhauses zerschossen, die Scheune und Stallungen sind mit dem gesamten Vieh verbrannt. Das gleiche Schicksal widerfährt dem Hof von Fritz Gruß. Noch schlimmer erwischte es den größten Bauern im Ort, Theodor Schulze. Dort brannte der gesamte Hof, einschließlich Wohn- und Tagelöhnerhaus nieder.
In Hanum haben sich die Amerikaner einquartiert, einige Bewohner müssen ihre Häuser räumen (Nethes, Hehles, Bornhuses, Friedrichs und Lilgens). Überall sind Stellungen, Deckungslöcher und Geschützstellungen ausgehoben.
Nach dem Krieg bedienen sich die Bewohner der Orte an der zurückgelassenen Wehrmachtsausrüstung. Mit einer Luftschutzpumpe wird das Benzin aus den Tanks der im Wald stehenden Autos und SPWs gepumpt. Bereifung, ganze Räder, Werkzeug, viel Kleinmaterial, Zeltplanen usw. werden geholt. Der Schmied aus Hanum verarbeitet die Panzerplatten der SPW zu Flugscharen. Es liegen aber auch Waffen und Munition herum. Handgranaten werden zum Fischen benutzt, was allerdings streng verboten ist.
Einige versprengte Soldaten gelangen bis Diesdorf und werden dort gefangen genommen. Den ganzen Tag über kommt es zu Gefechten in den Wäldern zwischen Hanum, Lindhof, Haselhorst bis Diesdorf. Bevor die amerikanische Infanterie die Waldstücke durchsucht, werden diese von den amerikanischen Batterien massiv beschossen.
Während des Tages greifen amerikanische Jagdbomber in das Geschehen ein und verursachen weitere Ausfälle. Nach amerikanischen Angaben machen die Soldaten der 5. US-PD 102 Gefangene und zählen 200 Tote. Einige Tote, die nicht von den Amerikanern geborgen werden, wurden, wie schon erwähnt, von Bewohnern in den Wäldern bestattet, oder haben ihre letzte Ruhestätte auf den Friedhöfen gefunden. Die gefallenen Amerikaner werden geborgen und auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof beigesetzt. Der Schrott liegt noch lange in den Wäldern und auf den Feldern. Ein „Tiger“ Panzer steht in dem Wald nördlich von Lindhof, ein SPW auf dem Feld, im Dorf steht ein amerikanischer Panzer. Vor Haselhorst findet sich der abgeschossene deutsche Panzer und ein amerikanischer Sherman, die Packgeschütze liegen als Schrott in ihren Stellungen. In den Wäldern stehen zerschossene LKW, SPW, Kübelwagen und Flakgeschütze.
General Karl Decker, der bisher General Unrein das Kommando überlassen hatte, übernimmt jetzt die Führung des Restes der Kampfgruppe III. Er gliedert die Schützenpanzer des Korpsstabes in die verbliebenen Sturmgeschütze ein und befahl den sofortigen Durchbruch nach Suderwittingen. An von Benningsen geht der Befehl, die Panzerkompanie soll umgehend folgen. In zwei getrennten Marschgruppen entzieht sich der Rest der amerikanischen Umklammerung und erreicht unter weiteren Verlusten, vor allem durch die amerikanischen Jagdbomber, in den frühen Abendstunden des 19. April das Waldgebiet Ehra - Lessien.
Der Tageslagebericht der 5. US-PD vermerkt für den 19. April 1945: "Feindliche Fahrzeuge dringen in den Bereich des CCB ein, im Wald östl. Lüdelsen und ebenfalls südl. von Haselhorst und südl. von Lindhof. Hauptkräfte sammelten sich im Wald östlich von Schadewohl, sie folgten der Route Lüdelsen – Altferchau – Neuferchau – Kusey – Wenze zum Waldgebiet südlich von Klötze.
Panzer, Sturmgeschütze, Halbkettenfahrzeuge und andere Fahrzeuge wurden mit Artillerie und Jagdbomber bekämpft. Eine neue Technik wurde dabei angewendet, nämlich die Koordination von Boden- und Luftaktionen bei der Bekämpfung von eingedrungenen Feinden.
Das CCB kesselte das Waldgebiet zwischen Mellin und Lüdelsen ein. Einigen Gruppen gelang der Ausbruch nach W."
G-2 Tageslage Bericht Nr. 169 vom 19. – 20. April 1945 der 102. US-ID: "e. Rückwärtige Gebiete: Heute Morgen (20. April) erwiesen sich Diesdorf (Y 1166, Lindhof (1162) und die Waldgebiete im Norden als relativ feindfrei. Verletzte Überlebende des gestrigen Beschusses und der gestrigen Bombardierung berichten von erheblichen Verlusten sowohl an Leuten als auch an Fahrzeugen. Sie deuteten an, dass sich die „Kampfgruppe“, die gestern in diesem Gebiet versammelt wurde, nach Norden zurückgezogen hat. Bei Y 111608, nordwestlich von Jübar, wurden dreißig zurückgelassene deutsche Fahrzeuge in gutem Zustand gefunden. Unsere Verfolgungseinheiten trafen in nördliche Richtung bis zur Grenze des XIII. Korps bei Y 1974 und Y 2274 auf keinen Widerstand.
Südlich von Klötze wird angenommen, dass die Kampfgruppe, die sich in der Nacht vom 18. auf den 19. April aus Nordwesten in das Waldgebiet bewegte, nun im Gebiet Y 3546 westlich von Breitenfeld zusammengezogen ist. Obwohl die Kriegsgefangenenberichte stark voneinander abweichen, wird davon ausgegangen, dass diese Kampfgruppe zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Stärke von rund 200 Mann, 8 Panzer und vielleicht 25 Halbkettenfahrzeuge hat. Berichten zufolge ist die Ortschaft Quarnebeck (Y 3246) das Nachschub- und Nachrichtenzentrum dieser mehr oder weniger improvisierten Einheit.
In dem großen Waldgebiet westlich von Boitzenhagen (Y 0851) wurden im Laufe des Tages einige wenige kleine motorisierte Feindgruppen beobachtet. Es wird angenommen, dass es sich bei diesen Gruppen, die am Wald auftauchten und wieder verschwanden, um Aufklärungseinheiten der oben erwähnten Kampfgruppe handelt, die möglicherweise versuchen, einen Rückzugsweg nach Nordwesten für die verbliebene Truppe zu finden."
Im Laufe des 20. April finden sich noch weitere versprengte Gruppen ein. Den Tag verbringt man gut getarnt mit Vorbereitungen zum Vorstoß Richtung Harz. Von der Kampfgruppe III war eine Truppe übriggeblieben, die der eines geschwächten Bataillons entsprach. General Decker verfügte noch über den Rest der Panzerkompanie, eine schwache Aufklärungskompanie, eine durch Ausfälle dezimierte Kompanie mit SPW, einige Pioniere, einige Sturmgeschütze und etwa 20 Radfahrzeuge. Von den anderen Kampfgruppen fehlte jede Spur. Die Kampfgruppe I wurde gerade bei Klötze aufgerieben, von der II. wusste man gar nicht, wo sie sich befand, und die Kampfgruppe IV, war bisher nicht erschienen.
Der Obergefreite Albert Vollmert berichtet: "Im Raum Schwarzenbeck wurden uns neue Panther zugewiesen, die aus Wünsdorf bei Berlin per Zugtransport eingetroffen waren. Die Panther wurden von uns selbst entladen und übernommen.
Drei komplette Panther der 1. Kompanie / Panzerabteilung 106 wurden dann zur Panzerdivision Clausewitz abgestellt. Kommandanten dieser drei Panther waren Stabsfeldwebel Herrmann, Feldwebel Keppler und Unteroffizier Christ. Aus dem Raum Schwarzenbeck verlegten wir am 16.04. über Lauenburg – Lüneburg in Richtung Uelzen.
Am zweiten Tag wurde jedem Panther eine Gruppe Panzergrenadiere der Ersatzabteilung Feldherrnhalle zugeteilt, die jeweils aufgesessen bei uns mitfuhren. Die Anforderungen an die Besatzung waren bei dem Verlegungsmarsch sehr hoch, weil man vorwiegend schmale Waldwege während der Nacht befuhr und dies bei relativ hoher Geschwindigkeit. Den Vordermann konnte man immer nur sehen, wenn beim Schalten die Flammen aus dem Auspuff schlugen. In verschiedenen Dörfern kamen damals die Bewohner des Nachts auf die Straße gelaufen und jubelten uns zu, denn die Engländer waren ja schon in greifbare Nähe gekommen. Man hatte uns einer Kampfgruppe zugeteilt, die in Richtung Fallersleben – Helmstedt nach Süden vorstoßen sollte.
Der 19. und 20. April waren ein besonders unruhige Tage, weil wir ständig von Artillerie beschossen wurden und ständig Jabo-Angriffe erfolgten. Zeitweise waren bis zu 35 Jabos am Himmel, die in Kette flogen und alle Wälder, vor allem aber Bauernhöfe und Dörfer, beschossen. Einzelne Bauern wurden auf den Feldern dabei angegriffen und getötet.
Der Panzer mit Feldwebel Keppler als Kommandant fiel dabei aus, so dass sich die Fahrzeugzahl ständig verringerte. Inzwischen waren die Panzergrenadiere abgesessen und wurden vermutlich mit Lastkraftwagen weitertransportiert. Am 21. April morgens gegen 2.00 bis 3.00 Uhr erreichte unsere Spitze Fallersleben. Kurz vor der Brücke fiel mein Panther aus, weil er einseitig zog, der Bremszylinder war leck. Es wurde befohlen, auf die Werkstattkompanie zu warten, die hinter uns fuhr.
Als wir dort standen, kam ein Kübel mit einem Major, der uns mitteilte, dass unser Panzer das letzte Fahrzeug sei. Alles, was hinter uns sei, sei von den Amerikanern gefangengenommen worden. Stabsfeldwebel Hermann, der gewartet hatte, nahm uns mit. Hinter der Brücke über den Mittellandkanal warteten noch zwei Lastwagen, auf die wir nun umstiegen. Stabsfeldwebel Hermann setzte sich mit dem Panther davor und mit größtem Tempo ging es durch die Stadt Fallersleben. Einige Lastwagen, sowohl deutsche wie amerikanische, standen brennend auf der Straße."
Im Kampfabschlussbericht der 5. US-PD wird der 19. April nachfolgend beschrieben: "Die Division verblieb in demselben Gebiet mit CCA bei Steimke, CCB bei Tangeln, CCR in der Gegend von Salzwedel, dem 85. Panzeraufklärungs-Bataillon bei Brome, den 22. Panzerpionier-Bataillon bei Gr. Apenburg, Div. Train bei Cheinitz und dem Divisions-Gefechtsstand in der Gegend von Neumühle.
Um 5.30 Uhr begannen vom CCB Meldungen hereinzukommen, mit der Feststellung, dass feindliche Fahrzeuge das Gebiet des CCB vom Norden her betreten hatten, eingebrochen waren, und dass der Feind sich in den Wäldern östlich von Lüdelsen sammelt. Eine andere Gruppe wurde südlich von Haselhorst und wieder eine andere südlich von Lindhof gemeldet. Eine spätere Meldung stellte fest, dass angenommen werde, die Hauptstreitmacht würde sich in den Wäldern östlich von Schadewohl sammeln. Eine Erkundungspatrouille vom CCB wurde in Diesdorf überrascht und gefangengenommen. Durch die Benutzung der Route über Diesdorf geschah es, dass die feindlichen Einheiten in die Gegend Lindhof – Haselhorst gekommen waren. Einige wenige feindliche Fahrzeuge folgten der Route Lüdelsen – Altferchau – Neuferchau – Kusey – Wenze zu den Waldgebieten südlich von Klötze.
Um 9.00 Uhr kamen sowohl vom CCA, als auch vom CCB Meldungen über feindliche Fahrzeugbewegungen in alle Richtungen herein. Keine große Anzahl in jeder der einzelnen Gruppen wurden gemeldet, die Meldungen variierten von 3 bis 12 Panzer, Sturmgeschütze, Halftracks (Halbketten-SPW) oder anderen Fahrzeugen. Das bedeutete keine große Gefahr in dem Gebiet, es wurden aber sofort Schritte eingeleitet, um die feindlichen Elemente aufzuhalten oder zu eliminieren, wo immer sie angetroffen wurden. Artilleriefeuer wurde auf die bekannten Sammelgebiete gelegt. Kampfbomber setzten fortwährend ihre Angriffe auf feindliche Fahrzeuge und Sammelgebiete fort. Diese Taktik zur Vernichtung eingedrungener feindlicher Elemente im Hinterland, wurde erstmals angewendet.
Im Abschnitt III der Kommentare ist eine neue Taktik der Koordination „Boden – Luft“ beschrieben, die mit ausgezeichneten Ergebnissen während der Vernichtung eingedrungener feindlicher Einheiten angewendet wurde. Diese Taktik wurde beginnend am 19. April über mehrere Tage angewendet.
Im Kampf gegen feindliche Einheiten sandte CCA seine angegliederten A-Kompanien (46. Panzergrenadier-Bataillon und 34. Panzer-Bataillon) nach Hankensbüttel und andere Streitkräfte nach Germenau – Kunrau und Immekath. CCB schloss das Waldgebiet zwischen Mellin und Lüdelsen ein und auch das Gebiet nahe Haselhorst. Feindliche Infanterie hatte bereits den letztgenannten Ort umzingelt und in den Wäldern südlich des Ortes wurde direktes Feuer aus Infanterie-Waffen lokalisiert. Der Gefechtsstand des 71. Panzerfeldartillerie-Bataillons wurde aus Sicherheitsgründen nach westlich von Ohrdorf verlegt.
Vom Standpunkt der Einsatzleitung wurde angenommen, dass dem Feind die starken Streitkräfte in dieser Gegend nicht bekannt waren und er gehofft hatte, dass ein Schlupfloch durch den Sektor offen sein würde.
Feindverluste: Kriegsgefangene 102, getötet 200.
Meldungen über Ausrüstungsverluste waren am Ende des Tages noch nicht vollständig.
Am 20. April verblieb CCA bis 13.00 Uhr in seinen Stellungen, danach wurde es zur Vorbereitung des Angriffs nach Norden in Marsch gesetzt. Der Gefechtsstand des Kampfkommandos zog nach Rohrberg um und das 46. Panzergrenadier-Bataillon bezog Stellungen in derselben Stadt. Das 34. Panzer-Bataillon ging nach Wallstawe mit einer Außenerkundung bis zu einer Linie Dähre – Kl. Gerstedt.
CCB säuberte die Orte Haselhorst – Lindhof – Waddekath und den südlichen Teil des Klötzer Forstes von der Ost-West-Linie durch Waddekath nach Süden. In dieser Aktion zerstörte oder erbeutete CCB mit Artillerie- und Luftunterstützung sowie mit Panzerfeuer 55 feindliche Fahrzeuge in und allein um Lindhof herum. Danach begradigte das Kampfkommando seine Position und das von dem angegliederten 85. Panzeraufklärungs-Bataillon, so dass dadurch CCA die Möglichkeit bekam, ihre Stellungen für den Angriff nach Norden zu beziehen.
Der Gefechtsstand des CCB zog nach Zasenbeck um, das 81. Panzer-Bataillon nach Lindhof und Bornsen, das 15. Panzergrenadier-Bataillon nach Wittingen, mit Ausnahme einer kleinen Kampfgruppe mit Sitz 1 km nördlich von Waddekath zur Unterhaltung einer Erkundungslinie bis Dähre und Winkelstedt, und die 85. Cav. (Panzeraufklärungs-Bataillon) in die Gegend von Brome.
CCR unternahm keine Offensivhandlungen, außer dem Leiten der Luftstreitkräfte bei den Angriffen auf die Flussbrücken der Elbe in der Gegend von Dömitz. Alle zwei Brücken in diesem Gebiet wurden durch die Koordinierten Anstrengungen vom CCR Luft-Boden-Offizier und der sehr leistungsfähigen Ausführung des Auftrages durch Kampf-Bomber zerstört. Die Zerstörung dieser Brücken ließ nur Fähren übrig, mit denen der Feind hoffen konnte, auf das Ostufer des Flusses zu entkommen.
Feindliche Luftwaffe war mit 6 Flugzeugen wieder sehr aktiv über dem Gebiet des CCR. Bei dem Angriff wurden drei Flugzeuge durch die Fliegerabwehr-Geschütze des CCR abgeschossen.
Innerhalb der Divisionszone wurden in fast jedem Waldgebiet feindliche Mannschaften in kleinen Gruppen beobachtet. Panzer wurde gemeldet in den Wäldern nördlich von Boitzenhagen.
Die einzige sicher festgestellte Streitmacht waren ungefähr 3 Panzer oder Geschütze auf Selbstfahrlafette, zusammen mit einer kleinen Streitmacht an Infanterie."
Das Ende der Kampfgruppe IV
(Anmerkung: Eigentlich kann man diese letzte, zusammengewürfelte Truppe des XXXIX. Panzerkorps nicht als KG IV bezeichnen, da nicht zur PD „Clausewitz“ gehörend)Teile dieser Kampfgruppe IV werden im Raum Henningen, Wistedt, Langenapel, Bombeck in teils heftige Gefechte mit den für den Angriff auf das Wendland bereitstehenden Einheiten des Kampfkommandos A verwickelt.
Der Kampfabschlussbericht der 5. US-PD für den Monat April vermerkt: "Am 21. April begann die Division den Großangriff nach Norden ab Ausgangslinie Dähre - Salzwedel mit CCA (Kampf Kommando A) auf der linken und CCR auf der rechten Seite.
Noch vor dem Großangriff wurde CCA von Teilen der Division „Clausewitz“ angegriffen. Artilleriefeuer wurde auf die angreifenden Streitkräfte gelegt, so dass die ihren Angriff abbrachen und sich in die nördlichen Waldgebiete zurückzogen."
Die Einheiten der Kampfgruppe IV gehören, bis auf Restgruppen, nicht zur Division „Clausewitz“. Sie besteht vorwiegend aus Resten der Infanteriedivision „Schlageter“, der 84. ID, Teilen der Panzernachrichtenkompanie 144 und zwei geschwächten Grenadierbataillonen (Grenadier- Ersatzbataillone, Nr. nicht bekannt), sowie der Panzerjägerkompanie 661.
Dieser überraschende Vorstoß verzögert den Angriffsbeginn auf Lüchow – Dannenberg um einige Stunden.
In der Nacht zum 21. April stoßen deutsche Kräfte mit Panzerunterstützung (Panzer und Sturmgeschütze) auf Wistedt vor. Sie versuchen das Dorf einzukesseln, um die dort liegenden amerikanischen Kräfte (B-Kompanie des 34. Panzer-Bataillons) zu vernichten.
Nach Zeugenaussagen sollen sich im Dorf etwa 300 deutsche Soldaten als Gefangene der Amerikaner befunden haben, die man befreien wollte. Die Gefangenen sind nicht mehr im Ort und die Amerikaner können sich im Feuerschutz ihrer Artillerie der Einschließung entziehen. Sie beziehen zwischen Wistedt und Langenapel eine Auffangstellung.
Von den Amerikanern werden starke gepanzerte Kräfte herangeführt, sogar der Divisionskommandeur der 5. US-PD, General Oliver kommt nach vorn. Die amerikanischen Panzergrenadiere werden durch etwa 60 bis 70 Panzer unterstützt. Um die Mittagszeit ist Wistedt wieder in amerikanischer Hand.
Die deutschen Soldaten ziehen sich über Osterwohle nach Bombeck in die Wälder zurück. Von den Amerikanern werden 171 Gefangene gemacht, zwei zerstörte SPW, sechs Spähfahrzeuge, zwei Sturmgeschütze, 24 LKW und zehn Hänger werden gezählt.
Das nächste Ziel der Amerikaner ist Henningen, welches ohne große Gegenwehr eingenommen wird. Der amerikanische Gegenschlag ist gegen 12:30 Uhr abgeschlossen. Deutsche, die entkommen können, ziehen sich über Andorf Richtung Bergen zurück. Kleine motorisierte Gruppen können sich dem Zugriff entziehen, sie geraten in den Strudel des beginnenden Angriffs auf das Wendland.
Ulrich Schütz erinnert sich: "Gegen Mittag des 17. April erreichen wir ein Waldgebiet, hier soll Ruhe sein. Es kommt aber sofort der Einsatzbefehl. Bergen an der Dumme soll verteidigt werden. Am Nachmittag erreichen wir Bergen und beginnen mit dem Bau von Stellungen. Die Lage bleibt aber ruhig und wir können abwechselnd in den Ort gehen und uns dort verpflegen. Von den Bewohnern wurden wir warmherzig aufgenommen und gut versorgt.
Am folgenden Tag bauen wir an unseren Stellungen weiter. Gegen 21 Uhr bekommen wir den Befehl nach Schnega zu marschieren, wir sollen uns dort einer Kampfgruppe „Pahl oder Prahl“ anschließen.
Die Kampfgruppe soll in den Harz durchbrechen und es laufen Gerüchte, dass wir als „Wehrwölfe“ kämpfen sollen. Das ist den Meisten von uns dann doch zu viel, als Soldaten wollen wir kämpfen, aber als „Wehrwölfe“ nicht.
Unser Feldwebel verteilte seine letzten Zigaretten und den Rest der noch vorhandenen Eisernen-Rationen.
Für den nächsten Tag ist der Angriff geplant, er wird aber abgeblasen. Der Tag verläuft ruhig, wir bleiben in unseren Deckungen. Von den Engländern ist nichts zu sehen. Einmal überfliegt uns ein deutscher Düsenjäger, eine von diesen Wunderwaffen, von denen man uns immer erzählt hat. Da wir das Geräusch nicht kennen, nehmen wir volle Deckung. Es hört sich an, als ob Granaten über unseren Köpfen fliegen. Dann erkennen wir aber das Balkenkreuz. Sonst ist von unserer Luftwaffe nichts zu sehen. Für die Nacht vom 20. auf den 21. April bekommen wir den Befehl zum Angriff. Das erste Ziel ist Henningen und dann immer Richtung Oebisfelde. Unser Zug wird auf Panzer verteilt und wir sitzen außen auf, um feindliche Infanterie abzuwehren. Die anderen Züge wurden auf LKW verladen, über SPW verfügt unsere Kompanie nicht. Auf dem Weg nach Henningen müssen wir mehrere Wasserläufe überqueren. Dabei kommen wir an eine Brücke, die für unsere Panzer zu schwach ist, die anderen Fahrzeuge können die Brücke benutzen. Wir müssen einen Umweg zu einer festeren Brücke machen. Kurze Zeit später war aus der Gegend der anderen Brücke heftiger Gefechtslärm zu hören. Als wir mit unseren Panzern dort eintreffen, ist alles vorbei.
Die Engländer müssen von unserem Plan gewusst haben. Sie haben Ihre Panzer und Geschütze hinter der Brücke aufgestellt und unsere Kolonne zusammengeschossen. Danach haben sie sich gleich wieder zurückgezogen.
An der Brücke herrschte ein heilloses Durcheinander. Überall lagen kaputte Fahrzeuge, Verwundete und Tote. Wer noch laufen kann ist geflohen. Wir kommen an ein nahegelegenes Gehöft. Dort finden wir den Kommandeur der Kampfgruppe, ein Major. Er ist zwar nicht verwundet, aber völlig durcheinander. Befehle hat er für uns und die Panzer nicht. In einem anderen Gehöft werden Verwundete gesammelt. Dort treffen wir auf unseren Kompaniechef, Leutnant Schmidt, der Kopf- und Bauchverletzungen hat. Die Kompanie ist praktisch nicht mehr vorhanden, wer nicht tot oder verwundet ist, hat sich verdrückt.
Unsere Panzer waren inzwischen auch verschwunden und ich mache mich auf den Weg nach Bergen, dort wollte ich mir Zivil besorgen und mich irgendwie nach Hause durchschlagen. Auf dem Weg treffe ich einen Kameraden aus unserer Kompanie, wir beschließen zusammen zu bleiben. Dazu muss ich sagen, daß wir uns in der Kompanie kaum kannten, da einige Kameraden erst kurz vor der Abreise in Dänemark zu uns kamen. Unterwegs treffen wir einen Panzer, die Besatzung wollte auch nach Bergen, sie nehmen uns mit. Nach einer kurzen Strecke bekommt der Panzer einen Schaden und bleibt liegen. Der Fahrer versuchte noch den Schaden zu beheben. Uns dauerte es aber zu lange, zumal aus Richtung Henningen erneut Kampflärm zu hören war. Nach einer Strecke Fußmarsch überquerten wir eine Lichtung und wurden unmittelbar danach von Artillerie beschossen. Die Lichtung muss von einem Beobachter eingesehen worden sein, denn die Granaten lagen unangenehm genau. Sie explodierten kurz über den Baumkronen und ein Hagel aus Eisensplittern prasselt zu Boden. Wir sind um unser Leben gelaufen. Ich glaube, ich bin in meinem Leben noch nie so lange, so schnell gelaufen. Nach etwa 2 km haben wir es geschafft, wir sind unbeschadet aus dem Gefahrenbereich. Nach weiteren 2 bis 3 km erreichen wir den Waldrand und Bergen liegt in einiger Entfernung vor uns."
(Ulrich Schütz war von einer Ausbildungseinheit aus Dänemark nach Uelzen verlegt worden. Die Kompanie bestand aus jungen Rekruten, die sich kaum kannten. Er war mit einem Bahntransport am 12. April in Uelzen angekommen und vom 13. bis zum 16. April vor Veerßen gegen die Engländer im Einsatz. Darum meinte er auch bei Henningen Briten als Gegner zu haben. Am 26. April ist er und sein Kamerad in der Nähe von Gifhorn von den Amerikanern gefangen genommen worden. Über Braunschweig und Herford wurde er in das Lager Büderich, eines der berüchtigten Rheinwiesenlager, gebracht. Von seinem Kameraden wurde er bereits kurz nach der Gefangennahme bei Gifhorn getrennt. Er hat von ihm nie wieder etwas gehört. Ulrich Schütz hatte Glück und wurde Ende Juni in ein Arbeitskommando nach Wetzlar verlegt. Am 24. September 1945 wurde er nach Detmold entlassen.)
Wie in Haselhorst, Lindhof und anderen betroffenen Orten, sind die Dorfbewohner von Wistedt, Langenapel und Henningen in die Keller und Erdbunker geflohen und haben das Ende der Kämpfe abgewartet.
Willy Jaeger, damals 9 Jahre, aus Henningen schreibt in einem Aufsatz: "Mein allerschlimmstes Erlebnis war, als hier der Kampf war. Zuerst am Freitagmorgen, um ein Uhr wurden immer fünf Granaten auf einmal abgeschossen. Dann am Sonnabend ging es richtig los. In einer Stunde war alles vorbei. Als wir aus dem Keller kamen, sahen wir alles brennen, gegenüber aber war die Scheune schon halb abgebrannt. Dann haben wir tüchtig gelöscht."
In den amerikanischen Darstellungen wird dieser Angriff folgendermaßen geschildert:
"Kampfkommando A: Am 20. April erhielt Kampfkommando A den Befehl zur Beseitigung deutscher Widerstandsnester in nördlicher Richtung auf die Elbe zu. Nachmittags bewegte sich die A-Kompanie der 85. Panzeraufklärer sowie die Stoßgruppe Jones nordwärts, säuberte die Waldgebiete bei Rohrberg und sicherte die Ausgangslinie für den bevorstehenden Großangriff.
Um 1.00 Uhr nachts meldeten Vorposten, die zur Absicherung der Ausgangslinie die Stellungen hielten, Fahrzeugbewegungen vor ihrer Front.
Von Gefangenen hatte man vorher in Erfahrung gebracht, dass zwei deutsche Kampfgruppen mit je 100 Mann und 12 Panzern oder Sturmgeschützen versuchen würden, unsere Vorpostenlinie nach Süden zu durchbrechen. Feindlicher Druck wurde zunehmend stärker, so dass die zweiten Züge der B-Kompanien in der Dunkelheit sehr schnell in eine bedrohliche Lage gerieten.
Leutnant Alfred Richter, Zugführer der B-Kompanie des 34. Panzer-Bataillons, bat per Funk um Rückzugserlaubnis von der Ortschaft Wistedt zurück bis hinter einen kleinen Wasserlauf, ungefähr 50 Yards vor dem Ort gelegen.
Um 5.00 Uhr war feindliche Infanterie über den Wasserlauf (Dumme) vorgedrungen, stärkere Kräfte schlossen auf und bedrängten unsere zweiten Züge von drei Seiten. Daraufhin zogen sich die zweiten Züge über das kleine Gewässer zurück und setzten sich nach Langenapel ab, wo die dritten Züge in Stellung lagen.
Colonel (Oberst) Burton kam um 6.30 Uhr mit den A-Kompanien in Langenapel an. Die Anwesenheit seiner Streitkräfte entmutigte den Feind wirkungsvoll, weitere Angriffe zu unternehmen.
Kurz darauf erschien General Regnier (Kommandeur des Kampfkommandos A) und schlug für die zweiten und dritten Züge einen Plan zur Rückeroberung Wistedts vor. Die Züge griffen den Ort erneut an und um die Mittagszeit hatten sie ihn wieder eingenommen.
General Oliver kam nach vorn, um das weitere Vorgehen zu beratschlagen. Das spätere Kampfgeschehen beobachtete er von Wistedt aus, nachdem der Ort zurückerobert worden war.
In Wistedt fanden unsere Truppen beträchtliche Anzeichen von der Wirkung unserer Artillerie. Insgesamt machten wir 171 Gefangene. 24 LKWs, 10 Anhänger, zwei Halbkettenfahrzeuge (Schützenpanzer), sechs Spähwagen sowie zwei Sturmgeschütze wurden zerstört.
Inzwischen befand sich die A-Kompanie auf einer berieten Front in Bereitstellung. Sobald Wistedt wieder eingenommen worden war, starteten sie einen Sturmangriff auf den Ort Henningen. Dieser Ort wurde schnell erobert mit einer großen Zahl Gefangener."
Im Kampfabschlussbericht des 34. Panzer-Bataillons wird dieses Gefecht so beschrieben: "Um 1.45 Uhr wurden die B-Kompanien bei Wistedt und Langenapel durch feindlichen Gegenangriff mit Infanterie und Sturmgeschützen in Bedrängnis gebracht. Unser vorgeschobener Beobachter hatte keine Verbindung zu uns aufnehmen können, deshalb forderte der Zugführer der B-Kompanie Leutnant Kelley, Artillerie-Feuer auf die feindlichen Streitkräfte im Gebiet zwischen den beiden Orten Wistedt und Langenapel an. Seine Anforderung wurde weitergegeben über die Kompanie zum Bataillon, und dann zur Feuerleitstelle der Artillerie von CCA. Die B-Kompanien waren so dünn verstreut, dass die Züge in Wistedt um 4.00 Uhr gezwungen wurden, sich zurückzuziehen, da der Feind begann, die Stellungen beiderseits des Ortes östlich und westlich zu umgehen.
Die Züge (2. Züge, B-Kompanie 34. Pz. Bn. und 46. Pz. Grenadier-Bataillon) zogen sich nach Langenapel zurück, um dort die anderen Züge zu unterstützen, die mit allen verfügbaren Mitteln und Kräften feindliche Infanterie abzuwehren versuchten. Während des Nachtkampfes in Wistedt schossen die Panzer zuerst ein gepanzertes Fahrzeug ab, das auf der Straße von Norden herkam. Später griff eine Kolonne von Sturmgeschützen und Lastwagen abseits der Straße an. Die Sicht war praktisch Null, doch den Panzer-Geschützen gelang dort die Zerstörung von zwei Sturmgeschützen. MG- und Schützenfeuer zwang die angreifende Infanterie zu Boden. Zwei weitere Angriffe wurden unternommen, einer durch eine Einheit mit Fahrrädern und schließlich einer durch zwei Sturmgeschütze und Infanterie. Dieser letzte Angriff zwang die Züge, sich zurückzuziehen, weil ihnen die Umzingelung durch die feindlichen Kräfte drohte, und weil das Gelände unvorteilhaft war. Dort in Wistedt war ein nach Osten verlaufendes Gewässer, das feindliche Streitkräfte bereits auf beiden Seiten überschritten hatten. Unser Zug Panzergrenadiere besaß nicht die volle Sollstärke und die feindliche Infanterie, bewaffnet mit Panzerfäusten, arbeitet sich zwischen den Häusern vor in Richtung unserer Panzer."
Die amerikanischen Stäbe haben mitbekommen, dass sich ein Teil des entkommenen Restes der Kampfgruppe IV in den Waldgebieten „Hoher Schafstall“ und „Hasenberg“ nördlich von Bombeck versteckt hält. Nach den Erfahrungen der letzten Tage ist man vorsichtig und nimmt die Flankenbedrohung ernst. Die in diesem Gebiet untergezogenen deutschen Kräfte verfügen auch über schwere Waffen. Neben einigen Sturmgeschützen vom Typ „Hetzer“ verfügen die Einheiten über 7,5 cm Geschütze auf Selbstfahrlafette, einige Panzer, SPW und eine Batterie Nebelwerfer. Für alle Geschütze ist kaum Munition vorhanden und die Tanks der Fahrzeuge sind fast leer. Von den Nebelwerfern wird nicht ein Schuss abgegeben.
Im Kampfabschlussbericht der 5. US-PD für April steht folgendes: "CCR wurde bis 15.00 Uhr in seinem Vormarsch nach Norden aufgehalten. Der Grund lag darin, dass der Widerstand an der Front von CCA ein paralleles Vorgehen beider Kampfkommandos verhinderte. Anderenfalls wäre Flankenbedrohung entstanden. Nachdem CCA den Widerstand in seinem Abschnitt gebrochen hatte, rückte CCR unter Führung seines 47. Panzergrenadier-Bataillons auf der Straße Salzwedel - Lüchow nach Norden vor. Unter Führung des 10. Panzerbataillons griffen die anderen Einheiten auf der linken Seite an, um die Widerstandsnester in den Wäldern bei Bombeck zu beseitigen."
In den amerikanischen Berichten läuft dieses Gefecht als „Kampf um Bombeck„. Diese Bezeichnung ist irreführend, denn in Bombeck selbst wurde nicht gekämpft. Die amerikanischen Angriffsverbände nehmen das Waldgebiet in die Zange. Von Seebenau rücken Panzergrenadiere mit Panzerunterstützung bis zur Bahnlinie Salzwedel - Uelzen vor und gehen dort in Stellung. Andere Einheiten gehen von Bombeck, Klein- und Groß Grabenstedt auf das Waldgebiet vor. Bevor die Waldstücke von den amerikanischen Infanteristen durchkämmt werden, leistet die amerikanische Artillerie ganze Arbeit, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Amerikanische Batterien stehen bei Hohenlangenbeck und auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Salzwedel.
Im Kampfabschlussbericht des 10. Panzer-Bataillons steht: "Am 20. April wurden Pläne gemacht nördlich nach Dannenberg über Seeben, Nosen und Lüchow vorzustoßen. Die vereinigten C-Kompanien bewegten sich nach Einbruch der Dunkelheit Richtung Angriffslinie nach Seeben und Lüchow vor und alle Vorbereitungen wurden getroffen um am 21. April mit dem Angriff beginnen zu können.
Allerdings kam es um 03.00 Uhr an diesem Morgen zu einem Angriff von 9 Panzern und ungefähr 300 gegnerischen Infanteristen auf unseren Angriffsstab an unserer Westflanke, der sich damit aus dem Dorf Wistedt zurückziehen musste. Weil beide Angriffsstäbe geplant hatten Seite an Seite vorzurücken, wurde unser Angriff auf den Nachmittag verschoben und unsere Truppen wurden in Positionen verlegt, aus denen sie diese gegnerische Einsatzgruppe ausschalten konnte. Es gab sieben Artillerie-Bataillone welche die Feuerstellung wechseln mussten und die C-Kompanie errichtete Straßenblockaden in Seeben und entlang jeden Fluchtweges der nach Norden führte. Die vereinigten A-Kompanien bezogen Stellungen in Gr. Gerstedt und Gr. Wieblitz. Der Feind welcher in den Wäldern ausgemacht wurde, wurde von der Artillerie vernichtet und über einhundert Gefangene wanderten in unsere Außenposten und wurden gefangengenommen. Ein französischer Verbindungsoffizier der an diesem Morgen von den Deutschen gefangengenommen wurde, kam zu uns durch und teilte uns feindliche Positionen mit. Kampfkommando „A“ bewegte sich nördlich auf der feindlichen Westflanke und somit waren alle Fluchtwege um 17.00 Uhr abgesperrt. Um 17.30 Uhr legten die vereinigten A-Kompanien los und schlossen den Feind von Süden und Westen her ein. Ein feindlicher Panzer wurde bei dem Versuch zu entkommen erledigt und sechs weiter Mark IV wurden verlassen zusammen mit 20 LKWs vorgefunden. Drei andere Panzer umgingen in der Tat eine unserer Straßenblockaden von der C-Kompanie, aber einer wurde aus 300 yards (ca. 270 m) Entfernung mit der Bazooka abgeschossen. Die anderen sind entkommen. Auf die A-Kompanie wurde kein feindliches Feuer gerichtet und sie nahm ungefähr 40 weitere Gefangene fest.
Am 22. April wurde unser Angriff auf den Norden wie geplant durchgeführt und die Einsatzgruppe Boyer rückte auf einer parallelen östlichen Route nach Lüchow vor. Als beide Kolonnen sich der Stadt näherten versuchte uns der Feind mit Nebelwerfern zu stoppen."
Im amerikanischen Bericht heißt es weiter: "Divisionsartillerie erledigte ihren wirkungsvollen Unterstützungsauftrag wie üblich. Unordnung und Zersprengung der feindlichen Kräfte bestätigen die Genauigkeit des Artilleriefeuers.
Der Angriff auf das Waldgebiet wurde eingeleitet, indem eine Kompanie Panzergrenadiere von Seeben aus südwärts bis zur Bahnlinie (Salzwedel – Uelzen) vorrückte und dort in Stellung ging, während die übrigen Streitkräfte vom südlichen Waldrand nach Norden vorstießen.
Eine große Anzahl feindlicher Soldaten war somit in die Falle geraten und wurde gefangengenommen. Der Materialverlust des Feindes war ebenfalls groß. Wie beobachtet wurde, konnten drei feindliche Panzer der Falle entkommen. Diese strebten in nordwestlicher Richtung nach Rockenthin in den Abschnitt des Kampfkommandos A."
Die Angriffstruppen einer amerikanischen Panzerdivision operierten mit folgenden Kräften immer zusammenwirkend: Panzer, Panzergrenadiere und Panzerartillerie.
1 Zug Panzer bestehend aus 5 Panzer (meist Sherman) mit 25 Mann Besatzung,
1 Zug Panzergrenadiere mit 5 Halbkettenfahrzeugen und 60 Mann Sollstärke,
2 Panzerhaubitzen mit 105 mm Kaliber.
Die Panzerartillerie blieb meist Batterieweise (6 Geschütze) zusammen und feuerte auf Anordnung konzentriert auf ein Ziel.
Bei Bedarf stand ein Artilleriebataillon mit 155 mm Haubitzen zur Verfügung.
Zu diesen Kräften kamen noch Nachschubeinheiten, Sanitätskräfte und Eingreifreserven.
Vor jedem Angriff belegten die US – Angriffstruppen die Zielgebiete mit Artillerietrommelfeuer, um den Gegner zu schwächen und zu demoralisieren.
Oberste Priorität hatte die Schonung der eigenen Soldaten. Verluste sollten so gering als möglich sein.
Die Operation ist bis zum Abend abgeschlossen. Die Amerikaner zählen ungefähr 150 Tote, drei Panzer konnten Richtung Rockenthin entkommen. Im Wald zwischen Seebenau und Rockenthin zeugen zwei Soldatengräber von diesen Kämpfen. Dort sind die deutschen Soldaten Franz Fath, geb. 1. Januar 1921 und Klaus Baron, geb. 19. November 1926 beerdigt. Die beiden Toten wurden zwölf Tage nach den Kämpfen vom 21. April 1945 von Edgar Bußmann gefunden. Auf dem Friedhof in Rockenthin ist ein deutscher Offizier beerdigt, der im April 1945 in der Nähe des Dorfes gefallen ist. Auf dem Friedhof in Wistedt wurden 5 Gefallene beigesetzt.
Im Bombecker Forst bleiben einige Sturmgeschütze und anderes Kriegsgerät zurück, in den Wäldern und auf den Wegen bis Bergen finden sich Fahrzeuge bis zum Panzer.
In der Geschichte der 5. US-PD wird dieses Gefacht folgendermaßen beschrieben: "Der Angriffsbefehl für den Vorstoß nach Norden kam am 21. April. Die A- und C-Kompanien des Kampfkommandos R unter der Führung von Oberstleutnant Hamberg sollten das Waldgebiet westlich Salzwedel von deutschen Streitkräften säubern. Währenddessen die B-Kompanien unter Oberstleutnant Boyer nach Lüchow vorstoßen und dort den Rest des Kampfkommandos erwarten sollten.
Die Säuberung der Wälder war für die Stoßgruppe Hamberg keine leichte Aufgabe. Feindliche Panzer- und Infanteriekräfte in dem Gebiet waren verstärkt durch jene Deutschen, die am Morgen wegen des CCA-Vormarsches auf der linken Flanke des Kampfkommandos R in genau diese Wälder getrieben worden waren. Eine unserer Panzergrenadier-Kompanien stieß von Seeben bis zu einer Bahnlinie vor. Vom südlichen Waldrand schlugen die anderen nach Norden los.
Die 95. Panzer-Artillerie zerschmetterte die in die Falle gegangenen feindlichen Truppen und deren Material. Acht 8,8 mm Geschütze, neun Nebelwerfer und eine Anzahl MG-Nester wurden vernichtet.
Gegen 21.00 Uhr, als das Kampfkommando R für die Nacht Biwak bezog, hatte es neun langläufige 75 mm Geschütze aufgespürt und zerstört. Die Geschütze waren auf tschechischen Selbstfahrlafetten montiert. Ebenso wurden drei gepanzerte Fahrzeuge, ein Kübelwagen und ein dutzend Lastwagen zerstört."
Einen kleinen Überblick über die deutschen Verluste gibt der Kampfabschlussbericht der 5. US-PD für April 1945 (aufgeführt sind nur die Toten, Gefangenen und die Kampftechnik, die von der 5. US-PD registriert wurden).
16. April: 100 tote Deutsch; 1712 Gefangene
17. April: 10 tote Deutsche; 315 Gefangene
18. April: 35 tote Deutsche; 181 Gefangene
19. April: 200 tote Deutsche; 102 Gefangene
20. April: 51 tote Deutsche; 327 Gefangene
21. April: 159 tote Deutsche; 650 Gefangene
22. April: 100 tote Deutsche; 527 Gefangene
23. April: 1025 Gefangene
Bei den Toten (ob die Zahlen zutreffen, oder an einigen Tagen geschätzt sind, ist nicht bekannt) und Gefangenen dürfte es sich überwiegend um Angehörige der PD „ Clausewitz“ und der Kampfgruppe IV handeln.
An erbeuteten gepanzerten Fahrzeugen sind in diesem Zeitraum von der 5. US-PD aufgeführt:
Panzer IV 32
Panther 3
Tiger 1
Sturmgeschütze 39
Schützenpanzer 49
Bergepanzer 1
7,5 Geschütze auf Kettenfahrwerk 8
Hinzu kommen Nebelwerfer, Flakgeschütze, LKW, Anhänger, Kübelwagen usw., und die Meldungen der 102. US-ID, der 84. US-ID und der 11. Kavallerie.
Das Ende der PD „Clausewitz“
Fast zur selben Zeit versammelt General Karl Decker seine Offiziere im Wald von Ehra - Lessien, zur letzten Lagebesprechung. Eingefunden haben sich General Unrein, sein Stabschef Oberst Kühlein, Major Scharnhorst und Oberleutnant Brand. Der General hat nur wenige Befehle zu geben, die Marschrichtung ist Süden. Abmarsch ist gegen Mitternacht.Gegen 01.00 Uhr des 21. April erreicht die Kolonne die Straße von Gifhorn nach Brome (B 248), auf der pausenlos der Nachschub der Amerikaner rollt. Die deutschen Panzer eröffnen das Feuer und zersprengen eine Kolonne, es werden erste Gefangene gemacht, die man auf einen LKW lädt und bis in den Elm mitführt. Insgesamt werden bis zum Abend des 21. April 30 amerikanische Soldaten von Deckers Truppe gefangen genommen.
General Decker befiehlt mit voller Beleuchtung zu fahren, wodurch man die amerikanischen Streckenposten täuschen kann und zeitweise sogar in amerikanischen Kolonnen mitfährt. In einigen Orten werden Sicherungsposten überrumpelt und gefangen genommen. Ziel ist die Brücke bei Fallersleben über den Mittellandkanal, sie ist die einzige unzerstörte, deren Tragfähigkeit auch für Panzer ausgelegt ist. Natürlich wissen das auch die Amerikaner und haben sich vorbereitet. Man weiß, dass sich die Reste der Panzerdivision „Clausewitz“ auf dem Weg zu dieser Brücke befinden und hat einen Panzerriegel mit starker Panzerabwehr aufgebaut. Seit dem 17. April gibt es keinen amerikanischen G 2 (Feindlage-) Bericht, in dem nicht über die Division „Clausewitz“ berichtet wird, auf einen Überraschungsmoment können die Deutschen also nicht hoffen. Was den Amerikanern nicht bekannt ist, ist die vermutliche Ausrüstung von zwei „Panther“ Panzern mit Nachtsichtgeräten, und über genau diese beiden „Panther“ verfügt General Decker noch. Für den Verlauf des Gefechts an der Kanalbrücke ist weiterhin entscheidend, dass diese beiden Panzer an der richtigen Stelle in der Kolonne fahren und sich zur rechten Zeit am richtigen Ort befinden.
Das Gelände beiderseits der Straße vor der Brücke war für Panzerfahrzeuge ungeeignet, die Fahrzeuge konnten nicht ins Gelände ausweichen.
Die Aufklärungskompanie war voraus gefahren und hatte die amerikanischen Pak Stellungen zu beiden Seiten der Brücke erkannt und gemeldet. Die amerikanische Batterie zögerte bei dem Auftauchen der Kolonne mit der Feuereröffnung, erst als der erste Panzer die Brücke bis auf 200 m erreicht hat, eröffnen die Geschütze das Feuer. Der Panzer wurde zusammen geschossen und blieb auf der Straße liegen. Gleichzeitig feuerte man Gefechtsfeldbeleuchtung um die deutschen Fahrzeuge besser erkennen zu können, zwei weitere deutsche Panzer wurden getroffen.
Etwa 300 m vor den amerikanischen Pak Geschützen mündet ein Feldweg auf die B 248, die beiden „Panther“ Panzer mit den Nachtsichtgeräten befanden sich gerade an diesem Weg. Durch die amerikanische Gefechtsfeldbeleuchtung erkannten sie diesen, scherten rechts aus und bezogen dort Feuerstellung. Das Schicksal der amerikanischen Pak Geschütze war besiegelt. Ein Geschütz nach dem anderen wurde durch die Granaten der Panzerkanonen ausgeschaltet. Es gibt keine gesicherten Beweise, dass die „Panther“ wirklich mit Nachtsichtgeräten ausgestattet waren und ob sie von einem, für die großflächige Ausleuchtung des Geländes notwendigen Scheinwerferfahrzeug begleitet wurden, oder die Zielerkennung mit den auf den Panzern montierten Infrarot-Scheinwerfern erfolgte. Allein die zielsichere Feuerführung bei Dunkelheit, untermauert die Vermutung des Vorhandenseins solcher Nachtkampftechnik. Ohne das gezielte Feuer dieser Panzer hätte kein deutsches Fahrzeug die Brücke überqueren können. In den amerikanischen Berichten finden sich keine Hinweise auf diesbezügliche Ausrüstungen in den aufgefundenen Fahrzeugen.
Der Übergang über die Brücke war freigeschossen. Die abgeschossenen Panzer werden beiseitegeschoben und der Rest der Kolonne passierte ungehindert die Brücke. Erst in Fallersleben stieß die Kolonne auf weiteren Widerstand, weitere Panzer, SPW und LKW gingen verloren. Der letzte Tigerpanzer fährt auf eine Mine und bleibt bewegungsunfähig liegen. Die Kolonne wurde in mehrere Gruppen zersprengt. General Decker erreichte mit seinem Befehlswagen im Morgengrauen das Waldgelände 2 km nördlich von Wendhausen, dort ließ er unterziehen. Im Laufe des Vormittags kamen dort noch zwei LKW an. Auf dem einen saßen etwa 12 deutsche Soldaten, der andere war mit den amerikanischen Gefangenen besetzt. Major von Benningsen hatte die Stadt mit dem Rest seiner Panzer in südwestlicher Richtung verlassen, einige SPW folgten. Noch vor Sonnenaufgang erreichte von Benningsen Destedt am Rande des Elm. General Martin Unrein hatte den kürzesten Weg zum Elm gefunden, er befand sich mit einigen VW Kübel und SPW der Pioniere ab 6.30 Uhr südöstlich Abbenrode. Oberleutnant Hans Kempe, der Kommandeur der Werkstatt und Versorgungskompanie erreicht den Elm mit dem Rest seiner Fahrzeuge bei Königslutter. Damit war für die Division „Clausewitz“ der unsinnige Befehl erfüllt, das Kampfgebiet der 11. Armee war erreicht.
Die Division “Clausewitz“ war nach 18 Tagen zerschlagen. Zurück blieben Soldatengräber und Kriegsschrott entlang der Marschwege und an den Kampfstätten. Diese 18 Tage waren der PD „Clausewitz“ vergönnt, weil sich zwischen der zur Elbe strebenden 9. US-Armee und den nach Norden einschwenkenden Briten eine große Lücke gebildet hatte, in der die Kampfgruppen sich sammeln und einige Tage operieren konnten.
Am 21. April erging an alle deutschen Einheiten und versprengten Soldaten in Altmark und Wendland der Befehl, sich auf Schleichwegen zum Brückenkopf Dömitz durchzuschlagen, wobei die Brücke bei Dömitz bereits am 20. April gegen 17 Uhr von Jagdbombern zerstört worden war. Am 23. April stehen die amerikanischen Truppen vor dem Brückenkopf bei Dömitz, der sich noch bis zum 26. April halten kann. Dömitz wird am 2. Mai von amerikanischen Soldaten besetzt. Einzelne Gruppen und Fahrzeugbesatzungen der Kampfgruppe IV und der PD „Clausewitz“, die nicht in den Kampfgruppen eingegliedert waren (Noch nicht vollständig aufgestellte Teile der Division befanden sich im Raum Lauenburg), gelangen bis in den Raum Dömitz, Hagenow und weiter nach Norden. Ebenso versprengte Gruppen aus dem Kessel im Klötzer Wald und von der Kampfgruppe III.
Wie absurd die Planungen des OKW zu diesem Zeitpunkt sind, zeigt der Befehl des OKW / WF Stab vom 23. April an das AOK 12 (Armee Wenk): "Der Angriff des XXXIX. Panzerkorps ist einzustellen und das Korps auf das Ostufer der Elbe zurückzuführen. Späterer Einsatz an der Berliner Front, je nach Entwicklung der Lage."
Die Kommandeure der versprengten Teile stellten ihren Soldaten frei, sich zu ergeben oder zur Elbe durchzuschlagen. General Unrein setzte sich zunächst mit seinem VW Kübel in Richtung Elbe ab. Es gelingt ihm bei Fallersleben den Mittellandkanal unbemerkt zu überqueren und Richtung Osten zu fahren, als der Tank leer war, organisierte er sich ein Fahrrad und kam noch bis Roxförde - Wannefeld, wo er und Major Thoma von einer Aufklärungspatrouille des 134. IR (35. Infanterie-Division, Generalmajor Paul W. Baade) unter Hauptmann Mike Waseline am 24. April in Zivilkleidung gefangen genommen werden.
Anmerkung: Am gleichen Tag wird durch Leutnant Darrel Droslem und Sergeant A. Rohleder vom CIC Corps der 35. US-ID in Magdeburg der SS Generalmajor Heinz Jost festgenommen.
General Karl Decker befand sich am 21. April mit zwei Lastwagen, einem Spähpanzer, wenigen Soldaten und 30 gefangenen Amerikanern im Wald am Buchenberg. Das Gelände war von amerikanischen Soldaten umstellt, die damit begannen, es zu durchkämmen. Die Gefangenen wurden entlassen und die letzten Soldaten der PD „Clausewitz“ haben sich abgesetzt. General Karl Decker verabschiedet sich zuvor von ihnen und hat sich am 21. April 1945 erschossen. Seine Leiche wurde wenige Tage später vom Wendhausener Förster gefunden. Er hinterließ eine Frau und zwei kleine Töchter. Karl Decker wurde auf dem Friedhof in Wendhausen beigesetzt.
Über das Ende im Elm berichtet der Obergefreite Albert Vollmert: "Am östlichen Stadtrand konnten wir noch einen schwerverwundeten Grenadier vom Grenadierbataillon Feldherrnhalle mit Bauchschuss mitnehmen, der aber kurz darauf auf dem Lastwagen verstarb.
In der Nähe von Helmstedt mussten wir bei Tagesanbruch wieder in Deckung gehen, um nicht durch Jabos entdeckt zu werden. Dies geschah in der Nähe der Ruine Langeleben am Elm. Wir suchten nach einer günstigen Stelle für unseren Panther und stellten von einer erhöhten Lichtung fest, dass die Hügel von einem kompletten amerikanischen Panzerbataillon umstellt waren. Kurz danach setzte starker Artilleriebeschuss ein, in das auch die amerikanischen Panzer und 2-cm Flak eingriffen, die auf Lastwagen montiert waren. Der Beschuss dauerte etwa eine Stunde an. Danach sahen wir, dass auch der Wald von amerikanischer Infanterie durchkämmt wurde.
In dieser aussichtslosen Lage gab Stabsfeldwebel Hermann den Befehl zur Auflösung und beide Besatzungen, also 10 Soldaten, gingen wortlos davon, um sich der Gefangenschaft zu entziehen. Ich schloss mich Unteroffizier Bernd Rickers an, der Fahrer bei Hermann gewesen war. Wir beschlossen nach Westen ins Sauerland zu marschieren, um zu versuchen, in meine Heimat Plettenberg zu kommen. Die anderen gingen in Richtung Mecklenburg, Brandenburg und Thüringen, alle mit dem Wunsch nach Hause zu kommen."
Anmerkung: Beide sind ein ganzes Stück gekommen, wurden aber dann doch von den Amerikanern aufgegriffen und kamen in verschiedene Auffanglager. In Sennelager meldeten sie sich als Landwirte und gehörten mit zu den ersten, die entlassen wurden.
Im G-2 Tageslage Bericht Nr. 170 vom 20. – 21. April 1945 der 102. US-ID steht: "C. XIII. Korps „Heimatfront“: Das Waldgebiet Klötze, Gebiet Y 3350 wurde im Laufe des Tages vom Feind gesäubert, obwohl angenommen wird, dass kleine, nicht organisierte feindliche Gruppen verblieben sind. Allerdings wurde deren Ausrüstung zerstört. Unvollständigen Zählungen zufolge wurde in dem kleinen Waldgebiet südwestlich von Klötze bei Y 2951 folgende Ausrüstung des Feindes zerstört: 29 Halbkettenfahrzeuge, 1 Panzer (Mk V), 4 Stck. Munition-LKW ¼ t, 1 Munitionswagen 2,5 t und zahlreiche weitere Fahrzeuge. Aus den jüngsten Auflistungen geht hervor, dass es 260 Kriegsgefangene gab, wobei noch immer Versprengte eintreffen. Die Kriegsgefangenen gaben an, dass die Zahl der Gefallenen sehr hoch sei.
Die Kämpfe im Gebiet des 407. Infanterie-Regiments sollen sehr beweglich und hart gewesen sein. Um etwa 23.00 Uhr des 20. April überquerte eine „Einsatzgruppe“ bestehend aus Panzern, Halbkettenfahrzeugen und LKW mit Infanteristen die Hauptversorgungsstraße zwischen Ehra (Y 0746) und Lessien (Y 0546). Unsere Truppen in diesem Gebiet meldeten, dass eine Reihe Panzer, Halbkettenfahrzeuge und LKW (einem unbestätigten Bericht zufolge 10 LKW) außer Gefecht gesetzt wurden. Die feindlichen Truppen setzten ihren Weg nach Süden fort und wurden um 04.30 Uhr des 21. April bei Fallersleben (Y 0329) - Sandcamp (Y 0530) – Hesslingen (Y 0830) gestellt. Schwere Gefechte folgten, ein Panzer und 6 bis 9 Halbkettenfahrzeuge wurden zerstört. Kriegsgefangene berichteten, dass diese Einheit den Auftrag hatte, Braunschweig (X 9010), zurückzuerobern. Am Ende dieses Zeitraums war diese Einheit zerstreut in kleine, unorganisierte Gruppen, die unsere Truppen aufstöberten. Die Nachschubstrecke von Ehra nach Voitze war um 21.16 Uhr wieder als gesichert gemeldet. Von dem 407. Infanterie-Regiment wurden während der Periode 207 Kriegsgefangene gemacht.
Zusammenfassung Kriegsgefangenen-Verhörreport: Es wurden insgesamt 265 Kriegsgefangene, inklusive 2 Offiziere, im Divisionsgefangenenlager eingeliefert. Es konnten zwei Divisionseinheiten durch Gefangene identifiziert werden. Das Bataillon „Feldherrnhalle“ und die Division „Clausewitz“, dies ist die Einheit, welche im Hinterland der Division agierte."
Die Reste des XXXIX. Panzerkorps verlegen befehlsgemäß an das Ostufer der Elbe und geraten noch in die Abwehrkämpfe mit den anstürmenden Russen.
Vom 22. bis zum 25. April wird der Brückenkopf Dömitz befehlsgemäß geräumt.
Der aufgeriebene Korpsstab kann schnell wieder formiert werden. Neuer Kommandeur wird Generalleutnant Arnd. Das XXXIX. Panzerkorps bekommt von der 12. Armee den Auftrag die Elbelinie von Bleckede bis Havelberg zu sichern. Diese Aufgabe umfasst den Zeitabschnitt 26. bis 30. April 1945.
Als Kräfte stehen dazu zur Verfügung:
Reste der Panzerdivision „Clausewitz“
Divisionsreserve Hamburg
Division Meyer
84. Infanterie-Division als Korpsreserve
Die Division „Schlageter“ wurde der Armee Blumentritt unterstellt, gehörte nicht mehr dem XXXIX. Panzerkorps an.
Das Infanterie-Regiment „Winter“, mit 3 Bataillonen, welches vom 1. Mai ab die Elbefront mit zwei Bataillonen von Scharlitz – Klietz – Hohengöhren – Schönhausen - Fischbeck besetzt hielt, hatte den ausdrücklichen Befehl erhalten nicht zu kämpfen, nur zu beobachten, und sich abgesetzt zurückzuhalten. Der Regiments-Gefechtsstand befand sich in Wust. Dort lag auch das 3. Bataillon als Reserve. Das Infanterie-Regiment „Winter“ war der 309. Infanterie-Division (Generalmajor Voigtsberger) unterstellt.
Durch strikte Einhaltung dieses Befehls ist es in der Zeit bis zum Übergang über die Elbe zu keinen Gefechten mit den Amerikanern in diesem Abschnitt gekommen. Die amerikanischen Patrouillen konnten die Elbe ungehindert überschreiten und bis Havelberg und Rathenow aufklären.
Vom 1. Mai bis zum 7. Mai werden die Reste des XXXIX. Panzerkorps an der Havelfront im Raum Brandenburg / Havel – Plaue – Pritzerbe – Rathenow - Havelberg gegen die Russen eingesetzt.
Der Stab des Panzerkorps quartiert sich am 1. Mai in Sydow ein. Die Versorgung bereitete keine Probleme. Munition kam aus dem Raum südlich Genthin und für Lebensmittel und andere Versorgungsgüter hatte das Korps mehrere 800 t Kähne bereitstehen, die noch für längere Zeit ausreichten.
Parallel zu den anderen Einheiten der 12. Armee zog sich auch das XXXIX. Panzerkorps Richtung Elbe zurück. Nach Panzerangriff der Russen auf Havelberg zog sich das Korps am 4. Mai auf die Linie Molkenberg – Rehberg – Kamern – Wulkau – Elbe zurück.
Generalleutnant Arnd schreibt in seinem Bericht in amerikanischer Gefangenschaft:
"In dieser Frontlinie erhielt das XXXIX. Panzerkorps den Befehl in der Nacht vom 4. zum 5. Mai über den großen Brückenkopf zurückgehend sich vom Feind zu lösen und bei Fischbeck zum Übergang bei Tangermünde zu sammeln. Gleichzeitig erhielt der Korpsstab den Auftrag den Übergang für alle auf Tangermünde angesetzten Truppen zu leiten. Mit dem 5. Mai früh begann auf einem Brückensteg an der zerstörten Straßenbrücke Tangermünde der sorgfältig gesteuerte Übergang der Truppen.
Als Durchschnitt wurde je Stunde 1 000 Mann erreicht, so dass bei Tangermünde etwa 49 000 Mann am 7. Mai 1945 mittags übergegangen waren.
Mit den beiden anderen Übergängen im Norden und Süden mit dem an anderen Stellen vorgenommenen Verwundetenabschub sind in dieser Zeit etwa 85 000 Mann übergegangen."
War es kurz vor Ende der Kämpfe in Europa noch notwendig, Soldaten sinnlos in ein aussichtsloses Unternehmen und den sicheren Tod zu schicken? Ich meine nein!
Clausewitz schreibt: Wie hoch auch der Wert des Mutes und der Standhaftigkeit im Krieg angeschlagen werden muss, so gibt es doch einen Punkt, über den hinaus das Verharren im Krieg nur eine verzweiflungsvolle Torheit genannt und also von keiner Kritik gebilligt werden kann.
Zur Erinnerung! Clausewitz schreibt in seinem Werk „Vom Kriege„: "Der Krieg ist nichts Anderes als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln."
Ist der Frieden nichts Anderes, als die Fortsetzung des Krieges, der Kriegspolitik, mit anderen Mitteln?
Boitzenhagen
Auch der kleine Ort Boitzenhagen bei Brome, wurde in die Geschehnisse um die Panzer-Division „Clausewitz“ verwickelt. Der Ort war am 11. April von amerikanischen Truppen erreicht worden, aber nicht mit Besatzungstruppen belegt, obwohl der Nachschub zeitweise durch das Dorf rollte.Am 16. April tauchte überraschend eine deutsche Panzereinheit im Dorf auf und bezog Quartier. Mehrere amerikanische LKW wurden abgefangen und die Straße zwischen Voitze und Brome gesperrt. Die bei den Überfällen gemachten Gefangenen mussten von der Dorfbevölkerung versorgt werden.
Am Abend schlagen erste amerikanische Granaten im Dorf ein, die Deutschen haben erste Verluste und es breitet sich Unruhe aus. In der Nacht rückt die deutsche Einheit ab, dabei wird ein deutscher Soldat von einem Panzer überrollt. Er und ein Leutnant, welcher vor der Schule von einem Granatsplitter getroffen wurde, werden auf dem Friedhof beigesetzt.
Der Morgen des 17. April ist fast gespenstisch ruhig. Nachmittags gegen 15.00 Uhr kamen zwei amerikanische Jeeps in das Dorf und schauten sich um. Die amerikanischen Soldaten verließen Boitzenhagen wieder und man nahm an, dass nun wieder Ruhe einkehren wird. Allerdings hatten die Offiziere und Soldaten der Aufklärungsgruppe auch die geplünderten amerikanischen LKWs gesehen und werden sich ihre Meinung gebildet haben.
Die Bauern machten sich gerade daran, die Kühe zu melken, als die ersten Granaten einschlugen. Wer es noch schaffte, rannte in die Keller und Bunker, die man sich zum Schutz gegen Luftangriffe gebaut hatte. Die amerikanischen Batterien standen bei Ehra, Zasenbeck und Ohrdorf. Boitzenhagen wird zweimal intensiv beschossen und dauerte bis 09.00 Uhr des 18. April. Unmittelbar nach dem Ende des Beschusses, rückten die Amerikaner wieder ein und leisteten sofort erste Hilfe für die Verletzten und brachten die Schwerverletzten in ein Lazarett. 15 Zivilisten verloren durch diesen Beschuss ihr Leben, darunter zehn Frauen. Ein Grabstein mit ihren Namen erinnert an diesen schrecklichen Tag.
Am 21. April wird der Wald rund um Boitzenhagen von den Amerikanern in Brand geschossen, um die in den Wäldern vermuteten deutschen Soldaten zur Aufgabe zu zwingen. Durch dieses große Feuer wurden etwa 1500 Hektar Wald vernichtet.
In der amerikanischen Gefangenschaft schreibt Martin Unrein in seinem Bericht über diesen Abschnitt:
"Am 15. April gegen 17.00 Uhr trat die Panzer-Gruppe nunmehr unter Führung eines Majors, der die Panzer-Gruppe um 14.00 Uhr für den am Morgen verwundeten Hauptmann übernommen hatte, über Bodenteich-Schmölau-Reddigau zum Stoß nach Süden an. Dem Führer wurde über den weiteren Weg freie Hand gelassen, jedoch als erstes Ziel der Raum 15 km westlich Gardelegen befohlen. Der Funkbetrieb sollte auf das Notwendigste beschränkt bleiben. An Betriebsstoff wurde etwa 1 VS (Versorgungs-Satz), an Verpflegung etwa für 3 Tage mitgegeben, später sollte die Truppe Verpflegung aus dem Lande requirieren.
Am 16. April mittags meldete die Panzer-Gruppe sowohl durch Funk wie durch Ordonanz-Offizier im Volkswagen, dass sie am Morgen die Straße Gifhorn-Salzwedel (2,5 km nordostwärts Brome) erreicht und diese gesperrt habe.
Erfolge: Vernichtung einzelner feindlicher Spähwagen und LKW.
Weitere Absicht sei, bei Einbruch der Dunkelheit den Vorstoß fortzusetzen, um den Weser-Elbe-Kanal zwischen Buchhorst – Calvörde zu überschreiten. Zweites Ziel der Panzer-Gruppe voraussichtlich das Waldgelände 10 km südwestlich Calvörde.
Der zurückgekommene Ordonanz-Offizier nahm am Abend des 16. April zehn weitere Panzer und Sturmgeschütze, einige SPW und eine Pionier-Kompanie, sowie VS Betriebsstoff mit. Die zweite kleine Kampfgruppe erreichte gegen 24.00 Uhr die erste Kampfgruppe in Gegend Brome.
Am 17. April meldete die Kampfgruppe durch Funk, dass das Überschreiten des Weser-Elbe-Kanals nicht gelungen sei und sie wegen Feindberührung nur wenig vorwärts kommen könne.
Am 18. April sollte die 3. Kampfgruppe antreten und zwar: etwa 12 Panzer und Sturmgeschütze, 1 Kompanie der Aufklärungs-Abteilung, 2 Panzer-Grenadier-Bataillone, 2 leichte Flak-Abteilungen, anstatt Artillerie eine schwere Flak-Abteilung, Teile der Divisions-Nachrichten-Abteilung, Divisionsstab, Korpsstab.
Die Versammlung musste im Raum Bonese-Dähre-Henningen-Darendorf stattfinden, da britische Truppen am 17. April ihre Sicherungslinie westlich der Straße Uelzen-Wittingen, in die allgemeine Linie Uelzen-Emmern-Schmölau vorgerückt hatten.
Am 18. April waren die 2 Panzer-Grenadier-Bataillone, nach Ablösung während der Nacht, in Gegend südlich Uelzen auf dem Marsch in ihre Versammlungsräume. Die britischen Truppen griffen jedoch zur selben Zeit aus Gegend Lehmke auf Schlieckau an, durchbrachen die schwachen eigenen Sicherungslinien der dort eingesetzten Infanterie-Division und zwangen bei Schlieckau die 2 im Marsch befindlichen Panzer-Grenadier-Bataillone zum Kampf.
Sie fielen, einschließlich 10 dort befindlicher Hetzer für den Vorstoß der 3. Kampfgruppe am 18. April abends aus und sollten am 19. April abends als 4. Kampfgruppe in allgemeiner Richtung Brome-Fallersleben folgen.
Ferner wurde infolge des Einbruchs der britischen Truppen in die eigene Sicherungslinie die für die 3. Kampfgruppe zugesagte Artillerie und Flak nicht verfügbar. Wieder drängte das OKW auf sofortiges Antreten der 3. Kampfgruppe, auch ohne Panzer-Grenadier-Bataillone, Artillerie und Flak.
Die Kampfgruppe trat unter Führung des Majors von Benningsen (10 – 15 Panzer und Sturmgeschütze, 1/2 Aufklärungs-Abteilung, 1 Pionier-Kompanie, 1/3 Divisions-Nachrichten-Abteilung, Divisions- und Korpsstab) am 18. April gegen 20.00 Uhr aus dem Versammlungsraum an.
Erstes Ziel: Forsthaus Malloh im Wald 15 km südlich Wittingen.
Vorgesehener Weg: Bonese-Dülseberg-ostwärts Bergmoor-Lindhof-Haselhorst-Ohrdorf Punkt 104 im Wald 15 km südlich Wittingen.
Am 19. April gegen 03.00 Uhr war die Verbindung mit den Spitzenpanzern im Wald südlich Bergmoor abgerissen. Der Anfang der Marschkolonne hatte sich daher in einen Sackweg verfahren, musste nach Wegeerkundung kehren und fuhr nun, mit einem Panzer an der Spitze, über Lindhof auf Haselhorst. Haselhorst war von amerikanischen Truppen mit Pak besetzt.
Der Spitzenpanzer wurde abgeschossen und die Kolonne fuhr in Lindhof dicht auf. Jedoch drehte der hintere Teil der Marschkolonne (dabei Korps-Stab und der Ia der Panzer-Division „Clausewitz“) über Suderwittingen nach Westen ab und erreichte noch am gleichen Vormittag das Marschziel.
Der vordere Teil der Marschkolonne wurde von mir in Lindhof (es war inzwischen hell geworden) in den Wald südlich Lindhof abgedreht.
Die vermissten Spitzenpanzer griffen, selbständig und ohne mich zu benachrichtigen, Haselhorst an und sammelten nach Wegnahme von Haselhorst wieder selbständig im Wald südlich Bergmoor.
Um 08.00 Uhr erschien in der Luft ein amerikanischer Artillerieflieger, der das Feuer von einer mittleren amerikanischen Batterie aus Gegend Bornsen (ostwärts Lindhof) und eine Batterie aus Gegend Ohrdorf (westlich Lindhof) mit großer Genauigkeit auf die in dem kleinen Wald südlich Lindhof in Deckung gefahrene Teil der Marschkolonne lenkte. In kürzester Zeit waren 30 – 40 Mann und viele Fahrzeuge ausgefallen.
Die Aufklärung meldete Ohrdorf – Hanum – Jübar feindbesetzt. Ich befahl daher das Staffelweise Erreichen des Waldes nördlich Lindhof. Im Verlauf dieser Bewegung verfuhren sich Teile am Nordausgang Lindhof nach Diesdorf und wurden dort gefangen genommen.
Weite Teile und die Masse des Divisions-Stabes wurden noch im Wald südlich von Lindhof von anscheinend aus Hanum vorgehenden amerikanischen Truppen gefangen genommen, so dass der vordere Teil der bisherigen Marschkolonne der 3. Kampfgruppe nur noch gering war. Tagsüber erfolgten noch mehrere Jaboangriffe, die weitere Ausfälle hervorriefen.
Am Abend des 19. April setzte der Rest den Vormarsch über Suderwittingen in den Wald 15 km südlich Wittingen fort und traf am 20. April auf den anderen Teil der Kampfgruppe in der Wolskehle, 5 km südostwärts des Forsthauses Malloh.
Am 20. April abends mit Einbruch der Dunkelheit wurde der Vormarsch (nunmehr nur noch 10 – 12 Panzer und Sturmgeschütze, geringe Teile der Aufklärungs-Abteilung, einige SPW und etwa 20 LKW, sowie der Rest des Divisions- und Korps-Stabes) unter Führung des Majors von Benningsen mit Ziel „der Elm“ fortgesetzt.
Vor Erreichen der Straße Salzwedel-Fallersleben nördlich Ehra wurde mit offenem Licht und Schießverbot gefahren. Kleine amerikanische Kolonnen und Einzelfahrzeuge wurden nicht beachtet. Die Aufklärung meldete, dass die Brücke über den Weser-Elbe-Kanal, nördlich Fallersleben, feindbesetzt und Panzergeräusche in Fallersleben zu hören seien. Erneuter Ansatz der Aufklärung. Gegen 02.00 Uhr trat der Anfang der Marschkolonne erneut aus Gegend 3 km nördlich der Brücke den Vormarsch an. Es entstand an der Brücke ein kurzes Feuergefecht mit Verlusten von 2 eigenen Panzern und einigen PKWs. Am Südostausgang Fallersleben erneuter Feuerkampf und ein weiterer Ausfall von 2 eigenen Panzern.
In Mörse verfuhren sich die Spitzenpanzer und erreichten den Elm in Gegend südlich Bornum, wie mir später gemeldet wurde. Ich selbst mit 2 SPW und 3 Volkswagen erreichte gegen 06.30 Uhr den Elm südwärts Abbenrode. Der Rest der Marschkolonne war durch die Kämpfe in Fallersleben zunächst festgehalten und hat erst später die Gegend ostwärts Bornum erreicht.
Der Funkbetrieb konnte nicht aufgenommen werden, da ich nur wenige 100 Meter von einer amerikanischen Wetterdienstfunkstelle untergezogen war. Vom Panzer-Korps, dessen Verbleib mir nicht bekannt war, erhielt ich keine Funkbefehle, obwohl besondere Notschlüssel und Notwellen festgelegt waren.
Tagsüber mehrfaches Abstreuen des Nordwestteils des Elm durch zwei amerikanische Artillerie-Abteilungen (eine nordostwärts, eine westlich des Elm). Hierbei wurden besonders die Teile ostwärts Bornum gefasst. Auch bei den Teilen südlich Bornum traten erhebliche Verluste ein. Dort waren auch die Panzer nicht mehr fahrbereit, hatten keinen Betriebsstoff und verschiedene Motorschäden, so dass sie im Laufe des Tages gesprengt werden mussten.
Gegen 18.00 Uhr sprach ein amerikanischer Lautsprecher aus Gegend Appenrode. Durch ihn wurde ich namentlich aufgefordert zur Übergabe, bis zum Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald nach Norden herauszukommen.
Insgesamt waren noch 30 Offiziere und etwa 50 – 60 Mann im Elm. Sie wurden in 10 kleine Gruppen aufgeteilt mit dem Befehl, sich nach Osten über die Elbe durchzuschlagen und ostwärts der Elbe bei der 12. Armee wieder zu melden.
Ich selbst fuhr im Volkswagen über Punkt 313 Richtung Schoppenstedt, durchfuhr eine amerikanische Postierung bei Oberförsterei Rhode und südlich auf eine amerikanische MG-Sperre. Von dort zu Fuß und mit dem Fahrrad bis zu meiner Gefangenahme am 24. April 1945 durch einen amerikanischen Panzerspähtrupp.
Gegen 14.00 Uhr in Roxförde (Letzlinger-Heide).
Die alliierte Luftwaffe hat die Aufstellung der Division im Raum Lauenburg und südlich erheblich gestört. Die Bewegungen der Truppe und die Eisenbahntransporte konnten nur nachts durchgeführt werden.
Eigene Luftwaffe trat in der Zeit vom 10. bis 21. April überhaupt nicht mehr auf.
Die amerikanische Artillerie schoss mit Fliegerbeobachtung, soweit ich es beobachten konnte, am 19. und 21. April genau und wendig, jedoch völlig ungestört.
Wetter während des Vorstoßes trocken, verhältnismäßig warm für die Jahreszeit, Sonne.
Die amerikanische Heeresgruppe stand nördlich und südlich Magdeburg an der Elbe. Die britische Heeresgruppe war im Vorgehen auf Hamburg, als der Vorstoß für die Panzerdivision Clausewitz befohlen wurde. Die Vernichtung der Ruhr- und Harz- Armee waren mir nicht bekannt. Obwohl von Seiten der Division und des Korps mehrfach auf die mangelhafte Verwendungsfähigkeit der Panzerdivision Clausewitz hingewiesen worden war, bestand das OKW dennoch auf strikter und beschleunigter Durchführung des Vorstoßes, der der großen Lage durch Fesselung von Feindkräften Entlastung bringen sollte.
Truppenführung und Truppe handelten befehlsgemäß, da sie bestrebt waren, nach besten Kräften zu einer Entlastung beizutragen.
Gez. Unrein
Generalleutnant"
Verhör-Protokolle deutscher Gefangener
In den Protokollen von Gefangenen-Verhören der 29. US-Infanterie-Division vom 20. bis zum 26. April 1945 sind auch einige von Angehörigen der PD „Clausewitz“ und vom XXXIX. Panzerkorps enthalten.Die 29. US-ID war aus dem Ruhrkessel abgezogen worden und wurde dem XIII. US-Armee-Korps unterstellt. Die Regimenter wurden in großer Eile durch das bereits von den Briten besetzte Gebiet über Minden am 19. April herangeholt. Das 115. und 116. Infanterie-Regiment bezog am 20. April die Bereitstellungsräume von Rosche bis Salzwedel für den Angriff auf das Wendland. Aufgabe war die Unterstützung der 5. US-PD und die Säuberung der ausgedehnten Waldgebiete im Kreis Lüchow-Dannenberg. Das 175. Infanterie-Regiment wurde bei der Säuberung der Waldgebiete um Klötze und Diesdorf eingesetzt.
Nachfolgend einige Beispiele:
Hagenau, Kurt (gefangen mit zwei anderen aus derselben Einheit)
Feldwebel in der Stabsabteilung der Division Clausewitz
Ort der Gefangennahme: Dosebech ? (Anm. Dülseberg?), durch 116. Regiment am 21. April, 11.15 Uhr.
Division besteht aus Kg. Major Wollenschlager (Anm. Wallenberg) und Kg. Major Benningsen.
Gefangener behauptet, dass KG. Wollenschlager 10 von 12 Panzer verlor.
Division hatte den Auftrag, in Richtung Braunschweig durchzustoßen. Der Angriff wurde gestoppt durch unsere Artillerie und Luftwaffe. Keine Verpflegung in den vergangenen 3 Tagen. Divisions-Kommandeur General Unrein.
Keine Kenntnis von amerikanischen Gefangenen. (Dieser Satz findet sich in allen Verhör-Protokollen)
Jung, Helmut (gefangen mit 13 anderen von derselben Einheit)
Unteroffizier in der 2. Werkstattkompanie – Div. Clausewitz
Ort der Gefangennahme: Dülseberg, durch 116. Regiment am 21. April, 11.15 Uhr.
Gefangener und 13 Männer seiner Einheit ergaben sich den Amerikanern. Sie hatten bereits auf das Herankommen unserer Truppen gewartet. Ursprüngliche Kompaniestärke betrug 70 Mann. Alle 70 gehörten früher zur 116. Panzerdivision. Die Absicht der Clausewitz-Division war der Durchbruch durch unsere Linien bei Braunschweig.
Dlinde, Heinz
Unteroffizier in der 1. Kompanie –Panzer-Aufklärungs-Bataillon „Elbe“
Ort der Gefangennahme: Dülseberg, durch 116. Regiment am 21. April, 11.15 Uhr.
Einheit war unter Division Clausewitz. Einheit wurde aufgestellt mit 12 Gruppen bei Altengrabow (Gegend Magdeburg) aus dem Ersatz-Aufklärungs-Bataillon (2 Kompanien mit je 45 Mann). 4 gepanzerte Fahrzeuge hatten Dieselmotor, der Rest Benzinmotoren. Nicht genug Sprit. 13. April verließen sie Lauenburg und wurden am 16. April Clausewitz unterstellt.
Am 17. April nach Lutenthien? (Anm. Növenthien?). Am 20. April sah der Gefangene das ganze Bataillon ausgebrannt in der Gegend von Diesdorf Y 1067. Gefangener machte Aufklärung nach Wiewohl und Reddigen (Reddigau), von dort zurück bleib er stecken bei Y 1172. Leutnant befahl, dass Fahrzeug zu sprengen. Dann ging die Mannschaft zu viert (Leutnant, Unteroffizier und zwei Gefreite) nach Winkelstedt. Gefangener nahm eine Schlafpille, um Schmerzen von einer alten Verwundung zu vermindern. Als er erwachte, waren alle verschwunden. Ein Zivilist machte ihm den Vorschlag, sich den US-Truppen zu ergeben. Kommandeur des gepanzerten Aufklärungs-Bataillons ist Hauptmann Döring. Gefangener sagt, dass die meisten Männer seiner Einheit desertierten, weil sie kriegsmüde waren.
Richter, Theodor (gefangen mit 10 anderen aus derselben Einheit)
Grenadier im 2. Bataillon „Feldherrnhalle“
Ergab sich der Feldpolizei am 22. April.
Das Bataillon war ein Ausbildungsbataillon. Wechselte die Stellungen in den letzten zwei Wochen sehr häufig. Kam in diesen Sektor vor 5 Tagen. Das erste Bataillon ist auch hier. Glaubt, dass 3. Bataillon noch in Parchim ist. Sie wurden eingekesselt und unternahmen zwei Ausbruchsversuche, aber beide schlugen fehl. 10 Panzer waren zur Unterstützung zugesagt, aber er hat sie nie gesehen. Gefangener versteckte sich und zog Zivilkleidung an. Weiß nicht, was mit seiner Einheit geschah. Gefangener war mal Angehöriger einer kommunistischen Jugend-Organisation und wurde für 6 Monate in ein Konzentrationslager gesteckt. Bataillons-Kommandeur Oberleutnant Karscher sagte ihnen vor ein paar Tagen, sie sollten als Partisanen kämpfen. Im Bataillon befanden sich viele Fanatiker und viele Rekruten mit nur ein paar Wochen Ausbildung.
Durchschnittliche Kompanie-Stärke: 100 Mann, 4 MGs, Gewehre und Panzerfäuste in jeder Kompanie.
Rescha, John (gefangen mit 9 anderen aus derselben Einheit)
Stabswachtmeister in der 2. Kp. , Panzer-Aufklärungs-Bataillon „Elbe“.
Gefangengenommen durch 116. Regiment am 22. April.
Das Aufklärungs-Bataillon „Elbe“ wurde am 10. April in Altengrabow aufgestellt. Ursprüngliche Stärke 75 Mann und 23 gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge. Fuhren nach Lindhof. Kamen vor 4 Tagen dort an. Fahrzeug des Gefangenen zusammen mit einem Panther bildeten die Spitze, strebten von Lindhof nach Süden, als unser Panzerabwehrgeschütz 3 Schuss feuerte und den Panzer in Flammen versetzte. Panzer-Aufklärungs-Fahrzeug des Gefangenen zog sich zurück, musste dann aber aufgegeben werden wegen eines Motorschadens. Die Männer in der Einheit waren nicht über die Lage informiert worden, hörten Gerüchte über Entlastung eines Kessels im Süden. Während des Artillerie-Beschusses und der Angriffe von Jabos wurden praktisch alle Fahrzeuge zerstört.
Zegar, Stephan (gefangen mit 7 anderen aus derselben Einheit)
Feldwebel in der 1. Kp. der Kampfgruppe von Benningsen (Major)
Gefangengenommen: Növenthien durch 116. Regiment am 22. April.
Kam letzte Woche in diesen Sektor mit der Bahn aus Holstein. Kampfgruppe ist gebildet aus Kader der Schule für Panzerkanoniere. Schule wurde vor drei Wochen aufgelöst. Kampfgruppe besteht aus drei Kompanien ungefähr 250 Mann. Die gesamte Einheit ist eingesetzt worden. Kompanien haben Tiger-Panzer und Panther-Panzer und Sturmgeschütze (12 pro Kompanie). Fast alle von denen wurden durch unsere Artillerie und Jagdbomber zerstört. Es stand ausreichend Benzin zur Verfügung. Einheit versuchte den Durchbruch, um Braunschweig zu erreichen. Sie wurden angewiesen, als „Guerillas“ zu kämpfen. Gefangener berichtete, einige ihrer Panzer fuhren bei Bergen in eigene Minen. Niedrige Kampfmoral in der Truppe.
Krass, Heinz (gefangen mit einem von derselben Einheit)
Gefreiter in der 2. Kp., Jagdpanzer-Bataillon „Großdeutschland“, (Clausewitz)
Gefangengenommen: durch das 116. Regiment am 22. April.
Einheit hat sich seit 2 Wochen in diesem Sektor aufgehalten. Bataillon bestand aus 3 Kompanien mit je 10 Sturmgeschützen (7,5 cm). Sie nahmen teil am Durchbruchversuch vor drei Tagen. Mangel an Sprit. Wollten amerikanisches Benzin erbeuten, um den Durchbruch fortzusetzen. Glaubt, die Mehrzahl der Sturmgeschütze wurde abgeschossen. Die meiste Zeit während ihrer Einkesselung wurden sie von Bauern mit Lebensmittel versorgt. Viele junge Burschen in der Einheit. Wenige wollten kämpfen.
Heinecke, Ewald (gefangen mit 12 anderen aus derselben Einheit)
Obergefreiter in der Wartungs-Kompanie, Kg. von Benningsen
Gefangengenommen in der Gegend Henningen durch 111. Feldartillerie-Bataillon am 23. April.
Gefangener wurde im Wald schlafend mit 12 anderen gefasst. Sie wollten über die Elbe entkommen. Gefangener weiß nicht, was geschah und wie viele von seiner Kampfgruppe übriggeblieben sind. Bei der Neuaufstellung hatte die Kampfgruppe ungefähr 550 Mann.
Sie kamen von Putlos (Holstein). Personal wurde von der Panzer-Kanoniers-Schule in dem Ort genommen. Es ist möglich, dass Kampfgruppe Benningsen und Kampfgruppe Putlos identische Einheiten sind und das einige Gefangene die Bezeichnungen durcheinander bringen. Es gab ungefähr 10 Panzer aller Typen in jeder Kompanie.
Ernst, Walter (gefangen mit einem aus derselben Einheit)
Feldwebel in der Kampfgruppe Seidel
Gefangengenommen in Henningen durch das 116. Regiment am 23. April 7.00 Uhr.
Auftrag der Kampfgruppe Seidel war, zur Division Clausewitz durchzubrechen und die übriggebliebenen Männer herauszuholen. Einheit stieß auf unsere Streitkräfte, die in diesem Gebiet nicht erwartet wurden. In dem folgenden Gefecht wurde die Kampfgruppe Seidel in verschiedene Richtungen versprengt. Einheit hatte eine Anzahl von Panzern (MK V und VI) und Sturmgeschütze (75 MM) zur Unterstützung. Exakte Stärke ist unbekannt, aber geschätzt 5 Panzer und 4 Sturmgeschütze.
Am 24. April nimmt das 116. Regiment bei Zadrau, einige Angehöriges des Stabs vom XXXIX. Panzer-Korps gefangen.
Bezeichnung der Einheit: 140 Arko
Schneider Ernst
Hauptmann, 140 Arko, XXXIX. Panzer-Korps
Gefangener war Stabsoffizier und verantwortlich für Taktik. Stab wurde erst vor einem Monat von der Ostfront nach hier versetzt. Als sie hier ankamen, konnten sie nicht einmal alle die Verbände finden, die ihnen versprochen worden waren, und es herrschte ein einziges Durcheinander. In den letzten Tagen waren sie von jeder Kommunikation abgeschnitten. Gefechtsstand befand sich im Walde und wurde vollständig durch einkreisende Panzer überrannt.
Sah britische Gefangene in der Gegend von Uelzen.
Keine Kenntnis von amerikanischen Gefangenen.
Niemann, Ernst
Oberstleutnant im Artillerie-Stab 140 Arko
Gefangener ist bekennender Anti-Nazi und willens, Informationen zu liefern. Er ist seit 2 Tagen vor seiner Gefangennahme außer Kontakt zu irgendeiner Einheit gewesen. Er sah die aussichtslose Lage in allem und beschloss, sich zu ergeben. Vor ungefähr 10 Tagen übernahm das XXXIX. Panzer-Korps den Befehl über die Panzer-Division Clausewitz und die 84. Infanterie-Division. Panzer-Division hatte zu dem Zeitpunkt keine Panzer und Infanterie-Division nicht ein einziges Infanterie-Regiment. Auftrag des Korps lautete, unsere Magdeburger Spitze abschneiden und bis zum Harz durchstoßen.
Aufstellung der Korps-Artillerie (einschließlich Divisions-Artillerie):
2. Nebelwerfer-Lehr-Regiment 7 Batterien mit 150 mm Raketenwerfern
705. Artillerie-Bataillon 3 Batterien mit 105 mm Haubitzen
53. Nebelwerfer-Bataillon 3 Batterien mit 150 mm Raketenwerfern
Bataillon „Zechlinsky“ 2 Batterien mit 150 mm Raketenwerfern
55. Flak-Bataillon (verstärkt) 5 Batterien mit 88 mm – Geschützen
SS-Batterie (Name unbekannt) 1 Batterie mit 105 mm Geschützen auf Selbstfahrlafetten
Zusätzlich hatte die Division Clausewitz ungefähr 50 Sturmgeschütze.
Schmidhofer, Walter (gefangen mit 8 anderen aus derselben Einheit)
Obergefreiter in der Stabskompanie, Arko, XXXIX. Panzer-Korps
Gefangengenommen durch 116. Regiment, am 24. April, südlich von Zadrau um 9.00 Uhr.
Gefangener war Kartograf des XXXIX. Panzer-Korps.
Als Österreicher und heftiger Anti-Nazi gab er bereitwillig jede Information. Z.B. das Versteck von einem Kasten mit Geheimdokumenten, vergraben beim Dorfe Zadrau. XXXIX. Panzer-Korps bestand aus der Division Clausewitz, 84. Infanterie-Division, und verschiedenen anderen kleineren Kampfgruppen. Nach dem Abzug des XXXIX. Panzer-Korps von der Ostfront ging es in Raststellung bis zum 1. April. Danach wurde es unter das Kommando der 12. Armee gestellt, die sich in der Harzgegend befand. Pläne wurden für einen Durchbruch der 12. Armee (die eine Anzahl neuer Panzer-Divisionen erhalten sollte) in Richtung des Ruhr-Kessels ausgearbeitet, um von dort so viele Einheiten wie möglich herauszuziehen. Der Plan wurde niemals realisiert. Eine weitere Planung fußte auf einem Geheimbefehl, dass die Kampfgruppe Decker (XXXIX. Panzer-Korps) nicht den Feind vor Uelzen aufhalten sollte, sondern die amerikanischen Truppen bei Magdeburg im Hinterland abschneiden sollte.
Benche, Paul
Gefreiter in der 4. Kompanie, Panzer-Jäger-Abteilung 18
Gefangengenommen am 25. April um 17.00 Uhr durch die Militärpolizei in Salzwedel.
Einheit wurde im vergangenen September in Ostpreußen vollständig vernichtet. Neu aktiviert im März bei Brandenburg. Kam in dieses Gebiet vor 14 Tagen. Nahm teil an beiden Durchbruchsversuchen durch unsere Linien am 18. und 19. April mit dem Auftrag, Braunschweig einzunehmen. Versuche wurden verhindert durch unsere Artillerie. Sie wurden zerstreut und verloren den Kontakt. Bataillon hatte 2 Sturmgeschütz-Kompanien und eine Werkstatt-Kompanie. Haben gewöhnlich auch eine Pak-Kompanie, aber die fehlte hier. Üblicherweise 15 Sturmgeschütze pro Kompanie. Ausreichend Treibstoff. Bataillons-Kommandeur: Major Wallenberg. Kompanieführer: Hauptmann Belgrad.
Die doch recht große Anzahl von Vernehmungsprotokollen von Angehörigen der Panzer-Division „Clausewitz“ gibt einen kleinen Einblick in das herrschende Durcheinander und die Unmöglichkeit der gestellten Aufgabe. Zu bedenken ist auch, dass es jedem Gefangenen bei schwerster Strafe verboten war, Aussagen zu machen, die über Name und Dienstgrad hinausgingen. Um die eigene Situation zu verbessern und den Feind wohlwollend zu stimmen, wird manch Gefangener das ausgesagt haben, was der Vernehmer hören wollte. Wobei die Vernehmungsoffiziere recht gerissen und hartnäckig waren.
Faksimile einer Seite. G-2 Tageslagebericht der 29. US-ID vom 23. April 1945 mit Gefangenen-Verhör-Protokolle und Gefangenen-Liste.
Bericht des Obergefreiten Albert Vollmert, 1. Panzer-Abteilung, Panzer-Brigade 106:
"Aus der Perspektive des Panzerfahrers erfuhr man allerdings nicht alles Wissenswerte. Wenn nämlich die Besatzung unterm Busch zusammensaß, hatte man als Fahrer immer wieder am Panzer zu tun, und unser damaliger Zugführer, Stabsfeldwebel Herrmann kann nicht mehr befragt werden. Einige wesentliche Punkte jedoch mögen hier aufgezeigt sein.
Aus dem Einsatz im Raum Bonn – Eitorf (Sieg) ging es mit einem Teil der Panzer-Abteilung unter Führung von Oberlt. Auer im Landmarsch über Dillenburg – Laasphe nach Großrhüden (Harz).
Nach drei Tagen folgte Verlegung in Richtung Holstein in den Raum Schwarzenbeck (Sachsenwald). Hier wurden wir nochmals mit neuen Panzerkampfwagen versorgt.
16.04.45 Wurde unsere Gruppe nach Lauenburg in Marsch gesetzt, um dort über die Elbe zu setzen und weiter in Richtung Lüneburg zu fahren.
17.04.45 Überstellung zur Panzer-Division „Clausewitz“ als Kampfgruppe II mit mehreren fremden Panzerkompanien; etwa 40 Panzer.
18.04.45 Gelang Durchbruch durch die feindlichen Linien.
19.04.45 Weitermarsch querfeldein durch kleine Dörfer in Richtung Oebisfelde, mit Verlusten. In Bereitstellung untergezogen.
20.04.45 Schwere Artillerie- und Jaboüberfälle. Bis zu 35 Jabos in der Luft. Kampfgruppe etwa zur Hälfte aufgerieben.
21.04.45 Fallersleben ist erreicht. Einer unserer Panzer wird gesprengt, weil Lenk- Bremszylinder leckt. Stadt wird kämpfend durchrollt. Bei Tagesanbruch am Elmer Wald angekommen. In der Nähe der Ortschaft Langeleben haben wir Deckung bezogen. Kurz danach begann der letzte Höllentanz: Schwere Artillerie deckte uns ein. Nach Feuereinstellung suchten wir mit mehreren Spähtrupps eine günstige Schussposition für den noch verbliebenen Panzer. Aber nach einigen hundert Metern belegte uns schon die feindliche Infanterie mit ihren Salven.
Dann kam der schwerste Entschluss: Sprengung des Panzers von seinem bewährten Kommandanten, Stfw. Herrmann.
Ein letzter Händedruck aller Kameraden untereinander, und die beiden letzten Panzerbesatzungen der stolzen Brigade 106 stehen stumm, grüßen noch einmal und ziehen dann wortlos in alle Himmelsrichtungen – ihre Heimat suchend."
Abschuss einer Me 262 bei Kusey
Nicht direkt im Zusammenhang mit der Vernichtung der Kampfgruppe I im Klötzer Forst, steht der Abschuss eines deutschen Düsenjägers.Im Raum Klötze waren Mitte April hohe amerikanische Stäbe untergezogen. Zum Schutz dieser Stäbe waren im Umfeld neben Panzern und Infanterie auch starke Luftabwehrverbände konzentriert. Neben den Luftabwehrkräften der Divisionen, war im Raum Kusey das 559. Flugabwehr-Bataillon in Stellung gegangen. Dieses vollmotorisierte Bataillon war dem Korps direkt unterstellt. Es gehörte zu den Selbständigen Einheiten der 9. US-Armee.
Vom 17. bis zum 21. April wurde das Gebiet fast täglich von deutschen Jagdflugzeugen überflogen. Die deutschen Bodentruppen wurden von ihnen nicht unterstütz, gelegentlich amerikanische Kolonnen beschossen.
Seit dem 16. April verzeichnete das 559. Flugabwehr-Bataillon folgende Aktivitäten der deutschen Luftwaffe von zum Teil tieffliegenden Flugzeugen in ihrem Bereich. FW 190, 8 gesichtete Maschinen, Me 109, 9 Maschinen und zwei Me 262. Den Luftabwehrkräften gelangen sechs Abschüsse, darunter eine Me 262.
Die „Gelbe 3“ mit der Werknummer 501 221 wurde am 21. April 1945 um 16.45 Uhr von der C Batterie des 559. Flugabwehr-Bataillons abgeschossen. Auf das in Richtung Osten tieffliegenden Flugzeug hat die Batterie 14 Schuss 40 mm und 700 Schuss vom MG- Kaliber 50 abgefeuert. Der Abschuss wurde der Bedienung von Ralph Vito Caputo zuerkannt, wofür sie eine Flasche Scotch Whisky bekam.
Der Pilot, Name und Verbleib konnten nicht ermittelt werden, landete die getroffene Maschine zwischen der Straße Klötze-Kusey und dem in diesem Bereich parallel verlaufenden Bahngleis. Bei der Bruchlandung rissen beide Triebwerke ab, sie lagen vor der Bahn. Der Bug mit der Bewaffnung war ebenfalls abgebrochen und lag neben dem Rumpf.
Wilhelm Hartmann berichtet: "In der Zeit vom 16. bis 21. April 1945 flogen vereinzelt deutsche Jagdflugzeuge Aufklärung über den Forst, ohne jedoch in die Erdkämpfe einzugreifen. Sie müssen von mecklenburgischen Flugplätzen gekommen sein, denn die altmärkischen Flugplätze Salzwedel, Gardelegen und Stendal waren schon durch amerikanische Truppen eingenommen worden. Am 21. April wurde durch amerikanische Truppenflak eine Me 262 abgeschossen, die auf dem Acker von Dr. Schult Lupitz vor dem Ziß notlandete. Die Landung auf dieser kleinen Fläche zeugt von einer guten fliegerischen Leistung des Piloten. Er hat also bis zum Aufsetzen seiner Maschine gelebt. Der Verbleib des Piloten ist unbekannt geblieben, obwohl viele Bürger glaubten, dass er der unbekannte tote Soldat war, der in der Nähe des Flugzeugs gefunden wurde. Aber das ist nun widerlegt worden. Der tote Soldat, der in der Nähe des Flugzeugs gefunden wurde, gehörte wahrscheinlich zu den Panzersoldaten der Clausewitz-Division. Er konnte aber nicht identifiziert werden."
Die Maschine war fast nicht beschädigt, sie hatte „weich“ aufgesetzt, was man auch immer darunter, bei einer Landegeschwindigkeit von 200 Stundenkilometer, verstehen mag. Nur die unter den Tragflächen hängenden Turbinen hatten sich losgerissen und waren circa 50 Meter über den Acker geschlittert und dann in den zwei Meter tiefen Gleiseinschnitt zum Stillstand gekommen.
Wo sind die in der Altmark gefallenen deutschen Soldaten verblieben?
Der Leser wird sich fragen, wo die von den Amerikanern geborgenen gefallenen deutschen Soldaten geblieben sind. Die in den Unterlagen genannten Zahlen sind an einigen Tagen recht hoch. In den wenigen bekannten Soldatengräber aus dem April 1945 können sie nicht bestattet worden sein. Vorweggesagt, alle von den Amerikanern geborgenen Gefallenen, ob eigene oder Deutsche, wurden auf zentrale Soldatenfriedhöfe geschafft. Die Gefallenen aus der Altmark wurden auf den Soldatenfriedhöfen in Margraten / Niederlande und Buschkamp, Senne I bei Bielefeld beigesetzt.Die Gräber von Gefallenen welche von der Bevölkerung bestattet wurden, haben die Amerikaner nicht angerührt. Diese Bestattungen, wie z. B. in Winterfeld (8 Gefallene) oder Hanum (6 Gefallene) waren möglich, weil sich die amerikanischen Truppen nicht die Zeit zur Bergung genommen haben, sie wollten zur Elbe, oder haben die Toten, wie in Hanum, Lindhof, Haselhorst, Wistedt u. s. w. nicht geborgen, weil sie in Fahrzeugen lagen bzw. von ihnen nicht gefunden wurden. In einigen Fällen wurden Deutsche mit der Bergung beauftragt, wie im Forst Wismar.
Warum haben die Amerikaner auch die deutschen Gefallenen, soweit von ihnen geborgen, bis in die Niederlande verbracht? Wollte man den besiegten Deutschen keinen Ort des Gedenkens für ihre gefallenen Soldaten lassen, oder gibt es einen anderen Grund?
Nachdem Deutschland am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg erklärt hatte, versprach der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt in einer Radioansprache dem Senat und dem amerikanischen Volk, das kein amerikanischer Soldat in deutscher Erde beigesetzt werden würde.
Anmerkung: Abgeschossene amerikanische Flieger deren Grablagen in Deutschland bekannt waren, wurden und werden von amerikanischen Bergekommandos exhumiert und auf amerikanische Soldatenfriedhöfe im Ausland, bzw. in die USA umgebettet. Ebenfalls umgebettet wurden die in den deutschen Kriegsgefangenenlagern verstorbenen amerikanischen Soldaten.
Im Zuge der beginnenden Aufrüstung und Mobilisierung der Streitkräfte, wurden die War Graves Registration Kompanien (WGR Co.) aufgestellt, oder reaktiviert und für ihre Aufgabe (Bergung von Toten, deren Transport, das Anlegen von Kriegsgräberstätten, die Registrierung und Führen der Begräbnisunterlagen usw.) ausgebildet.
Jedes US-Korps bekam eine solche Kompanie zugewiesen. Für das XIII. Korps war es ab November 1944 die 611. War Graves Registration Kompanie (611. WGR Co.), Die 611. WGR Co. wurde am 27. November 1943 im Ausbildungszentrum für Armee-Service-Kräfte in Fort Francis E. Warren, Cheyenne, Wyoming aufgestellt.
Kompaniechef wurde Oberleutnant Joseph J. Shomon. Weitere Offiziere waren Leutnant Edwin J. Donavan, Clarence B. Guymon, Norman E. Schreiber, Glen M. Williams, Doyle O. Jemsen und Francis A. Zajicek. Hinzu kamen 11 Unteroffiziersdienstgrade und 113 Mannschaften. Die Aufstellung war bis zum 11. Dezember 1943 abgeschlossen.
Nach intensiver Ausbildung wurde die 611. WGR Co. am 2. Mai 1944 per Eisenbahntransport nach Camp Edwards, Massachusetts verlegt. Am 13. Mai 1944 wurde die 611. WGR Co. zusammen mit der 612. auf den Truppentransporter SS „John S. Ericsson“ eingeschifft und erreichte am 25. Mai ohne größere Zwischenfälle Liverpool. Die größte Herausforderung für die Soldaten war das absolute Rauchverbot während der Überfahrt.
Von Liverpool ging es per Eisenbahntransport über Notingham – Oxford – Rampisham nach Taunton. Großbritannien glich zu dieser Zeit einem Heerlager, überall waren Stützpunkte mit Baracken und Zeltstädten. Die Vorbereitungen für die Invasion in der Normandie liefen auf Hochtouren. Am 28. Juli 1944 wurde die 611. WGR Co. samt Fuhrpark in Southapton auf das Transportschiff SS „John Steele“ verladen und landete am 30. Juli um 14.30 Uhr auf Utah Baach an.
Anmerkung: Nach den ersten Kämpfen der US-Streitkräfte in Nordafrika begannen WGR Kompanien auch die gefallenen deutschen Soldaten zu bergen und auf von ihnen angelegten Soldatenfriedhöfen zu bestatten. Diese Praxis behielten sie bis zum Kriegsende bei.
Den Kampfverbänden folgend legt die Kompanie mehrere Soldatenfriedhöfe im Abschnitt des XX. Armee-Korps in Frankreich an.
Anfang November wird Holland erreicht. Die Kompanie wird nun dem XIII. Armee-Korps unterstellt.
Am 6. November 1944 erreicht die 611. WGR Co. Margraten in Holland, wo der Stabszug bis zum 7. Juli 1945 verblieben ist. Auf Befehl der 9. US-Armee beginnt die Kompanie mit der Einrichtung eines Soldatenfriedhofs für die im nördlichen Frontabschnitt gefallenen amerikanischen Soldaten.
Am 10. November 1944 wurde der erste amerikanische Soldat mit einem kurzen militärischen Zeremoniell in einem Leinensack auf dem Soldatenfriedhof Margraten begraben. Bis zum Kriegsende werden es 19000 sein. Verantwortlich für diesen Soldatenfriedhof war Leutnant Doyle O Jensen.
Von Margraten aus operierten die drei Züge der Kompanie und überführten die Gefallenen von der Front, zuletzt von der Elbe, bis dorthin. Ungewöhnlich ist, dass die Amerikaner unmittelbar neben dem amerikanischen Soldatenfriedhof einen solchen für deutsche Gefallene angelegt haben. Ab dem 13. März 1945 wurden auf diesem Friedhof unter Verantwortung von Leutnant Glen M. Williams deutsche Gefallene beigesetzt. Auf diesem deutschen Militärfriedhof wurden 3000 deutsche Soldaten beigesetzt. Davon stammen 1700 aus dem Gebiet um Arnheim und 1300 wurden zwischen der deutschen Grenze bei Aachen und der Elbe bei Tangermünde geborgen.
Aufgabe der WGR Co war die Bergung und Bestattung der gefallenen amerikanischen Soldaten, die Einrichtung von Soldatenfriedhöfen sowie die damit verbundene Verwaltungsarbeit, wie Registration, Führung der Friedhofsbücher und Veranlassung der Benachrichtigung Hinterbliebener.
1946 beschloss das niederländische Verteidigungsministerium alle deutschen Gefallenen, welche verstreut in Holland auf Zivilfriedhöfen oder Feldgräbern beigesetzt worden waren, zu exhumieren und gemeinsam in Einzelgräber auf einem großen Militärfriedhof beizusetzen. Nur so war eine dauerhafte Pflege der Gräber zu gewährleisten.
Als Ort für diesen Soldatenfriedhof wurde ein flaches Gelände bei dem Ort Ysselsteyn in der Nähe von Vanry, 20 km nordwestlich der Stadt Venlo, gewählt. Auf dem 30 Hektar umfassenden Gelände fanden 31 538 deutsche Gefallene aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte.
Im vorderen Teil des Friedhofs haben die 85 Toten des Ersten Weltkriegs, welche aus Maastrich überführt wurden, ihre Ruhestätte gefunden. Mit den Umbettungen, durch den niederländischen Gräberdienst wurde am 15. März 1946 begonnen.
Unteroffizier Johann Siegel war der erste Gefallene, welcher auf diesem Soldatenfriedhof begraben wurde. Die deutschen Soldatengräber lagen über das ganze Land verstreut, von Maastrich bis zur Insel Ameland.
In der Folgezeit wurden auch die 3 000 Gräber der noch in den letzten Kriegsmonaten von der 611. WGR Co. in Margraten beigesetzten deutschen Gefallenen exhumiert und nach Ysselsteyn umgebettet.
In mehrjähriger Arbeit hat der niederländische Gräberdienst die Gräber, der oft als unbekannt begrabenen, geöffnet und konnte mittels modernster Erkennungsmethoden in enger Zusammenarbeit mit dem Volksbund und der Deutschen Dienststelle noch 7 330 Tote identifizieren.
Auf der Kriegsgräberstätte Buschkamp Senne I, bei Bielefeld befinden sich auch die Gräber von Günter Kunz (22 Jahre) und Emil Richter (16 Jahre) die am 21. April bei Bombeck gefallen sind.
Bis zum März 1945 bereiteten die Transporte zum Soldatenfriedhof Margraten keine Probleme, sie traten erst mit dem schnellen Vormarsch zur Elbe auf. Da die Gefallenentransporte von der Elbe bis Margraten mindestens zwei Tage beanspruchten, und Transportraum knapp war, legte der 3. Zug unter Leutnant Williams ab dem 13. April 1945 auf halber Strecke bei Bielefeld für die deutschen Gefallenen einen neuen Soldatenfriedhof an.
Die gefallenen amerikanischen Soldaten wurden weiterhin nach Margraten gebracht, während man für die deutschen Soldaten bei Buschkamp, Senne I, Bielefeld eine neue Kriegsgräberstätte anlegte. Je nach Bedarf transportierte man die deutschen Gefallenen mit den amerikanischen nach Margraten, oder wenn es sich nur um Deutsche handelte, bis Buschkamp.
Für die Beisetzung der deutschen Gefallenen in Margraten war nach dem 13. April Oberleutnant Donavan verantwortlich. Auf der Kriegsgräberstätte Buschkamp wurden in zwei Blocks insgesamt 588 deutsche Soldaten beigesetzt. Durch den verkürzten Anfahrtsweg bewältigten die Transport-LKW die Strecke an einem Tag. Zu dieser Kriegsgräberstätte wurden auch die Gestorbenen aus den Gefangenenlagern, z. B. vom „Goliath“ bei Kalbe-Milde gebracht. Ebenso teilweise aus den Gefangenen-Lazaretten aus Stendal und Gardelegen.
Die Identifizierung der Gefallen war und ist aus mehreren Gründen schwierig.
Mit dem nahenden Kriegsende lösten sich sowohl die zivilen als auch militärischen Verwaltungen auf. Die Stammrollen nicht weniger Einheiten gingen verloren. In den neu aufgestellten Einheiten und Kampfgruppen, bestehend aus auf den Straßen aufgelesenen, kommandierten und versprengten Soldaten aller Waffengattungen, wurden diese nur unvollständig oder nicht geführt.
Wahrscheinlich gab es in diesen „Kampfgruppen“ keine Personal-Verwaltung mehr, welche die Stammrollen hätte führen, oder ordnungsgemäße Eintragungen im Soldbuch vornehmen können. Meldungen an zentrale Erfassungsstellen unterblieben.
Teilweise wurden an die einberufenen „Kindersoldaten“ keine Erkennungsmarken oder Soldbücher ausgegeben. Vielen Gefallenen waren bereits vor der Bergung persönliche Dinge und die Erkennungsmarken abgenommen worden. Dadurch war es den Soldaten der WGR Co., in der Altmark die 611., oft nicht möglich die Toten zu identifizieren und ihre Identität (Name, Einheit, Fundort und Todestag, nebst Nr. der Erkennungsmarke) auf dem Beerdigungs-Protokoll einzutragen.
Ein weiteres Problem in den amerikanischen Unterlagen ist, dass die Namen der Toten, deren Zugehörigkeit (Einheit, Waffengattung usw.) und der Fundort oft nicht richtig geschrieben wurden. Man hat sich nicht übermäßige Mühe mit den Toten gegeben, wichtig war die schnelle Bestattung der Leichen.
Das Gleiche trifft auch für die in den Sammel- und Gefangenenlagern verstorbenen Soldaten zu. Wo z. B. die Toten aus dem Lager auf dem „Goliath“, wo etwa 85 000 deutsche Soldaten unter freiem Himmel kampierten, verblieben sind, ist bis dato nicht geklärt. Es ist aber zu vermuten, dass sie auf einem der beiden von der 611. WGR Co. eingerichteten Friedhöfe beigesetzt wurden.
Beerdigungs-Protokoll vom 26. April 1945 für Erich Frischkorn, welcher bei Siemen gefallen ist, durch die 611. WGR Co. auf dem deutschen Soldatenfriedhof Margraten in Holland. Block D, Reihe 6, Grab Nr. 128.
In den Gräbern 127 und 129 liegen Soldaten, von denen bei der Beisetzung nur die Eintragungen auf den Erkennungsmarken bekannt sind. Unterzeichnet ist das Protokoll von Oberleutnant Edwin J. Donavan.
5. Panzer-Division
Kampfkommando R (CCR): Zielt auf Wittenberge und Werben. M 11. April wird Rohrberg erreicht und am 12. April gegen 18.00 Uhr kommt es vor der Brücke Wittenberge zu einem Gefecht. Ein weiteres Gefecht gab es am 12. April gegen 10.00 Uhr in Winterfeld.
Kampfkommando A (CCA): Hatte die Brücke Tangermünde als Ziel. Erreicht am 11. April bei Böckwitz die Altmark, am 12. April Bismark und am 12. April gegen 12.30 Uhr Tangermünde. Es kommt zu heftigen Straßenkämpfen.
Kampfkommando B (CCB): Marschiert an Osterburg vorbei in den Raum Sandau. Weil die Kolonne immer wieder auf Gegenwehr stößt, erreicht das CCB die Altmark erst am späten Abend des 11. April bei Gladdenstedt. Am 12. April steht auch das CCB an der Elbe.
30. Infanterie-Division
Die 30. Infanterie-Division stößt mit zwei verstärkten Infanterie-Regimentern (117. IR und 120. IR) aus dem Raum Braunschweig in die südliche Altmark vor.
Das 117. IR stößt am 13. April von Calvörde kommend über Letzlingen durch die Heide Richtung Lüderitz vor, schwenkt dann nach Süden und erreicht über Tangerhütte am Nachmittag Rogätz. Zu größeren Gefechten kommt es in Angern und Rogätz.
Das 120. IR marschiert am selben Tag von Flechtingen kommend über Born Richtung Kolbitz in den Raum Loitsche.
Das 125. Aufklärungs-Bataillon (motorisiert) übernimmt den Flankenschutz an der Nordflanke. Die Aufklärer fahren am 13. April südlich an Mieste und Gardelegen vorbei und sichern dann entlang der Bahnlinie Stendal – Magdeburg. Auf ihren Weg finden sie den Flugplatz Sachau und nehmen südlich von Mieste eine Kompanie Fallschirmjäger gefangen.
Das 11. Panzeraufklärungs-Regiment übernimmt den Flankenschutz zum britischen Sektor auf der Linie Hankensbüttel – Dähre – Salzwedel – Arendsee – Bömenzien. Die Elbe wird in der Nacht zum 15. April bei Bömenzien erreicht.
Die 84. Infanterie-Division marschiert aus dem Raum Wittingen über Salzwedel in ihre Zone Arendsee – Seehausen.
Die 102. Infanterie-Division marschiert in zwei Regimentskampfgruppen (RCT) in die Altmark ein. Die 406. RCT marschiert auf Osterburg – Sandau und die 405. RCT auf Stendal. Die Angriffsspitze trifft am 13. April bei Breitenfeld und Zichtau auf Widerstand. Am 14. April werden die Widerstandsnester vor Wiepke und Estedt vom 2. Bataillon 405. IR ausgeräumt und am Abend, 19.00 Uhr kapituliert Gardelegen.
F. – W. Schulz
Quellen:
Die geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtführung im 2. WeltkriegBd. 12
Biblio-Verlag
Osnabrück
1984
National Archiv Washington, Sammlung Schwerdtfeger
G2- Tageslage- und Kampfabschluss-Berichte der
5. US - PD
102. US - ID
84. US - ID
11. Kavallerie-Regiment (G-2 und Kampfabschluss-Bericht)
134. Infanterie-Regiment (Kampfabschluss-Bericht)
611. Quartiermeister Graves Registration Co. (Historischer Bericht)
628. Panzerabwehr-Bataillon (Kampfabschluss-Bericht)
771. Panzerabwehr-Bataillon (Kampfabschluss-Bericht)
Kriegstagebuch der 15. Schottischen Division
Kampf- und Tagesberichte der Briten
vom April 1945
Wedig Reinhold
Die Panzerschlacht von Stadensen
Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide
Uelzen 1955
Wolfgang Schumann und Olaf Groeler
Deutschland im zweiten Weltkrieg Band 6
Akademie-Verlag Berlin
1988
Klaus Voss und Paul Kehlenbeck
Letzte Divisionen 1945
AMUN-Verlag
Schleusingen
2000
Günter W. Gellermann
Die Armee Wenk - Hitlers letzte Hoffnung
Bernhard & Graefe 1990
Fritz Hahn
Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 - 1945 Band 2
Bernhard & Graefe Verlag
Bonn 1992
Helmut Ritgen
Die Schulen der Panzertruppen des Heeres
1918 bis zum Aufbau der Bundeswehr
Panzermuseum Munster
1992
Gerhard Förster
Militärgeschichtliche Skizzen
Carl von Clausewitz
Militärverlag der DDR
Berlin 1983
Ulrich Saft
Krieg in der Heimat - Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe
Militärbuchverlag Saft Walsrode 1996
Die Kampfhandlungen von Nettelkamp und Stadensen
vom 14. April auf den 15. April 1945 und die weiteren Kampfhandlungen
bis zur Einnahme der Stadt Uelzen am 18. April 1945
2. und 4. überarbeitete Auflage
Karl-Heinz Schwerdtfeger
Kriegsende im Wendland
Band I bis VI
Books on Demand GmbH, Norderstedt
2010
Volksstimme vom 8. Juli 1995
Hartmann fand den Strahljäger
Sein Neffe sucht jetzt den Piloten
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